Ratgeber
Cannabis auf Rezept gibt es in der bekannten Form getrockneter Blüten, aber inzwischen auch als Pillen.
Cannabis auf Rezept gibt es in der bekannten Form getrockneter Blüten, aber inzwischen auch als Pillen.(Foto: imago/Christian Ohde)
Mittwoch, 05. April 2017

Rausch auf Rezept: Dürfen Cannabis-Patienten Autofahren?

Bekifft am Steuer - das wird teuer und kostet, wenn es dumm läuft, sogar den Führerschein. Was machen die gut 1000 Menschen in Deutschland, die Cannabis auf Rezept bekommen? Gelten für sie Sonderregeln?

Kiffen und Autofahren geht nicht zusammen. Das hat gerade gestern der BGH klargestellt. Zwar wird Cannabis-Liebhabern nicht grundsätzlich die Fahreignung abgesprochen, wie das bei den Konsumenten härterer Drogen der Fall ist. Wenn Autofahrern aber zu viel THC im Blut nachgewiesen wird, drohen ihnen Bußgelder und ein zeitweiser Führerscheinentzug. Nun ist Cannabis nicht nur ein Rauschmittel, sondern auch Medizin. Müssen auch Verkehrsteilnehmer, die Cannabis auf Rezept bekommen, um ihren Führerschein bangen?

Gut 1000 Menschen in Deutschland dürfen derzeit legal Cannabis konsumieren, weil es ihnen vom Arzt verschrieben wurde. In den nächsten Monaten dürften es noch mehr werden, das lässt die Zahl der Anträge vermuten. Es sind vor allem Schmerzpatienten, aber auch Menschen, die unter ADHS, Spastiken oder Depressionen leiden. Hier kann der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) Linderung bringen. Nur sei es Polizeibeamten oft gar nicht bekannt, dass es legales Cannabis zu medizinischem Gebrauch gebe, stellt die Fraktion Die Linke in einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung fest. Bei Straßenverkehrskontrollen bestehe die Gefahr, dass die Cannabispatienten kriminalisiert würden.

In ihrer Antwort stellt die Bundesregierung nun klar: Wer THC auf Rezept bekommt, wird hinsichtlich der Teilnahme am Straßenverkehr genauso behandelt wie andere Patienten, die unter einer Dauermedikation stehen, bzw. die ein psychoaktives Arzneimittel verordnet bekommen haben. Sprich: Solange sie in der Lage sind, ein Fahrzeug sicher zu führen, dürfen sie am Straßenverkehr teilnehmen.

Nachweis besser mitnehmen

"Wenn Cannabis aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels" herrühre, drohten dem Autofahrer grundsätzlich keine Sanktionen. Allerdings könne auch den Patienten die Fahrerlaubnis entzogen werden, wenn sie ihre Medikamente missbräuchlich konsumierten, heißt es in dem Schreiben der Bundesregierung. Außerdem müssten die Betroffenen darauf achten, dass ihre Fahrtüchtigkeit in der Einstellungs- und Eingewöhnungsphase beeinträchtigt sein könnte. Einen Grenzwert, ab dem THC im Blut strafbar ist, gibt es der Bundesregierung zufolge nicht. Anders als "normale" Kiffer dürfen die Patienten auch dann ans Steuer, wenn noch THC im Blut nachgewiesen werden kann. Entscheidend ist für sie also lediglich die Fahrtüchtigkeit.

Die Wirkung der Substanz als Therapeutikum unterscheide sich deutlich von der bei missbräuchlichem Konsum, stellte die Bundesregierung klar. Drogenkonsumenten wollten sich berauschen, Patienten nähmen solche Substanzen, um einem Leiden entgegenzuwirken. Anders als die "Spaß"-Konsumenten seien die Patienten sehr zuverlässig und verantwortlich und verhielten sich regelkonform.

Einen Nachweis über ihre Dauermedikation müssen die Betroffenen übrigens nicht mitführen. Um Missverständnisse zu vermeiden, wird aber empfohlen, am Steuer eine Ausfertigung des Betäubungsmittelrezeptes oder eine Bescheinigung des Arztes mitzunehmen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen