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Japanische Rennsemmel GRMN - Kürzel wird bei Toyota Programm

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Mit 231 km/h in der Spitze kann man mit dem Toyota Yaris auf der Autobahn die dicken Dinger ärgern.

Verknappung schafft Begehrlichkeit. So wundert es nicht, dass Toyota trotz schmaler Versorgungslage für den schnellsten Yaris aller Zeiten öffentliche Testfahrten organisiert. Sie sollen Vorfreude auf eine ganz neue Produktlinie wecken.

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GR steht am Heck des Yaris für Gazoo Racing.

Die Buchstaben "GR" stehen für Gazoo Racing und sie sollen der bislang eher betulich daherkommenden japanischen Marke mehr Sportsgeist einhauchen. Ähnlich dem Kürzel AMG oder dem Namen Abarth wird Gazoo Racing künftig eine Botschaft von Dynamik und Rennsport-Tauglichkeit an die Kunden transportieren. Um das auch faktisch zu untermauern, ist Gazoo Racing nicht nur seit Jahren in der Langstrecken-Weltmeisterschaft, sondern auch in der World Rally Championship (WRC) unterwegs. Nicht ohne Erfolg: Im vergangenen Jahr wurde Platz 3 in der Hersteller-Wertung erreicht. Welche Fahrzeuge dem Yaris GRMN künftig folgen, ist freilich noch nicht klar.

Lediglich 400 Exemplare

Der in Europa auf 400 Exemplare limitierte Mini-Renner ist praktisch ausverkauft. Weitere 200 werden an japanischen Kunden gehen, wobei der seltene Fall eintritt, dass ein japanisches Auto in Frankreich gefertigt und von dort ins Heimatland der Firma exportiert wird. Etwas mehr als 100 Deutsche – für eine Handvoll Kunden soll es angeblich noch Chancen geben – bekommen einen Yaris GRMN ab. Bei einer Produktionskapazität von sieben Exemplaren pro Tag, die in den normalen Fertigungsprozess im Werk Valenciennes nahe der belgischen Grenze eingetaktet sind, wird die Versorgung der Besteller eine Weile in Anspruch nehmen.

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Der Yaris GRMN geht auch auf der Rennstrecke.

(Foto: Toyota)

Sie freuen sich auf eine der muntersten Rennsemmeln, die je mit den Vorderrädern über den Asphalt radiert sind. Einem Fahrzeuggewicht von 1135 Kilogramm stehen 212 PS gegenüber – nahezu das Doppelte dessen, was der stärkste Yaris "von der Stange" leistet. Der Yaris GRMN holt diese Motorkraft aus 1,8 Litern Hubraum. Behilflich ist dabei ein Kompressor, der angesichts des eng bemessenen Platzes unter der Fronthaube den Vorzug vor einem Turbolader als Mittel zur Leistungssteigerung erhielt.

Kleine Schwächen bleiben

Außer einem aus schwarzen, weißen und roten Farbelementen komponierten Lack-Trimm zeichnen den Yaris GRMN LED-Scheinwerfer, Änderungen an Grill, Außenspiegeln sowie Nebellampen aus, das Dach ist generell schwarz, ein zentrales Endrohr der Abgasanlage prangt über dem Heckdiffusor. Das Sportfahrwerk ist gegenüber dem "zivilen" Yaris um 24 Millimeter abgesenkt. Auffälligstes Merkmal des Innenraumes sind die perfekt ausgeformten Sportsitze, die Insassen über 120 Kilogramm Körpergewicht allerdings als etwas eng geschnitten empfinden könnten. Das Lederlenkrad hat eine 12-Uhr-Markierung, ähnlich der, die passionierte Toyota-Fans aus dem Coupé GT 86 kennen. Alu-Sport-Pedale, ein zentraler Starterknopf und die Rennsport-inspirierte Animation im TFT-Bildschirm beim Anlassen sind weitere Eigenheiten des Neulings.

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Die Rennsitze gehören zu den wenigen Extras die der Yaris GRMN zu bieten hat.

Kleinere angeborene kleinere Schwächen beheben die Änderungen am Yaris-Renner allerdings nicht. So fehlt etwa eine Höhenverstellbarkeit für die Sicherheitsgurte und der Navigationsbildschirm sitzt vom Fahrer aus gesehen sehr weit außen, so dass manchmal nicht nur der Blick, sondern auch der Kopf bewegt werden muss. Um eine optimale Sitzposition für dynamik-orientiertes Fahren zu finden, wäre es wünschenswert, den Spielraum der Längsverstellbarkeit des Lenkrades zu vergrößern. Es gibt den Wagen nur als Dreitürer und man tut gut daran, den Betrieb mit mehr als zwei Insassen auf Ausnahmesituationen zu beschränken.

Gerne auch auf den Rundkurs

Ob viele der späteren Besitzer die Gelegenheit suchen werden, ihr GR-Yaris auf dem Rundkurs zu bewegen, lässt sich schwer beantworten. Aber man kann ihnen aufrichtig dazu raten, denn anders ist das Spaßpotenzial des 3,95 Meter kurzen Kraftzwergs nur schwer frei zu setzen. Bei der Vorstellung des Fahrzeugs versäumt es Toyota nicht, auf die Zusammenarbeit mit den britischen Rennsportspezialisten von Lotus hinzuweisen, die dem 1,8-Liter-Vierzylinder ihre Expertise haben angedeihen lassen. Mit optimierter Zündung und Einspritzung, einem speziellen Ölkühler (ein Novum bei Toyota) sowie einem größeren Frontstabilisator, Sachs-Stoßdämpfern und dem Torsen-Differenzial treibt man diesen Yaris energisch aus der Boxengasse.

Da bei 4800 Umdrehungen 250 Newtonmeter an der Vorderachse reißen, rechnet man mit deutlichen Antriebseinflüssen in der Lenkung, doch die sind erstaunlich gering. Besonders weiche UHP-Reifen dürften ihren Teil dazu beitragen, genug Grip aufzubauen, doch Projektleiter Steijn Peeters versichert, dass die von Bridgestone gelieferten Serienreifen den Testpneus nur wenig nachstehen. Die Aufgabe seines nur aus rund 20 Mitarbeitern bestehenden Teams umreißt der Ingenieur so: "Der Yaris GRMN ist erst der Anfang. Es wird mehr vergleichbare Produkte geben und alles, was wir bisher gelernt haben, wird uns helfen, auch sie zu einem Erfolg zu machen". 30.900 Euro werden den Interessenten, die nur auf eine Ankündigung im Internet hin ihren Wagen geordert haben, in Rechnung gestellt.

Langer Kupplungsweg

Selbst bei ausgeschalteten Stabilitätssystemen überrascht der Racing-Yaris mit guter Beherrschbarkeit, williger Spurtreue und Folgsamkeit bei Richtungsbefehlen. Das Ansprechverhalten ist vorbildlich und wer sich nach ein paar Runden an das etwas hakelige, dafür aber sehr kurzwegige Sechsganggetriebe gewöhnt hat, dem fällt es leicht, die Fuhre temperamentvoll unter Feuer zu halten. Der Kupplungsweg ist für einen Sportwagen überraschend lang, die Federung von einer Härte, dass übersehene Temposchwellen in Wohngebieten nachhaltig disziplinieren.

Für den Standardspurt wird ein Wert von 6,4 Sekunden angegeben, erst bei 230 km/h soll ihm endgültig die Puste ausgehen. Fortgesetzte Versuche, dies unter Beweis zu stellen, können natürlich nicht ohne Folgen bleiben: Statt des auf der Rolle ermittelten Norm-Verbrauchswertes von 7,5 Litern je 100 Kilometer dürfte sich der Konsum dann zweistelligen Größenordnungen nähern.

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