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Audi A1 startet Ein feiner Kleiner

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Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem A2, ist der Audi A1 optisch schon ein Hingucker.

(Foto: Markus Mechnich)

Mit dem A1 unternimmt Audi einen neuen Anlauf im Kleinwagensegment. Dieses Mal wollen die Ingolstädter mit Lifestyle, einem recht attraktiven Preis und Wirtschaftlichkeit punkten. Ob das gelingen kann? Ein erster Blick auf Audis neuen Kleinen.

Audi und die Kleinwagen, das war bisher keine Erfolgsgeschichte. Man erinnere sich an den A2, ein technisch hervorragendes Auto, das leider einfach nur hässlich war. Heute ist das bis dato kleinste Auto ein gesuchter Gebrauchter, weil er mit Alu-Karosserie quasi nicht rostet und ausgesprochen sparsam ist. Die Preise auf dem Gebrauchtwagenmarkt sind teilweise schwindelerregend. Dem Hersteller freilich nutzt dieser posthume Ruhm wenig. 2005 wurde der Mini-Van eingestellt, weil er sich in der Produktion einfach nicht rechnen wollte.

Ein schwacher Trost für die Ingolstädter ist bis heute immerhin, dass man wirklich sagen kann: Der Audi A2 war seiner Zeit voraus. Mit dem 1,2-Liter-Diesel an Bord war er ein echtes Drei-Liter-Auto. Außerdem hatte er bereits vor Benzinpreisschock und CO2-Diskussion ein automatisiertes Hydraulikgetriebe mit sehr frühen Gangwechseln zum Spritsparen und eine Start-Stopp-Automatik. Dinge also, die heutzutage von vielen Herstellern als große Neuerung verkauft werden.

Hohe Ziele

Mit dem A1 soll die Geschichte jetzt neu aufgerollt werden. Der kleinste Audi, der in diesen Tagen mit mannigfaltigen Aktionen der Öffentlichkeit präsentiert wird, hat durchaus das Zeug, der Leidensgeschichte Audis im Kleinwagensegment endlich einen Erfolg hinzuzufügen. Und die Ziele sind hoch. Audi-Chef Rupert Stadler will mit dem Kleinen langfristig die Marke von 1,5 Millionen verkaufter Fahrzeuge pro Jahr durchbrechen.

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Der stärkere der beiden Benziner, ein 1,4-Liter-Motor mit 122 PS, zeigt sich als sehr passende Variante für den A1.

(Foto: Markus Mechnich)

Die Optik des Autos ist weitaus zeitgemäßer und gefälliger als dereinst beim A2. Während sich der Kleine vorne in den Familienauftritt von Audi brav einfügt, ist er hinten etwas poppiger ausgefallen. Zwei silberne Bügel markieren die Dachlinie und das Heck wird durch eine interessante Kante in seinem Auftritt geprägt. Moderne LED-Leuchten bilden hinten den Abschluss und vorne sorgen zwei LED-Tagfahrscheinwerfer für ein eigenes "Gesicht".

Individualität ist Trumpf

Der Auftritt des A1 wirkt in seiner Gesamtheit modern und flippig. Kein Wunder, schließlich soll er auch eine junge Käuferschaft zur Marke führen. Deshalb wurden die stilistischen Merkmale auch im Innenraum fortgeführt. Luftdüsen in der Form von Turbinenschaufeln, extravagante Hebel und Griffe und ein neues Design der Bedienelemente des Radios. Audi hat sich schon reichlich Mühe gegeben, den Innenraum von den sonst üblichen Ausstattungsmodulen aus Ingolstadt abzusetzen. Dennoch erkennt man natürlich einiges aus den Baukästen der Reihen A3, A4 und so weiter, wieder. Dafür bieten die Instrumente keine Überraschungen, sind übersichtlich angeordnet und absolut ausreichend informativ.

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Im Innenraum hat sich Audi Mühe gegeben, den A1 von den übrigen Modellen der Marke abzusetzen.

Damit den Ansprüchen der Individualität Rechnung getragen werden kann, hat sich Audi einige Elemente vorbehalten, die in verschiedenen Farben bestellt werden können. Von außen sind das vor allem die beiden Dachbögen, im Innenraum zahlreiche Abdeckungen und Verkleidungen. Damit bleibt man sicher hinter anderen Anbietern, wie Citroen beim DS3, zurück, aber für den Anfang könnte das reichen. Das Angebot soll aber sukzessive ausgebaut werden.

Sparsame Motoren

Ein Kleinwagen muss in den heutigen Zeiten aber vor allem eines sein: sparsam. Premium hin oder her, ein Schluckspecht findet in dieser Klasse keine Akzeptanz. Audi bietet den A1 zunächst mit drei Motorisierungen an. Auf der Dieselseite steht ein 1,6-Liter-TDI mit 105 PS und einem Verbrauch von 3,9 Liter durchschnittlich nach Norm. Da legt Audi die Messlatte für die Konkurrenz recht hoch, zumal schon dieser weniger als 100 Gramm CO2 emittieren soll. Ein zweiter, schwächerer Diesel soll noch folgen. Auch der kleine Benziner mit einem Hubraum von 1,2 Liter und 86 PS soll sich im Schnitt mit 5,1 Liter begnügen. Kaum durstiger ist der 122 PS starke Benziner mit 1,4 Liter Hubraum, der sich nach EU-Norm 5,3 Liter genehmigt. Das dürfte unter den Otto-Motoren auch die gängigste Wahl werden.

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Ausgestattet mit einem ordentlichen Fahrwerk, in der höheren Ausstattungsvariante ein Sportfahrwerk, bereitet der A1 viel Freude in flotten Kurven.

(Foto: Markus Mechnich)

Zumal der starke Benziner mit einer Beschleunigung von 8,9 Sekunden auf 100 Stundenkilometer auch als recht sportlich erweist. Auf den ersten Probefahrten konnte er sich auf der Landstraße wie im Stadtverkehr seine Meriten als drehfreudiges und wendiges kleines Auto verdienen. Der Anzug ist ordentlich, der Durchzug auf der Landstraße in Ordnung und die Kurveneigenschaften verlässlich. Zum Fahrspaß trägt dabei auch das recht straffe, aber nicht unkomfortable Fahrwerk bei. Dank seiner Kompaktheit vermittelt der A1 ein gutes Fahrgefühl, auch wenn sich das vom Mini bekannte "Kartgefühl" nicht so recht einstellen will.

Wenig Abstriche beim Nutzwert

Das lässt sich insofern verschmerzen, als  dass der Audi A1 deutlich mehr Nutzwert bietet als sein bayerisch-britischer Konkurrent. Der Kofferraum umfasst 270 Liter im Normalfall und wenn die asymmetrisch geteilt umlegbare Rückbank geklappt wird, dann entstehen daraus bis zu 920 Liter. Der Urlaub zu zweit ist damit durchaus vorstellbar, eine Kleinfamilie wird aber auch damit nicht glücklich werden. Aber dafür ist der A1 ja auch nicht gedacht. Das lässt sich auch an den Platzverhältnissen auf der Rückbank ermessen. Wenn vorne Menschen über 1,80 Meter Platz nehmen, dann passen hinten höchstens noch Kinder bis zu fünf Jahren rein.

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Der Kleine hat schon Potenzial: Der A1 könnte Audi endlich einen Erfolg im Kleinwagensegment bescheren.

(Foto: Markus Mechnich)

Auf der anderen Seite ist die Kopffreiheit, die das Auto bietet, erstaunlich. Bedingt durch die niedrige Sitzposition können vorne auch Menschen mit Gardemaß von zwei Metern und mehr bequem Platz nehmen. Auch die seitliche Bewegungsfreiheit ist recht üppig. Wenn zwei Erwachsene vorne sitzen, muss keineswegs am Knie des Beifahrers vorbeigeschaltet werden. In den Seitentaschen findet sich noch Raum für je eine Ein-Liter-Flasche Trinkbares.

Premium-Preis mit ordentlicher Ausstattung

Damit die junge Käuferschaft sich den Audi A1 auch leisten kann, haben die Ingolstädter den Einstiegspreis mit 15.800 Euro noch verhältnismäßig moderat gestaltet. Sicher ist das deutlich mehr als beispielsweise ein VW Polo kostet. Aber dafür kommt ein A1 auch nicht ganz so kahl in seiner Grundausstattung daher, wie der Wolfsburger Kollege. In der Ausstattungsvariante "Attraction", wo der stärkere Benziner aber mit 19.600 Euro gerade noch unter und der Diesel mit 20.200 ganz knapp über der 20.000-Euro-Grenze liegt, ist der Lieferumfang schon ordentlich, wenn auch nicht spektakulär. Als Serie gibt es dann beispielsweise solche Nettigkeiten wie 16-Zoll-Leichtmetallfelgen oder ein Sportfahrwerk. Wer eine labile Hand auf der Liste der Sonderausstattungen mitbringt, der landet aber mit dem A1 auch schnell mal bei gut 25.000 Euro und mehr.

Bis September müssen die Interessierten und Kaufwilligen noch warten, bis der in Brüssel gebaute, kleinste Audi bei den Händlern steht. Da dürften durchaus einige unruhig werden, denn der A1 bietet viel und rechtfertigt seinen Premium-Preis durchaus. Das Ambiente steht den größeren Audis in kaum etwas nach, und in Sachen Wirtschaftlichkeit kann sich der Kleinste der Audi-Familie wirklich hervor tun. Gleiches gilt auch für die tadellosen Fahreigenschaften und den immer noch verhältnismäßig hohen Nutzwert. Ob er es in Sachen Lifestyle mit der mittlerweile doch recht großen Konkurrenz in diesem Segment kann, muss am Ende der Käufer entscheiden. Großes Potenzial dazu hat er auf jeden Fall, dieser Audi A1.

Quelle: ntv.de