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Kaum gestohlen, schon in Holland Aachen ist Hochburg der Autodiebe

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VWs T-Modelle sind bei Dieben begehrt, auch die älteren Jahrgänge. Gute Parkkrallen können auch Profis abschrecken.

(Foto: imago/Jürgen Ritter)

In München gibt es reichlich schöne neue Autos, doch Diebe schlagen lieber in anderen Städten zu. In Berlin zum Beispiel. Oder in Aachen. Die Stadt tief im Westen ist für die Kriminellen überaus gut gelegen.

Spritverbrauch oder Steuern? Egal, für Autodiebe sind Unterhaltskosten kein Thema. Schließlich stehlen sie selten für den Eigenbedarf, sondern für einen internationalen Markt. Und dort sind schwere Geländewagen und SUVs gefragt: Range Rover, Toyota LandCruiser, Audi Q7, Lexus RX 350 oder BMW X6 – das waren die Modelle, die 2015 die Modell-Rangliste der Diebe anführten. Jetzt ist auch klar, wo die Kriminellen besonders häufig zuschlagen. Das Branchenmagazin "Versicherungsjournal" hat die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik ausgewertet und stellt fest: In den deutschen Großstädten fällt die Gefährdungslage sehr unterschiedlich aus.

Insgesamt wurden demnach im letzten Jahr knapp 36.400 Fahrzeuge gestohlen gemeldet, geringfügig weniger als 2015. Berlin traf es am häufigsten, hier schlugen die Diebe fast 7350 Mal zu. Das ist auch dann noch viel, wenn man die Einwohnerzahl von weit über 3,5 Millionen berücksichtigt. Mit einer Klau-Rate von fast 209 Fahrzeugen auf 100.000 Einwohner ist die Bundeshauptstadt für Autobesitzer ein gefährliches Pflaster. Auch das benachbarte Potsdam liegt mit einem Wert von 147 weit überm Bundesdurchschnitt.

Zum Vergleich: Hamburg kam auf 130 Diebstahlanzeigen auf 100.000 Einwohner, München auf knappe 14, die Autometropole Stuttgart auf gerade mal zehn. Besonders sicher dürfen sich Autobesitzer im schwäbischen Reutlingen fühlen. Ganze sieben Fälle auf 100.000 Einwohner meldet die Statistik. Das macht nicht mal eine Anzeige pro Monat.

Verkehrsverbindung ist entscheidend

Dass es in den Städten im Süden und Südwesten an interessantem Diebesgut mangelt, ist unwahrscheinlich. Entscheidender dürfte vielmehr die geografische Lage sein. Autodiebe arbeiten meist international in organisierten Banden. Polen und Litauen sind wichtige Ziel- und Transitländer. Die Profis planen ihre Beutezüge folglich häufig in Städten mit guter Verkehrsverbindung nach Osten. So erklären sich die hohen Diebstahlquoten in Wolfsburg (139), Magdeburg (124) oder Leipzig (120).

Das größte Risiko tragen Autobesitzer allerdings nicht kurz vor der polnischen Grenze, sondern auf der anderen Seite von Deutschland, tief im Westen. Aachen ist mit weit über 250 geklauten Fahrzeugen pro 100.000 Einwohner die Autoknacker-Hochburg Nummer eins, und zwar mit Abstand. Im Schnitt werden pro Tag fast zwei Fahrzeuge als gestohlen gemeldet. Das war nicht immer so, 2013 waren es nur halb so viele. Doch in den letzten Jahren haben professionelle Hehlerbanden aus den Niederlanden die Stadt hinter der Grenze als Fanggebiet entdeckt. Sie schieben die Fahrzeuge dann entweder weiter oder schlachten sie aus und bieten die Teile  online an.

Das Risiko für Diebe ist gering

Zu befürchten haben sie wenig: Innerhalb weniger Minuten sind die Autos in den Niederlanden und da darf die deutsche Polizei nicht auf eigene Faust ermitteln. Anders als in Deutschland herrscht in Holland kein Strafverfolgungszwang. Die Polizei muss den Taten also nicht unbedingt nachgehen und oft tut sie das auch nicht, weil sich der Schaden für die Betroffenen in Grenzen hält. Die Fahrzeuge sind schließlich meist versichert, oft handelt es sich um Firmenwagen und die Besitzer bekommen schnell Ersatz. Die Aufklärungsquote in Aachen liegt dann auch nur im einstelligen Prozentbereich, bundesweit erreichte die Polizei in den letzten Jahren um die 25 Prozent.

Im gerade veröffentlichten Lagebild Kfz-Kriminalität erklärt das Bundeskriminalamt, wo die Fahrzeuge landen, wenn sie nicht in Deutschland bleiben. Wagen wie die aus Aachen, die zunächst in die Niederlande gehen, werden von dort aus weiter bis nach West- und Nordafrika verschifft. Über Osteuropa werden die Fahrzeuge vermehrt auch in zentralasiatische Staaten wie Tadschikistan oder Usbekistan geliefert. Außerdem gewinnt die Balkanroute an Relevanz. Autos, die den Weg über die Türkei nehmen, kommen ebenfalls in Zentralasien an, aber auch im Nahen und Mittleren Osten. 

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Quelle: n-tv.de, ino

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