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Hätte sie eine Schlafstätte für sich allein, würde sie besser schlafen - auch zu Hause.
Hätte sie eine Schlafstätte für sich allein, würde sie besser schlafen - auch zu Hause.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Da kommt das Herdentier durch: Männer schlafen anders als Frauen

Von Andrea Schorsch

Frauen und Männer ticken ja gerne mal verschieden. Er nutzt die Karte, sie fragt andere nach dem Weg. Sie lebt gesundheitsbewusst, er geht nie zum Arzt. Wissenschaftlich erwiesen ist: Selbst nachts, wenn alle schlafen, ist längst nicht alles gleich.

"Frauen und Männer schlafen unterschiedlich", stellt Schlafforscher Dr. Hans-Günter Weeß, Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum, in einem Gespräch mit n-tv.de heraus. Die Unterschiede machen sich sowohl in der Länge des Schlafes als auch in seiner Qualität bemerkbar. Und selbst die Auswirkungen, die der Bettpartner auf die eigene Nachtruhe hat, sind verschieden. Frauen nämlich schlafen allein im Bett viel besser, Männer hingegen brauchen für guten Schlaf die Gesellschaft.

Woran das liegt? Man könnte vermuten, das Schnarchen wäre schuld. Doch so ist es nicht. Wissenschaftler haben eine andere Erklärung: "Evolutionsbiologisch betrachtet", sagt Weeß, "sind die Frauen immer für die Herde, für die Familie und deren Wohl zuständig. Und das bedeutet: Ist der Partner da, schläft die Frau quasi an ihrem Arbeitsplatz. Und wer schläft da schon gut?"

Männer brauchen weniger Schlaf

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Die Frau also reagiert im Schlaf wesentlich empfindlicher auf die Anwesenheit eines Bettpartners als der Mann. Während sie sensibel ist für jede Bewegung und ihr Schlaf damit unruhiger wird, kann der Mann erst dann so richtig entspannen, wenn er nicht allein ist. Auch für Letzteres glauben Forscher die evolutionsbiologische Ursache gefunden zu haben: "Bei Männern zählt vor allem, dass sie Herdentiere sind", sagt Weeß. "In der Gruppe, wenn jemand neben ihnen liegt, fördert das ihr Sicherheits- und Geborgenheitsgefühl. Sie sind aus diesem Grunde entspannter und schlafen deshalb besser."

Männer benötigen auch etwas weniger Schlaf. "Frauen brauchen", sagt Weeß, "rein wissenschaftlich betrachtet durchschnittlich 20 Minuten mehr Schlaf pro Nacht." Auch ist ihre Tiefschlaf-Phase ausgeprägter als die der Männer. Während Männer ab der Lebensmitte einen schleichenden Tiefschlaf-Verlust hinnehmen müssen, ist der Tiefschlaf "bei einer 70-jährigen Frau", wie der Experte erklärt, "immer noch genauso lang wie im Alter von 40 Jahren".

Lieber schlecht als allein

Dass Männer kürzer tief schlafen und ihre Nachtruhe insgesamt weniger lang sein muss, dürften Unterschiede sein, mit denen Paare umgehen können. Wie jedoch lösen sie das Dilemma, dass die Frau für einen ruhigeren Schlaf allein nächtigen müsste, der Mann aber nicht? "Das ist ganz einfach", sagt der Schlafforscher, "das Problem löst sich von selbst: Auch Frauen schlafen meist lieber zu zweit – obwohl sie dann nicht ganz so gut schlafen. Sie lieben die Zweisamkeit".

Lieber schlecht als allein, lautet also die Devise vieler Frauen, wenn es um den Schlaf geht. Eine kluge Entscheidung, wenn man bedenkt, dass bei Alleinstehenden ein höheres Risiko für Erkrankungen und Schlafstörungen besteht. Und das Fazit? Männer schlafen anders. Frauen auch.

Quelle: n-tv.de

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