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Die BMW R 1250 GS ist ab 16.150 Euro zu haben. Wer aufrüstet, liegt bei über 20.000 Euro.
Die BMW R 1250 GS ist ab 16.150 Euro zu haben. Wer aufrüstet, liegt bei über 20.000 Euro.
Mittwoch, 26. September 2018

Mehr als nur neuer Motor: BMW R 1250 GS - Bestseller noch besser?

Fünf Jahre nach Einführung hat BMW seinem Erfolgsmodell R 1200 GS einen neuen Boxermotor spendiert und ein sehr schlüssiges Gesamtpaket geschnürt. Der Konkurrenz zeigen die Bayern, wo bei den Reiseenduros künftig der Hammer hängt.

Schlechte Wege lassen sich mit wenig Gas überlaufen.
Schlechte Wege lassen sich mit wenig Gas überlaufen.

Rund 50.000 Einheiten hat BMW von seinem Dauererfolgsmodell R 1200 GS samt des Ablegers Adventure im vergangenen Jahr verkauft. In mehr als 12 Ländern der Welt ist das gefragteste aller jemals präsentierten bayerischen Motorradmodelle Marktführer. Fünf Jahre nach Einführung der aktuellen Generation mit dem internen Kürzel K50 rollt die 2019er Version nun mit einem deutlich weiterentwickelten Zweizylinder-Boxermotor für einen Einkaufspreis von 16.150 Euro vom Berliner Produktionsband.

Eine variable Ventilsteuerung ("ShiftCam") in Verbindung mit einem Hubraumplus von gut 80 Kubikzentimetern verhilft der jüngsten Version der GS zu einem begeisternden Fahrverhalten: Noch mehr Druck im Drehzahlkeller und erheblich mehr Feuer im oberen Drehzahlbereich konnte beim ersten Ausritt an der portugiesischen Algarve festegestellt werden.

Üppiger als die Vorgängerin

Schick verkleidet, der neue Motor der R 1250 GS.
Schick verkleidet, der neue Motor der R 1250 GS.

Auf die ohnehin schon üppigen 125 Newtonmeter des bisherigen Triebwerks – es wird für die Modelle R 1200 R, RS und auch die Adventure-Version zumindest noch einige Zeit gebaut – kommen nun noch einmal 18 Newtonmeter drauf. Im gesamten nutzbaren Drehzahlband von knapp 1500 bis 8500 Kurbelwellenumdrehungen steht fühlbar mehr Kraft zur Verfügung. Das macht den Umgang mit der neuen GS nochmals souveräner. Beispielsweise verkürzt sich der Weg beim Gasgeben aus 60 km/h auf 180 km/h im 6. Gang von 451 auf 373 Meter, also um volle 80 Meter oder zwei Sekunden.

Dass mit 136 PS auch noch elf Pferdestärken mehr am Kardanantrieb zerren, ist ebenfalls spürbar. Reißt der Fahrer das Gas auf, wechselt die Einlassnockenwelle ihre Position. Zwei vergrößerte Einlassventile machen komplett auf und lassen deutlich mehr Benzin-Luftgemisch in den Brennraum einströmen als bei Teillast. Spätestens ab 5000 Umdrehungen wird die sogenannte Volllastnocke aktiv, darunter ist bei wenig Last die Teillastnocke dran. Sie ist zuständig für fettes Drehmoment untenrum und feine Dosierbarkeit.

Als Nachfolge-Variante der bisherigen Rallye-Version legt BMW den sogenannten HP-Style auf.
Als Nachfolge-Variante der bisherigen Rallye-Version legt BMW den sogenannten HP-Style auf.

So motorisiert kann sich der neue Boxer vor allem im mittleren Gelände in Szene setzen. Lange Bachbett-Passagen voller grober Steine und äußerst ruppige Fahrwege im Hinterland der Algarve lassen sich souverän mit wenig Gas im zweiten Gang passieren. Wird in Steilstücken oder im tiefen Schotter volle Leistung benötigt, steht sie in Sekundenbruchteilen zur Verfügung. Der Umschaltvorgang der Ventilsteuerung ist dabei niemals spürbar. In puncto Laufkultur wie auch Leistungsentfaltung hat der neue Boxer ein bislang ungekanntes Niveau erreicht.

Feine Manieren auf der Straße

Doch auch auf der Straße agiert der neue Boxer in überlegener Manier: Egal in welchem Modus, Gasannahme und Laufverhalten sind perfekt. Harmonisches Gleiten oder hartes Fahren am Limit, beides beherrscht die um fünf Kilogramm schwerer gewordene GS quasi mit links. Erfreulicherweise gelang es den BMW-Entwicklern zugleich, nicht nur die Abgasqualität zu verbessern, sondern auch den Verbrauch um 0,2 Liter zu senken. Trotz keineswegs zurückhaltender Fahrweise zeigte der üppig bestückte Bordcomputer des Testbikes gerade mal 4,8 Liter pro 100 Kilometer an. Der 20-Liter-Tank macht also 400 Nonstop-Kilometer möglich.

Das herausragende, bislang nur als Sonderausstattung lieferbare Vollfarb-TFT Display gehört jetzt zur Serie.
Das herausragende, bislang nur als Sonderausstattung lieferbare Vollfarb-TFT Display gehört jetzt zur Serie.

Während Karosserie, Fahrwerk und auch die Bremsanlage nur in Nuancen verändert worden sind, hat sich der Ausstattungsumfang mit dem Modellwechsel deutlich gewandelt. Das herausragende, bislang nur als Sonderausstattung lieferbare Vollfarb-TFT-Display mit unzähligen Möglichkeiten (Connectivity, Navigation, Telefon, Musik) ist nunmehr genauso Serie wie der LED-Scheinwerfer. Ausgezeichnet funktioniert die neue automatische Blinkerrückstellung, die unterdessen in allen Modellen mit Sensorbox eingebaut wird.

Zusätzlich zur Basisversion bietet BMW für 400 Euro Zuzahlung eine schicke Alternative mit Namen "Exclusive Style". Als Nachfolge-Variante der bisherigen Rallye-Version legen die Bayern den sogenannten HP-Style auf. Er soll besonders sportlich wirken und weist zudem eine spezielle Ausstattung auf. Unter anderem gibt es goldeloxierte Kreuzspeichenräder, viel mattschwarz lackierte Teile sowie goldene Bremssättel. 700 Euro extra kostet der Spaß inklusive der dreifarbigen Sonderlackierung. Die bislang von den Kunden gerne georderten drei Ausstattungspakete treiben den Preis um weitere 3000 Euro in die Höhe, wobei Gepäckkoffer und anderer Kleinkram noch nicht dabei sind. Bereits ab Mitte Oktober ist die R 1250 GS im Handel, zusammen mit der neuen R 1250 RT, die mit demselben Antrieb ausgestattet wird.

BMW Motorrad zeigt bei der R 1250 GS, wo die Kompetenzen der Bayern liegen: im Bau ausgezeichneter Triebwerke und Fahrwerke sowie dem Schnüren stimmiger Gesamtpakete. Die neue Boxer-GS, fit für die nächste Homologationsnorm Euro 5, ist ein Dampfhammer geworden. Ihren Thron als weltweit beliebteste Reiseenduro dürfte sie im Lauf der nächsten Jahre problemlos verteidigen können.

Quelle: n-tv.de