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Wer das Bultaco Albero bewegt, muss für das gute Gefühl treten.
Wer das Bultaco Albero bewegt, muss für das gute Gefühl treten.
Donnerstag, 07. Dezember 2017

Motorrad oder Fahrrad?: Bultaco Albero - Treten für das gute Gefühl

Ein Pedelec ist es nicht, ein Fahrrad auch nicht und ein Motorrad schon lange nicht. Der Clou dieses höchst speziellen Zweirades erschließt sich am Ende auch nur mit Hilfe der Beinarbeit. Dann aber ist man 45 km/h schnell und vor allem dynamisch unterwegs.

Das Bultaco Albero wird bis zu 45 km/h schnell.
Das Bultaco Albero wird bis zu 45 km/h schnell.

Bald sind die Orangen reif in Südspanien. 15 Grad zeigt das Thermometer Anfang Dezember, immerhin. Allerdings schüttet es an diesem Nachmittag wie aus Kübeln. Höchst mäßige Voraussetzungen, um sich erstmals mit einem neuartigen Zwitter aus Motorrad und Fahrrad zu beschäftigen, den es durch die Straßen der andalusischen Metropole zu treiben gilt. Albero heißt das von der einstigen spanischen Motorradschmiede Bultaco entwickelte Elektro-Zweirad.

Neun Gänge hält das Schaltwerk bereit, dazu einen Knopfdruck-Overdrive mit Faktor 1,65, um jenseits von 25 km/h nicht hohl zu treten. Und das könnte schnell passieren, denn das Alberto bringt es in der Spitze auf Tempo 45. Verantwortlich dafür ist ein 2,7 PS starker Radnabenmotor sowie ein Akkupack, dessen Kraft für 100 Kilometer reichen soll. Bei der ersten Testfahrt ist allerdings nach nur fünf Kilometern Schluss: Das liegt aber nicht an der Batterie, sondern am allzu widrigen Wetter.

Nur wer tritt, ist dynamisch unterwegs

Nach drei Stunden Ladezeit hat der Akku 95 Prozent seiner Leistung zurück.
Nach drei Stunden Ladezeit hat der Akku 95 Prozent seiner Leistung zurück.

Am folgenden Vormittag, bei Weiß-Blau-Himmel, sieht die Sache anders aus. "Am besten ist es, wenn man als Albero-Fahrer trotz des Elektroantriebs in die Pedale tritt", rät Alessandro Bifano, italienischer Zweirad-Experte in spanischen Diensten. Was für eine bescheuerte Idee, geht es einem kurz durch den Kopf: Da hat man einen E-Motor und einen vollen Akku und soll trotzdem in die Pedale treten?

Also wird Alessandros Hinweis ignoriert. Ein Dreh am rechten Lenkergriff genügt, leise surrend setzt sich das Albero in Bewegung. Anders als bei einem Pedelec ist jedoch bei 25 km/h keineswegs Schluss mit dem elektrischen Rückenwind, sofern man statt des recht lahmen Eco-Fahrmodus "Touring" oder noch besser "Sport" gewählt hat: 50 km/h zeigt der kleine Digitaltacho maximal, die Alleebäume auf dem Paseo de los Curas fliegen nur so vorbei. Alessandro, ein paar Meter vor mir unterwegs, tritt eifrig in die Pedale, ist deshalb aber nicht schneller. Irgendwie sieht seine Fahrt dennoch dynamischer aus.

Der Akku ist mit wenigen Handgriffen ausgebaut und soll das Bultaco Albero über 100 Kilometer vorantreiben.
Der Akku ist mit wenigen Handgriffen ausgebaut und soll das Bultaco Albero über 100 Kilometer vorantreiben.

Klar wird der Unterschied zwischen dem Mit-Pedalieren und dem Gefahren-werden auf der kurvenreichen Straße hinauf zur Burg Gibralfaro. Ohne Treten rollt man mühelos bergauf. Tritt man jedoch beim selben Tempo in die Pedale, fühlt sich das deutlich schneller an. Es steckt angewandte Psychologie dahinter: Das In-die-Pedale-treten macht den Piloten zum gefühlten Fahrradfahrer. Und da sind 35 km/h (noch dazu bergauf!) eine ganz andere Nummer als Tempo 35 auf einem x-beliebigen E-Motorrad oder einem E-Roller. Da ist dann nämlich nichts Dynamisches dran.

100 Kilometer Reichweite?

Fortan wird das Neungang-Schaltwerk genutzt; es ist vom linken Lenkergriff aus leicht verstellbar. Ganz gleich ob auf den engen Innenstadtstraßen Malagas oder auf den breiten Avenidas der Halbmillionenstadt: Man kommt locker vorwärts. Wie weit? Die Frage muss im ersten Fahrtest unbeantwortet bleiben, zu kurz ist dafür der knapp einstündige Ausflug. 50 Kilometer bei "Sport", 75 bei "Touring" und 100 bei "Eco" steht im Datenblatt.Ist der Akku leer, kann er entweder am Bike geladen werden oder er wird mit ein paar Handgriffen in 15 Sekunden demontiert. Gut acht Kilogramm wiegt der Speicher; zum Laden genügt eine Haushaltssteckdose. Ein leerer Akku ist nach drei Stunden zu 95 Prozent gefüllt, heißt es. Dann kann’s wieder losgehen.

Technische Basis des Albero ist das Modell Brinco, seit zwei Jahren im Handel und mittlerweile etwa 2000 Mal gebaut. Die Firma hat ihren Sitz in Madrid, montiert wird in Barcelona. Die dicken Schwalbe-Reifen, die hochwertige Lichtanlage, die guten Feder- und Dämpfungselemente für Vorder- und Hinterrad und die sehr wirksamen, gut dosierbaren Scheibenbremsen vorne und hinten entstammen allesamt der Produktion hochwertiger Marken; mit Magura (Bremsen) , Schwalbe (Balloon-Reifen Typ "Crazy Bob") oder Supernova (Beleuchtung) sind auch einige deutsche darunter. Es verwundert deshalb kaum, dass das Bultaco Albero voraussichtlich ein Preisschild in Höhe von etwa 5800 Euro am Lenker tragen wird. Wobei es in Deutschland momentan erst vier Händler für das elektrische Motor-Fahrrad gibt; ein Importeur wird noch gesucht.

Quelle: n-tv.de

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