Auto

Der Schöne und das skurrile Ding BMW 507 vs. BMW 700 - Stoff zum Träumen

bmw_002.JPG

Der BMW 700 und der BMW 507 könnten unterschiedlicher nicht sein. Und doch eint den Schönen und den Skurrilen etwas.

(Foto: Patrick Broich)

Wer von Oldtimern träumt, der wacht meist beim Preis schweißgebadet auf. Doch das muss nicht sein, denn es gibt auch bei den nicht so teuren Oldtimern Dinge, die begehrenswert sind, wie ein Vergleich von BMW 507 und 700 nahelegt.

Während wir im harten Corona-Winter verweilen, geben uns Oldtimer wie der sündhafte teure BMW 507 und der ebenso bodenständige als auch skurrile 700 Stoff zum Träumen und wecken Vorfreude auf das kommende Frühjahr. Die beiden Münchener stecken bei BMW die mögliche Klassiker-Bandbreite ab von extrem nobel bis hemdsärmelig bezahlbar.

bmw_003.JPG

Mag der BMW 700 auch eigenwillig sein, er ist ebenso wie der 507 ein Spiegelbild seiner Zeit.

(Foto: Patrick Broich)

Wer mit dem Gedanken spielt, einen Oldie aus München anzuschaffen, hat eine propere Auswahl zur Verfügung. Von konventionell bis skurril und von günstig über teuer bis abgehoben-unbezahlbar. In dieses Muster passen der glamouröse 507 und der unterschätzte, eigentlich fast vergessene 700. Und weil sich unsere Berufsgruppe schon zigfach mit Normalo-Ware wie neuer Klasse oder Siebener-Reihe beschäftigt hat, sind Spannung wie Vorfreude ungleich höher, bevor es zunächst an das Steuer des 700 geht. Erst die Pflicht, wie es so schön heißt - das Modell mit der nummerisch größeren Bezeichnung ist so volksnah wie verschollen. Wo sind die fast 200.000 gebauten Exemplare bloß geblieben, die den Bayern seinerzeit zum Topseller machten und nebenbei BMW retteten, als der Konzern Ende der Fünfziger mit den betagten Barockengeln kein Geld mehr verdiente?

Mit Motorradmotor im Heck

Der unter vier Meter lange, grazile Michelotti-BMW passt wie angegossen in die Wirtschaftswunder-Zeit, als die Menschen bezahlbare Mobilität suchten, die aber auch nicht unterdimensioniert sein sollte. Der schnörkellos-lichte Münchener - erstmals bei BMW mit selbsttragender Konstruktion - bekommt den Zweizylinder aus der Motorradwelt eingepflanzt. Vom Heck aus boxert sich das gebläsegekühlte 30 PS-Maschinchen in der Basisausgabe durch und treibt die ansehnliche Karosse gar nicht so phlegmatisch an, wie man zunächst denken könnte.

bmw_007.JPG

Der Boxermotor schiebt den BMW 700 aus dem Jahr 1964 mit 32 PS an.

(Foto: Patrick Broich)

Das hier bewegte Exemplar aus dem Jahr 1964 wartet schon mit dem erstarkten Grundmotor auf, das bedeutet, statt 30 schieben das 630 Kilogramm-Leichtgewicht nun 32 PS an. Das fühlt sich in der Praxis ganz munter an, das Minimal-Triebwerk des "Volks"-BMW geht sogar mit einer gewissen Bulligkeit zu Werke, knattert sich mit Elan durch jede einzelne der vier Übersetzungsstufen, die verhältnismäßig leichtgängig per Mittelschalhebel rasten. Dass sich die Anzeige des kleinen Rundtachos in dem fast schon stylischen Blecharmaturenbrett nüchtern betrachtet doch eher gemächlich in Bewegung setzt, liegt an dem Lautstärkepegel im Innenraum.

Dafür fällt dieser geräumig aus: Insbesondere in der verlängerten LS-Version lässt es sich während einer weiteren Reise ganz gut aushalten. Wer also diese BMW 700-Melange aus alltagstauglich, exotisch und rar mag, hat das Glück, dieses BMW-Modell für einen vierstelligen Eurokurs erstehen zu dürfen. Die schicken Coupés oder Cabrios können schon mal zu teureren Preisen in den Inseraten auftauchen.

Preislich unerreichbar

bmw_004.JPG

Einst fuhren vom BMW 700 mehr als 200.000 Exemplare auf den Straßen.

(Foto: Patrick Broich)

Darin unterscheidet sich der 700 vom 507, der preislich so gar nicht mehr zugänglich ist. Wer ein Exemplar in den einschlägigen Internetbörsen findet, wird gebeten, zwei Millionen Euro zu überweisen, bevor an einen Besitzerwechsel überhaupt zu denken ist. Das war mal anders - während der berühmte Mercedes 300 SL W198 (Flügeltürer) beliebter und teurer war, hat sich das Blatt unterdessen gewendet - wobei man berücksichtigen muss, dass keine dreihundert Exemplare des 507 das Werk verlassen haben. Insofern gibt es heute weniger zugelassene BMW 507 in Deutschland als Siebenhunderter - auch wenn die meisten der exklusiven Roadster bis heute erhalten sein dürften. Der BMW V8-Club, der die aktuell zugelassenen Alt-BMW immer im Blick hat, meldet 27 registrierte 507 und insgesamt ganze 227 in Amt und Würden stehende 700.

Und jetzt nichts wie rein in das rote Museumsstück, das die Klassikabteilung für eine Fotofahrt - selbstverständlich unter Aufsicht - auf die Straße gelassen hat. Doch vor Antritt der Reise bitte kurz gedanklich in die Fünfzigerjahre versetzen. Eben in jene Zeit, als der 507 erstmals zugelassen wurde, rollten auf den Straßen der jungen Bundesrepublik vorwiegend Motorräder, Roller und Kabinenroller - und wenn man Autos antraf, dann waren sie meist vom Kaliber Käfer oder Lloyd - ab 1959 dann auch vom Schlage eines BMW 700. Gemeinsames Merkmal der meisten vierrädrigen Gefährten war jedenfalls, dass sie weit diesseits der 50 PS-Grenze operierten, oftmals sogar nahe der 30 PS-Grenze.

bmw_005.JPG

Das Cockpit in Wagenfarbe, wie im BMW 507, ist keine Eigenart der Neuzeit.

(Foto: Patrick Broich)

Und jetzt der 507. Da hat der alte Graf von Goertz einen grazilen Sehnsuchts-Roadster gezeichnet, der mit seinem Hüftschwung sicherlich auch Nicht-Autoenthusiasten betören konnte und heute noch kann. Unter der Haube der leichten Alukarosse (1,2 Tonnen) werkelt der aus dem Barockengel - 502/3200 S - bekannte Achtzylinder mit 3,2 Litern Hubraum, um das mit Rahmenkonstruktion und Starrachse ausgeführte Cabrio zu Höchstleistungen zu treiben. Die galoppierenden 150 Pferdchen waren seinerzeit eine echte Ansage. Nur zum Vergleich: Die Porsche-Palette endete mit dem 100 PS starken 356 Carrera. Da musste man schon einen extrem raren Ferrari oder eben den Mercedes 300 SL auf der Bahn antreffen, um einen Gegner zu finden. Und das glich damals einem Sechser im Lotto.

Grinsen kann man bei beiden

Und heute? Der Achtzylinder des 507 springt zündwillig an und klingt artgemäß bassig - ein Ohrenschmaus. Dann mit dem klassischen Mittel-Schalthebel mechanisch-leichtgängig den Ersten hineinschieben, und es kann losgehen. Behände legt der über sechzig Jahre alte Edel-Münchener los, fühlt sich querdynamisch einen Tick schwerer an, als das Leergewicht vermuten lässt. Trotzdem trägt der 507 Sportlergene und lässt sich, mit zeittypischem Vierspeichen-Bakelitlenkrad, auch mal zügig um die Kehre treiben.

bmw_001.JPG

Muss man zwei Millionen Euro investieren, um Oldtimer-Fahrspaß zu haben?

(Foto: Patrick Broich)

Am Ende ist der Frischluft-Schönling aber ein Cruiser. Die BMW-Verantwortlichen schienen zu dieser Zeit ein Faible für in Wagenfarbe lackierte Blecharmaturen gehabt zu haben - hier tut der 507 es dem 700 gleich - ähm, umgekehrt, der 700 ist ja das jüngere Auto mit seinem Debüt 1959, just der Zeitpunkt, als die 507-Produktion auslief. Dafür ist der 507 das souveränere Gefährt und lockt damit, die Drehzahlmesser-Nadel in der rechten großen Skala ruhig an Höhe gewinnen zu lassen. Dann erwacht der 3,2-Liter und entwickelt selbst für heutige Verhältnisse ansehnliches Temperament, woran sicherlich auch die kurze Übersetzung ihren Anteil hat.

Doch jetzt die Gretchenfrage: Muss man zwei Millionen Euro ausgeben, um mit einem BMW-Oldie maximalen Fahrspaß zu haben? Nö, nicht wirklich. Okay, der 507 betört mit seinem unfassbar schönen Design. Er fährt proper, liegt satt auf der Straße und macht Druck - zehn Sekunden bis Landstraßentempo sind für ein Auto dieser Zeit unglaublich schnell und auch heute genug Punch, um locker mit den Verkehrsströmen des 21. Jahrhunderts klarzukommen. Der 507 ist ein automobiler Promi.

Der 700 dagegen ein automobiler Nobody, der seinem Fahrer dennoch das gleiche Grinsen auf das Gesicht zaubert. Man begreift seine Minderleistung schnell als Challenge, und das macht ja auch Spaß, denn ein bisschen Herausforderung gehört schließlich zum Oldtimer-Dasein dazu. Der BMW 507 fährt im Grunde unspektakulär, fasziniert erst, wenn man sich den zeitlichen Kontext in Erinnerung ruft. Keine schlechte Nachricht für diejenigen, die sich für die kommende Saison vorgenommen haben, einen exotischen BMW zuzulegen. So ein 700 dürfte für die allermeisten Bürger doch deutlich erschwinglicher sein.

Quelle: ntv.de