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Die Rückkehr einer Legende De Tomaso P72 - gebaut am Nürburgring

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Erstmals vorgestellt wurde der De Tomaso P72 bereits im Jahr 2019 in Goodwood auf dem Festival of Speed.

(Foto: Goodwood)

Seit Jahren beweisen die Chinesen, dass sie beim Kauf von geschichtsträchtigen Unternehmen und deren Namen nicht kleinlich sind. Auch nicht bei der einstigen Sportwagenschmiede De Tomaso. Nun soll sogar am Nürburgring der P72 entstehen, der an den legendären Panera anknüpft. Aber reicht das für eine Erfolgsgeschichte?

Es war im Jahr 1959, als der argentinische Rennfahrer Alejandro de Tomaso im italienischen Modena die Sportwagenschmiede De Tomaso ins Leben rief. Schnell machten sich die Modelle aufgrund ihrer Leistungsstärke und ihres luxuriösen Innenlebens einen Namen. Das Problem waren nur die Motoren, die aus der Großserienproduktion von Ford stammten. Ein Umstand, der dazu führte, dass man De Tomaso nie im gleichen Atemzug nannte wie Maserati, Ferrari oder Lamborghini. Um den Ruf zu verbessern, stieg Tomaso in den 1960er Jahren mit einem eigenen Rennteam, der Scuderia De Tomaso, in die Formel 1 ein. Doch dieses Unterfangen war lediglich erfolglos und teuer.

Wie beim Apollo?

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Große Schwünge im Blech zeichnen das Design des De Tomaso P72 aus.

(Foto: Goodwood)

Im Jahr 2012 meldete das Unternehmen Insolvenz an und wurde im Jahr 2014 aufgelöst. Da der Name aber immer noch sehr klangvoll war und das erfolgreichste Modell, der Panera, bis heute unvergessen ist, fand sich mit ITV (Ideal Team Venturta) schnell ein chinesisches Unternehmen, das noch vor der endgültigen Auflösung die Namensrechte kaufte. Und ITV sind keine Unbekannten. Sie haben bereits den Supersportwagen Apollo auferstehen lassen. Man erinnere sich: Das ist der Bolide, der von der Gumpertsportwagenmanufaktur in Altenburg hergestellt wurde. Momentan arbeitet die Apollo Future Mobility Group (AFMG) mit Sitz in Hongkong an einer Luxus-E-Limousine, die 2023 an die Kunden ausgeliefert werden soll.

Ob es De Tomaso am Ende so geht wie Gumpert mit dem Apollo, bleibt abzuwarten. Denn bevor die auf die Elektroschiene schwenkten, pumpte wie beim 2019 in Goodwood präsentierten P72 ein Verbrenner. Um genau zu sein, handelte es sich beim De Tomaso sogar um einen V12-Motor, der sich sichtbar hinter einer Glashaube des Karbon-Boliden dem Publikum präsentierte. Inzwischen hat man aber bei der Befeuerung einen Schritt zurück gemacht und will nun einen Fünfliter-V8 mit Kompressoraufladung nutzen. Witzig ist, dass auch dieser Motor wieder von Ford stammt. Allerdings wird ihn der US-Tuner Roush zuvor mit 700 PS und einem maximalen Drehmoment von 825 Newtonmetern segnen. Die Kraftübertragung erfolgt dann übrigens ganz klassisch über ein manuelles Sechsganggetriebe.

Stückzahl auf 72 begrenzt

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Wie in den frühen Jahren der Marke geht es auch im P72 sehr edel zu.

(Foto: Goodwood)

Was die Fahrleistungen betrifft, hält sich das Unternehmen bis dato bedeckt. Bekannt ist aber, dass die Stückzahl des Hypercars auf 72 begrenzt ist und dass der Stückpreis bei 750.000 Euro starten wird. Ob die Auslegung des P72 nach, den FIA LMP-Hypercar-Regularien dazu führt, dass ein De Tomaso in Le Mans startet, darf aber bezweifelt werden. Außer Zweifel steht, dass der P72, der ursprünglich in den USA gebaut werden sollte, jetzt am Nürburgring entsteht. Bereits im Januar 2021 gab das Unternehmen bekannt, dass man mit der in Düsseldorf ansässigen Capricorn Group eine strategische Partnerschaft eingegangen ist. Bereits im Sommer 2022 soll die Produktionsanlage am Nürburgring fertig sein. Die ersten Kundenauslieferungen sind für 2023 geplant.

Mit dem Wechsel zum Nürburgring steht dem P72 jetzt aber nicht nur eine legendäre Rennstrecke für kommende Testfahrten zur Verfügung, sondern Capricorn stellt das Hypercar auch auf ein komplett neu entwickeltes Karbon-Chassis. Das bietet zum einen mehr Bein- und Kopffreiheit, ohne an der Form des Boliden etwas zu ändern, und senkt zum anderen das Gewicht des Fahrzeuges ganz gewaltig. Hinzu kommt ein höheres Sicherheitsniveau.

Typisches Hypercar

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Wie aus einem Guss erwächst der Heckspoiler des P72 aus den hinteren Kotflügeln.

(Foto: Goodwood)

Aber was erwartet die potenziellen Käufer eines De Tomaso jetzt optisch? Ein typisches Hypercar mit flacher Fronthaube, die von in mächtigen Kotflügeln integrierten, schmalen LED-Scheinwerfern flankiert wird. Überhaupt sind die Formen sehr ausladend und rund, fast wie bei einem Akt-Modell des Barock-Malers Peter Paul Rubens. Die zwei Insassen besteigen den P72 über Flügeltüren und ducken sich unter eine Glaskanzel. Zum Heck öffnen sich massive Lufteinlässe, die in die hinteren Kotflügel integriert sind. Das Heck wird von einem dezent, ebenfalls aus den Kotflügeln erwachsenden Spoiler dominiert, unter dem Luftöffnungen für eine entsprechende Zirkulation sorgen sollen. Gleiches gilt für den in die Heckschürze integrierten Diffusor.

Optisch ist der De Tomaso P72 schon ein echtes Hypercar-Sahneschnittchen. Ob er allerdings den Kultstatus erneut beflügeln kann, ist fraglich. Das letzte Mal, dass ein De Tomaso von sich reden machte, war vor mehr als 40 Jahren. Insofern dürfte der Name bei jüngeren Menschen nicht allzu viel auslösen. Und ob es bei der anhaltenden Diskussion und der Propagierung der Elektromobilität schlau ist, mit einem Verbrenner an den Start zu gehen, bleibt auch abzuwarten. Was man dem P72 aber nicht absprechen kann, ist, dass er schick und wahrscheinlich auch schnell ist. Und am Ende wird das dann auch reichen, um 72 betuchte Kunden zu finden.

Quelle: ntv.de

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