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Der Dacia Duster bleibt auch in der Neuauflage das günstigste Kompakt-SUV mit Allrad.
Der Dacia Duster bleibt auch in der Neuauflage das günstigste Kompakt-SUV mit Allrad.
Mittwoch, 06. Juni 2018

Im besten Sinne des Wortes: Dacia Duster - recht und billig

Mit dem Duster hat Dacia seinerzeit wenigstens optisch dem Billigheimer-Image eine Absage erteilt. Die zweite Generation wirkt sogar noch schicker. Nur ein paar Details muten immer noch billig an.

Die Heckleuchten des Dacia Duster erinnern an die des Jeep Renegade.
Die Heckleuchten des Dacia Duster erinnern an die des Jeep Renegade.

Das Wörtchen "billig" hat über die Jahre einen negativen Beigeschmack bekommen. Dass man es früher nicht nur abschätzig, sondern auch in der gut gemeinten Formulierung "recht und billig" verwendet hat, fällt einem spätestens dann wieder ein, wenn man zum ersten Mal im neuen Dacia Duster Platz nimmt. Denn das Kompakt-SUV von Renaults rumänischer Budget-Tochter ist ein durchweg angemessenes Angebot, wie man heute wohl eher sagen würde. Zu Preisen ab 11.500 Euro gibt es nämlich ziemlich viel Auto.

Unter der Design-Armut der ersten Dacia-Modelle der Neuzeit hat der Duster eh nie gelitten. Verglichen mit dem schmucklosen ersten Logan von 2004 war das sechs Jahre später erschienene Kompakt-SUV schon ein echtes Schaustück. Generation zwei hat nun ohne allzu offensichtliche Eingriffe die gestalterische Qualität noch einmal erhöht, etwa mit dem neu verchromten und vergrößerten Kühlergrill, breiteren Radkästen und den roten LED-Rückleuchten mit eingelassenen weißen Kreuzen. Äußerlich zählt der Rumäne sicher zu den stimmigsten Erscheinungen im mittlerweile überbevölkerten Segment der Allround-SUVs.

Außen hui, innen na ja

Der Innenraum des Dacia Duster wirkt weniger schick als vielmehr spartanisch.
Der Innenraum des Dacia Duster wirkt weniger schick als vielmehr spartanisch.

Der Innenraum kann das Niveau nicht ganz halten, hat aber längst nichts mehr mit der Hartplastikwüste früherer Dacia-Modelle zu tun. Sogar hinterschäumter Kunststoff findet sich mittlerweile, gegen Aufpreis gibt es auch noch einige Zierteile in Chrome. Möglicherweise bewusst schmucklos wurde die Grafik des optionalen Multimedia-Systems gehalten, das sich eng am System von Vollpreis-Anbieter Renault orientiert, funktional aber durchaus in Ordnung geht.

Einziger echter Nerv-Punkt: Nach dem Rückwärtsausparken bleibt das Bild der Rückfahrkamera noch etliche Sekunden auf dem Bildschirm, sodass Navi oder Radio nicht bedient werden können. Wer aufgrund der ordentlichen Übersicht auf den Einparkhelfer verzichtet, hat dieses Problem aber gar nicht erst. Und freut sich stattdessen möglicherweise an dem vorne wie hinten guten Raumgefühl des mit 4,34 Metern im Konkurrenzvergleich kurzen Kompakt-SUVs. Auch der 376 Liter große Kofferraum lässt sich in dieser Klasse durchaus sehen.

Der Unterfahrschutz des Dacia Duster ist nur Attrappe.
Der Unterfahrschutz des Dacia Duster ist nur Attrappe.

Dass Dacia bei seinem Billig-SUV auch sparen muss, fällt nur an wenigen Details auf. Das erste fühlt man leider schon beim Einstieg: die wackelig wirkenden Türgriffe in der längst überholten Klappen-Bauweise. Keine schöne Begrüßung. Lässt man sich danach in den Sitz fallen, hebt das nicht unbedingt die Stimmung. Im Kleinwagen Sandero wäre das Gestühl spitze, in einem Auto mit Langstrecken-Anspruch ist es wegen seines an Sitzfläche und Lehne zu knappen Zuschnitts allenfalls Mittelmaß. Punkt drei fällt nach dem Starten des Motors auf: Die Dämmung des Innenraums wurde zwar nicht komplett weggespart, ist aber hörbar dünner als bei anderen Kompakt-SUV.

Ein alter Bekannter

Der Motor des Testwagens ist ein alter Bekannter aus zahlreichen Renault-, Nissan- und inzwischen sogar Mercedes-Modellen, der 1,5-Liter-Diesel mit 109 PS. Kein Durchzugswunder, aber laufruhig und ausreichend sparsam. Knapp sechs Liter genehmigte sich der Duster im Schnitt, ein Liter mehr als versprochen. Das ist nicht besonders viel, aber der nur 50 Liter große Tank ist trotzdem ruckzuck leer. Auch in dieser Hinsicht ist der Duster also kein Langstreckenauto.

Ohne den automatisch zuschaltenden Allradantrieb würde es vielleicht noch ein wenig sparsamer und ein Stück weiter gehen. Die Traktionsförder-Technik ist in diesem Fall aber nicht nur modische Beigabe, sondern wirklich nützlich. Der robuste Rumäne kommt mit seiner hohen und übersichtlichen Karosserie im Gelände weiter als die meisten City-SUV mit Allradantrieb.

Wer explizit ein Langstreckenauto sucht, findet angesichts von mäßiger Dämmung, kleinen Sitzen und unterdimensioniertem Tank sicher bessere Modelle. Wer einen günstigen Allrounder will, wird bei gleichem Investitionsvolumen allerhöchstens auf dem Gebrauchtwagenmarkt fündig. Die Variante mit Allradantrieb und Dieselmotor gibt es ab 17.600 Euro, und selbst der üppig ausgestattete Testwagen mit Ledersitzen, Navigationssystem und Klimaautomatik kostet nur gut 21.000 Euro. Das ist sowohl im heutigen als auch im althergebrachten Wortsinn: billig.

Quelle: n-tv.de