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Kompromissloser Mix BMW F 900 XR - neu definierte Dreifaltigkeit

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Die BMW F 900 XR ist eine würdige kleine Schwester der S 1000 XR.

(Foto: Joerg Kuenstle)

Wer als Motorradfahrer neben Sportlichkeit auch Tourentauglichkeit wollte, der fand dies bei BMW bis dato erst in der Oberklasse. Mit der neuen F 900 XR haben die Bayern aber einen ausgezeichneten Mix geschaffen, der sich unterhalb der S 1000 XR ansiedelt.

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So scharf gezeichnet wie die S 1000 XR fährt die BMW F 900 XR vor.

(Foto: Joerg Kuenstle)

Den neuen Dynamic Roadster von BMW in Form der F 900 R haben wir auf diesen Seiten schon gefeiert und mit unseren Worten als gelungene Nachfolgerin der F 800 R beschrieben. Aber die Bayern haben die Basis des Naked Bikes genutzt, um noch ein ganz neues Motorrad in die Spur zu bringen, die F 900 XR. Ja, es handelt sich hier sozusagen um die kleine Schwester der S 1000 XR. Nur, dass die eine leistungstechnisch im Oberhaus fährt, während die andere in eine Lücke stößt, wo es anscheinend keine echten Gegner gibt, aber vermutlich viele hungrige Ritter der Landstraße, denen genau dieses Mittelklasse-Ross den Weg über kurvenreiche Landstraßen zur freudvollen Hatz machen soll.

Denn das XR steht bei BMW seit seiner Erfindung für einen "kompromisslosen Mix aus Sportlichkeit und Tourentauglichkeit", die ihren Ursprung tatsächlich in der S 1000 XR hat. Und weil das so ist, haben die Designer auch gar keine Scheu, die Kleine optisch ganz dicht an die Große heranzuführen. "Das, was man bei der F 900 XR  auf den ersten Blick sehen soll, ist dieses Zusammenspiel von Sport, Abenteuer und Tour. Eben genau das, was die S 1000 XR auszeichnet", erklärt Andreas Martin, der für das Design des BME-Neuzugangs verantwortlich zeichnet.

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Dank Verkleidung beschleunigt die F 900 XR etwas schneller als die F 900 R.

(Foto: Joerg Kuenstle)

Die Grundlage für die F 900 XR liefert übrigens die F 900 R. Was nichts anderes heißt, als dass auch die aus ihrem 895 Kubikzentimeter großen Parallel-Twin 105 PS schöpft und ab 6500 Kurbelwellenumdrehungen 92 Newtonmeter auf die Kette drückt. Lediglich bei der Beschleunigung liegt die XR mit 3,6 Sekunden um 0,1 Sekunden beim Sprint auf Landstraßentempo vor der R-Schwester. Und das, obgleich sie mit 219 Kilogramm 8 Kilo mehr auf die Waage bringt. Hier macht sich eindeutig die von Martin superscharf gezeichnete Verkleidung der XR bezahlt, die den Fahrtwind nur so vorbeifliegen lässt.

Agil wie eine Super Moto

Apropos Fahrtwind: Den spürt man auf einer XR natürlich deutlich weniger als auf dem Naked Bike. Schon aus dem Grund, weil die XR einen recht großen Windschild hat, der nicht mehr wie bei der großen Schwester über einen Zug verstellt wird, sondern über einen rechts angebrachten Kipphebel über zwei Stufen. Das ist ebenso wie die aufrechte Sitzposition, die auch ein wenig an die auf einer Super Moto erinnert, das, was die Tourentauglichkeit der XR und das extrem agile Handling garantiert. Auch die 15,5 Liter Tankinhalt dürften für Langstreckentauglichkeit sorgen.

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Der Parallel-Twin der F 900 XR klingt dank Hubzapfenversatz wie ein V2.

(Foto: Joerg Kuenstle)

Doch die XR hätte ihr Kürzel nicht verdient, wenn sie sich nicht auch sportlich fahren ließe. In den Bergen um Almeria überzeugte sie mit ausgesprochener Agilität und im schnellen Wechsel der Kurven mit leichter Führbarkeit. Alles an dieser Maschine unterstützt den Fahrer beim schnellen Swing um die Kehre. Und da jede Kurve in den spanischen Bergen wie eine Wundertüte auf den Fahrer zukommt, weil er sie einfach nicht einsehen kann, war es umso schöner, zu erfahren, dass die F 900 XR immer noch Luft zum Justieren lässt.

Deutlich teurer als die F 900 R

Natürlich wird der Pilot bei ihr wie bei der F 900 R von einer ganzen Zahl an Sicherheitsfeatures unterstützt, die bei einem sportlichen Tourer eher goutiert werden als bei einem Naked Bike. Dazu gehören die Heizgriffe gegen kalte Hände ebenso wie ein als Option verfügbares adaptives Kurvenlicht, ein elektronisches Fahrwerk und ein Kurven-ABS. Alles optional, was den Preis der F 900 XR, der bei 11.400 Euro startet, auf 12.840 Euro anwachsen lässt. Ob man das Geld ausgibt, ist letztlich eine Glaubens- und Budget-Frage. Wer dann auch noch das Touren-Paket mit Navi-Vorbereitung und Tempomat sowie das Dynamik-Paket mit Schaltassistent und dem schon erwähnten Kurvenlicht bucht, landet am Ende bei 13.250 Euro.

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Mit der F 900 XR wird auch die Langstrecke zum Kinderspiel.

(Foto: Arnold Debus)

Natürlich ist damit noch nicht Schluss, aber außer dem Handschutz für 70 Euro und der Reifendruckkontrolle für 190 Euro braucht es dann eigentlich nicht mehr. Und auch ohne diese Beigaben ist die kleine XR dann schon eine echte Fahrmaschine, die behänder als die nackte Schwester ums Eck geht und ob der gleichen technischen Ausrüstung mit Motor-Schleppmoment-Regulierung (MSR) das Stempeln des Hinterrades bei abrupter Gaswegnahme verhindert oder eben das ungewollte Aufrichten der Maschine bei einer Vorderradbremsung in der Kurve durch das Kurven-ABS.

Features, die sich lohnen

Wer so flott unterwegs ist, kann jetzt natürlich auch gern das Mapping ausprobieren, das die Kraft bei Rain sanft und bei Dynamic Pro, mit diversen persönlichen Einstellmöglichkeiten, hart auf das Hinterrad bringt. In den Bergen hat sich bei der Testfahrt die Kombination Road für Motor und Dämpfer bezahlt gemacht. Im Kampfmodus Dynamic wurde das Hinterrad beim Überlaufen von Querfugen doch ein ganz kleines bisschen unruhig und die Gaskennlinie schien einen Funken zu spitz. Im anderen Fall passten beide Komponenten hervorragend zur Strecke und sorgten für ein ungeahnt sicheres Gefühl beim Kurvenlauf.

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Überall, wo es leuchtet, gibts bei der BMW F 900 XR LED und auf Wunsch sogar ein adaptives Kurvenlicht.

(Foto: Arnold Debus)

Doch neben ihrer Sportlichkeit zeigte sich die F 900 XR auf der über 130 Kilometer langen Testfahrt auch als Tourenbike. Die Sitzbank, die natürlich weicher gepolstert ist als bei der F 900 R, schmeichelt den rückwärtigen Diensten, die aufrechte Sitzposition dem Rücken und der Federweg - vorn von 170 und hinten 172 Millimeter - lässt Reisende förmlich schweben. Das gilt natürlich auch für einen potenziellen Sozius. Der freut sich nämlich über einen langstreckentauglichen Kniewinkel ebenso wie sein Gesäß über sieben Millimeter mehr Schaumstoff darunter.

Alles sportlich im Blick

Alle wesentlichen Fahrdaten und noch einiges darüber hinaus erhält der Pilot wie bei der F 900 R serienmäßig über ein farbiges, 6,5 Zoll großes TFT-Display mit BMW Motorrad Connectivity. Hier hat man sich in der Darstellung an die grafischen Vorgaben der S 1000 RR angelehnt. Was nichts anderes heißt, als dass auf Wunsch auch Daten wie Beschleunigungswerte, Schräglage oder Bremskraft abgefragt werden können. Natürlich kann auch das Smartphone gekoppelt werden, Musik gehört oder - und das dürfte für Tourenfahrer am wichtigsten sein - eine Pfeilnavigation aufgerufen.

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Auf dem 6,5 Zoll großen Display hat der Fahrer alles im Blick.

(Foto: Arnold Debus)

Nicht minder wichtig und hilfreich kann der mit den neuen 900er-Modellen angebotene Notruf sein. Über den an der rechten Bedieneinheit verbauten SOS-Knopf kann manuell oder nach einem Sturz automatisch Hilfe angefordert werden. Eine Beigabe, die gerade im Falle eines Motorradunfalls Leben retten kann.

Am Ende der Ausfahrt bleibt festzustellen, dass die F 900 XR eine würdige kleine Schwester für die S 1000 XR ist. Dabei hat sie vielleicht sogar noch einen kleinen Vorteil in der Vielseitigkeit. Dadurch, dass sie etwas kleiner und leichter ist, kommt für sie auch ein problemloser Einsatz in der Stadt infrage. Fakt ist, dass die F 900 XR sehr schnell ihre Fans finden wird, denn sie ist ein echtes Universalbike.

Quelle: ntv.de