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Der Mercedes GLC-F-Cell fährt mit Wasserstoff und Strom.
Der Mercedes GLC-F-Cell fährt mit Wasserstoff und Strom.(Foto: Daimler AG)
Donnerstag, 28. Dezember 2017

Es muss kein E-Auto sein: Alternative Antriebe 2018

Bis allerorten Elektroautos fahren, wird es wohl noch Jahre dauern. Aber es gibt emissionsarme Antriebe die mehr als eine Alternative sind. Eine Antriebsart fristet seit 20 Jahren ein Schattendasein, eine andere könnte die Zukunft sein.

In Zeiten von drohenden Fahrverboten und lockenden Umstiegsprämien beschäftigen sich so viele Autokäufer wie nie mit alternativen Antrieben. Mehr als die Hälfte der Fahrzeughändler verzeichnet eine verstärkte Nachfrage, hat eine Umfrage der DAT ergeben. Neben den vielen neuen E-Autos, die für die kommenden zwei Jahre angekündigt sind, rücken auch altbekannte Alternativen wieder in den Fokus. Darüber hinaus stehen neue Antriebe in den Startlöchern für den Serieneinsatz.

Gas, Alternative seit 20 Jahren

Gas verbrennt umweltfreundlicher als Benzin oder Diesel und kostet an der Tankstelle weniger. Die Autohersteller haben insbesondere den relativ sauber verbrennenden Erdgasantrieb wiederentdeckt, er soll unter anderem im Kleinwagensegment den Diesel als Spritsparantrieb beerben. So hat VW den neuen Polo neuerdings mit bivalentem CNG-Antrieb im Modellprogramm, ebenso wird Modellbruder Seat Ibiza optional mit Erdgas befeuert. Neu bei Opel ist der Astra CNG, Audi bietet als g-tron-Modelle unter anderem den neuen A4 Avant an.

Autos mit Gas-Antrieb gibt es seit 20 Jahren. Durchsetzen konnten sie sich nicht.
Autos mit Gas-Antrieb gibt es seit 20 Jahren. Durchsetzen konnten sie sich nicht.

2018 wird zeigen, ob der Erdgas-Antrieb mit neuen Modellen aus seiner Nische herausfahren kann: Lediglich 77.000 zugelassenen Fahrzeuge zählt das Kraftfahrt-Bundesamt bislang, 900 Tankstellen deutschlandweit ergeben noch kein flächendeckendes Netz. Dauerbrenner unter den alternativen Antrieben ist Autogas, rund 448.000 Fahrzeuge sind zugelassen, an etwa 7000 Tankstellen kann man LPG tanken.

Autogas wird oft nachgerüstet, aber einige Autohersteller bringen weiter neue Modelle mit Autogas-Antrieb auf den Markt. Wie zum Beispiel Opel jüngst das neue SUV Crossland X. Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer schätzt die Chancen, dass die Gasantriebe den Diesel beerben allerdings als gering ein: "Das sind seit mehr als 20 Jahren Nischenprodukte, die es nie geschafft haben, über Marktanteile von einem Prozent hinaus zu kommen."

48-Volt-Hybride

Mehr Potenzial sieht der Automobil-Professor bei 48-Volt-Hybriden. Die leichte, relativ günstige Elektrifizierung hält unter anderem beim Audi A8 serienmäßig Einzug. Die Oberklasse-Limousine nutzt ein 48-Volt-Bordnetz, das einen besonders effizienten Startergenerator betreibt. Der beherrscht die Bremskraftrückgewinnung besser als 12-Volt-Generatoren, außerdem erlaubt er im Geschwindigkeitsbereich von 55 bis 160 km/h für bis zu 40 Sekunden emissionsfreies Segeln. "Mit 48-Volt-Benzin-Hybriden liegt eine gute Alternative bis zum stärkeren Umschwung in Elektroautos vor", so Dudenhöffer.

Brennstoffzelle

Der Strom reicht für 49 Kilometer, der Wasserstoff treibt den GLC-F-Cell 440 Kilometer voran.
Der Strom reicht für 49 Kilometer, der Wasserstoff treibt den GLC-F-Cell 440 Kilometer voran.(Foto: Daimler AG)

Mit Spannung erwartet wird im kommenden Jahr der nächste Serieneinsatz der Brennstoffzelle: Obwohl es eigentlich das alltagstauglichere Elektroauto ist, kommt die Technik bisher nicht aus den Startlöchern. Mercedes versucht es ab 2018 mit einer neuen Antriebskombination. Das Wasserstoffauto auf Basis des Mittelklasse-SUV GLC soll als erstes derartiges Modell als Plug-in-Hybrid ausgelegt sein. So will Daimler auch das Problem des fehlenden Tankstellennetzes minimieren. Für Kurzstrecken hat der GLC einen kleinen, an der Steckdose aufladbaren Akku an Bord, aus dem das SUV Strom für bis zu 49 Kilometer Reichweite zieht. Die Langstrecke bestreitet der GLC aus zwei Tanks mit 4,4 Kilogramm Wasserstoff, aus dem Energie für knapp 440 Kilometer produziert wird – an Bord, versteht sich.

Während herkömmliche E-Autos ihren Strom in schweren Akkus speichern, die verhältnismäßig lange aufgeladen werden müssen, haben Brennstoffzellen-Fahrzeuge ihr eigenes kleines Stromkraftwerk immer dabei und können zudem binnen Minuten auftanken. Deshalb gelten sie als Zukunftsmodell. Bei der so genannten kalten Verbrennung, der Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff in der Brennstoffzelle, entsteht neben dem Strom für den Antrieb als Abfallprodukt statt schädlicher Abgase lediglich Wasserdampf.

Lokal emissionsfrei sind natürlich auch die diversen elektrischen Alternativen, die die Autohersteller für das kommende Jahr angekündigt haben – von den Elektro-SUV Jaguar i-Pace und Audi e-tron bis zum neuen Nissan Leaf. "2018 wachsen die Bäume hier nicht in den Himmel. So richtig startet das Elektroauto erst nach 2019", prophezeit Dudenhöffer.

Quelle: n-tv.de