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Mit 4,10 Metern ist der Ford Ecosport immer noch sehr kompakt.
Mit 4,10 Metern ist der Ford Ecosport immer noch sehr kompakt.
Dienstag, 12. Dezember 2017

Der dritte Versuch: Ford Ecosport - Baby-SUV mit Rucksack

So richtig Freunde konnte sich der in Brasilien und Indien gebaute Ford Ecosport hierzulande noch nicht machen. Jetzt schicken die Kölner die Neuauflage ihres kleinsten SUV ins Rennen. Neue Optik, moderne Motoren und etwas Hightech sollen es richten.

So ist das also mit der Globalisierung. Ein großer US-Konzern lässt ein kleines Modell kostengünstig irgendwo auf der Welt bauen, packt mit der Wortkombi "Eco" + "Sport" gleich zwei Reizbegriffe in dessen Namen, verschifft das Ganze nach Deutschland und hofft auf den Beifall der SUV-Fans. Doch statt eines Ford kauften die Kunden in der noch jungen Klasse der Mini-SUV lieber Autos aus Korea, Frankreich oder Japan. Die sahen einfach netter aus als der schmale, wegen seiner Höhe etwas staksig wirkende Ecosport, waren zudem meist sorgfältiger verarbeitet und hatten die modernere Technik an Bord. Der Gigant aus Detroit musste also reagieren und nachbessern, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Mit dem "Rucksack" in der Front

Ein Familienauto wird auch aus dem neuen Ford Ecosport nicht.
Ein Familienauto wird auch aus dem neuen Ford Ecosport nicht.

Geburtshelfer des neuen Ecosport, der Mitte Februar an den Start geht, ist der Ford Fiesta, von dem viele der über 2300 neuen Teile des Baby-SUV stammen. Beispiele sind die Cockpitgestaltung, der in der Mitte des Armaturenbretts "schwebende" Monitor des Navigationssystems, Lenkrad, Vernetzung mit dem Internet und vieles mehr. Es geht also doch, in der unteren Preisklasse ein durchaus hochwertiges Auto auf die Räder zu stellen. Chefingenieur Dirk Borrmann räumt ein: "Wir mussten erkennen, dass das bisherige Modell den strengen Ansprüchen an Verarbeitung und Qualität nicht immer entsprach. Das ist jetzt alles anders".

Rundgang vor dem Start zur ersten Tour mit dem Ecosport. Die Grundidee des Vorgängers ist erhalten geblieben. Ein nur 4,10 Meter langes Auto im Geländewagen-Look, kurze und ungewöhnlich hohe Motorhaube und ein steil abfallendes Heck, dessen Tür nicht nach oben schwingt, sondern wie ein Kleiderschwank geöffnet wird. Die Frontgestaltung wurde dem neuen Ford-Familiengesicht angepasst. "Der Trapezgrill erinnert an einen flachgelegten Rucksack, dessen untere Umschnallriemen bis in den Stoßfänger reichen", erklärt Borrmann und erkennt darin ein Symbol für die Abenteuerlust, die ein Ecosport vermitteln soll. Nun gut, sieht auf jeden Fall recht wuchtig aus und verleiht dem kleinen Kölner eine gewisse optische Potenz.

1,5-Liter-EcoBlue ist preislich das Spitzenmodell

Apropos Kraft: Welcher Ecosport wird wohl die Herzen der deutschen Kunden am meisten erwärmen? Vielleicht der mit neuem 1,5-Liter-Dieselmotor und 125 PS, der als einzige Version des Neulings mit Allradantrieb verbunden ist? Der deutsche Verkaufschef Wolfgang Kopplin rechnet für diese Variante "mit einem Anteil von gut zehn Prozent, vielleicht auch etwas mehr". Mit über 24.000 Euro ist der 1,5-Liter-EcoBlue auch preislich das Spitzenmodell. Zudem entscheiden sich die meisten Käufer in dieser Größenklasse ohnehin für einen Benziner.

So ausgestattet kostet auch der Ford Ecosport über 20.000 Euro.
So ausgestattet kostet auch der Ford Ecosport über 20.000 Euro.

Die Wahl fällt also auf den 1,0-Liter-Dreizylinder mit dem hochgelobten Ecoboost-Motor, der in vielen Ford-Modellen Dienst tut. 125 PS sollten reichen, um mit dem Ecosport akkurat unterwegs sein zu können. Die hohe Sitzposition sorgt für den nötigen Überblick und schont beim Einsteigen die Bandscheiben, das angenehm umschäumte Lenkrad mit den vielen Schaltern unter beiden Daumen liegt ebenso gut in der Hand wie der Schalthebel für die sechs Gänge. Trotz seiner bescheidenen Ausmaße vermittelt der Ecosport das Gefühl von Erhabenheit gegenüber den anderen kleinen Autos da draußen. Gewöhnungsbedürftig allerdings ist die recht kleine, rechteckige Heckscheibe im Rückspiegelbild. Ist eben ein "Baby-SUV", wie Ingenieur Borrmann den Ecosport liebevoll nennt.

Kleiner Motor ganz groß

Der kleine Motor erweist sich auch im Hochbeiner als ziemlich großer. Da der Turbo recht früh zur Sache kommt, reichen schon niedrige Drehzahlen für souveränes Fortkommen. Wer auf den Verbrauch achtet, kann schnell hochschalten, ohne jedes Mal in ein Leistungsloch zu fallen. Im eiligen Lauf lassen sich die drei Zylinder in jedem Gang ausreizen, sodass der "Sport"-Teil im Modellnamen zu seinem Recht kommt. Bekanntlich aber werden Autos dieser Art und Dimension nicht der Sportlichkeit wegen gekauft. Heutzutage eher bescheidene 180 km/h in der Spitze und elf Sekunden auf 100 km/h belegen diese Einordnung bereits auf dem Papier. Auch wenn Lenkung, Fahrwerk und Bremsen ein bisschen Pfeffer auf kurvigen Landstraßen gut vertragen und den Spaßfaktor in die Höhe treiben.

Am Ende der Kennenlernrunde im kleinen Ford-Indianer meldet der Bordcomputer knapp über sieben Liter Verbrauch auf 100 Kilometer. Bei gesteigertem Sparwillen und permanenter Schonfahrt sind sicher ein paar Zehntel weniger machbar. Natürlich nicht dann, wenn man feste Wege verlässt und sich mal ins Geländeabseits wagt. Nein, der Ecosport ist wie die meisten seiner Mitstreiter kein Geländewagen. Durch seine hohe Bauweise verzeiht er aber manche Ausritte, bei denen der Platz unterm Bodenblech knapp wird. Er krabbelt gefahrloser über Randsteine und schabt auch bei abschüssigen Abfahrten in eine Garage nicht auf dem Asphalt.

Obacht bei der Preisgestaltung

Das Studium der Preisliste des neuen Ecosport erfordert Übung und fachkundige Beratung. Beispiel der gefahrene 125-PS-Ecoboost. Sicher ist im Grundpreis von 18.950 Euro das Nötigste an Bord. Die Feinheiten aber sind teureren Versionen vorbehalten oder stecken in Ausstattungspaketen. Das feine Titanium-Modell steht für 22.240 Euro vor der Tür und erfüllt Begehrlichkeiten wie Aluräder, größerer Bildschirm inklusive Navigation oder Tempomat. Ecosport-Star ist die ST-Line-Ausstattung, die besondere optische Highlights wie in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger und Schweller bereithält. 23.840 Euro machen sich dann auf der Quittung breit.

Das Fazit: Ford hat seine Hausaufgaben gemacht und sein kleines SUV auf Augenhöhe mit den wichtigsten Rivalen gebracht. Natürlich ist der Ecosport kein Familienauto, da bei den bescheidenen Außenmaßen kein rollendes Raumwunder zu erwarten ist. Gemacht für den Alltag von Kunden jeder Altersklasse. Das Konzept könnte auch für Ford aufgehen.

Quelle: n-tv.de