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Ein Superlativ für die Straße Gordon Murray T.50 - das letzte Hypercar?

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Für Gordon Murray ist der T.50 die konsequente Weiterentwicklung des McLaren F1.

(Foto: Gordon Murray)

Lange hat sich Gordon Murray für den T.50 Zeit genommen. Nachdem über Jahre nur Häppchen präsentiert wurden, gibt es das Hypercar jetzt im Stück. Und der Formel-1-Ingenieur hat alles in den Supersportwagen gepackt, was für Geschwindigkeit bürgt.

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Gordon Murray an seinem T.25, dem Auto, das er noch 2007 für ein Zeichen kommender Mobilität hielt.

(Foto: Gordon Murray)

Die Wege eines Ingenieurs vom Schlage eines Gordon Murray sind so unergründlich wie die des Herrn. Als Murray, der in den 1970er und 1980er Jahren Formel-1-Rennwagen für Brabham und anschließend für McLaren entwickelte, hätte niemand gedacht, dass dieser Vollblut-Rennwagen-Entwickler eines Tages ein Stadtauto im Stil eines Smart bauen würde. War aber so: 2007 präsentierte der Erfinder des McLaren F1 den T.25. Nein, das war kein Bolide, kein Straßenrennwagen der Superlative, sondern ein "neues Straßenfahrzeugkonzept". Also war der Wagen klein, leicht, schadstoffarm und ziemlich unkonventionell. So richtig schien sich aber niemand für diese neue Idee zu interessieren.

Der Meister kehrt zurück

Jetzt ist der Meister schneller Autos mit einem Supersportwagen, zurück. Eigentlich einem Super-Super-Sportwagen, denn der T.50 macht da weiter, wo Murray 1989 mit dem McLaren F1 aufhörte. Neben dem "leichtesten" verspricht der gebürtige Südafrikaner auch den "größten V12 aller Zeiten". Etwas genauer?

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Mit dem T.50 stellt Gordon Murray ein Hypercar der Superlative auf die Räder.

(Foto: Gordon Murray)

Nun, als Antrieb kommt ein neuentwickelter 3,9-Liter-V12-Saugbenziner zum Einsatz, der 659 PS und ein maximales Drehmoment von 450 Newtonmeter leistet. Wichtiger ist aber, dass der Zwölfender Drehzahlen über 12.100 Touren vertragen soll. Für einen Supersportwagen keineswegs ungewöhnlich.

Es bedeutet aber auch, dass der Motor aus dem Leerlauf in nur 0,3 Sekunden den ersten Schaltpunkt erreicht. Bereits ab 2500 Kurbelwellenumdrehungen liefert der Treibsatz 71 Prozent seines maximalen Drehmoments. Einen zusätzlichen, drei Minuten andauernden Boost von 30 PS gibt es übrigens bei vehementer Gaspedalbewegung durch das 48-Volt-Bordnetz und den angehängten Starter-Generator. Bei Vollgas soll zudem der sogenannte Ram-Air-Effekt dank einer Dachhutze mehr Luft in die Brennkammern leiten, wodurch mehr Benzin verbrannt werden kann und die maximale Leistung auf über 700 PS steigt.

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Die Gänge werden im T.50 vom Fahrer über sechs Stufen per Hand eingelegt.

(Foto: Gordon Murray)

Für die Gangwechsel sorgt der Fahrer über ein manuelles Sechsganggetriebe übrigens selbst. Der sechste Gang ist als sogenannter Overdrive, also als Schongang ausgelegt. Also nichts für die Rennstrecke, nur etwas für das schnelle Dahingleiten auf der Autobahn.

Extremes Leichtgewicht

Auch beim Gewicht sorgt Murray für Aufsehen, denn der T.50 wiegt lediglich 980 Kilogramm. Nur zum Vergleich: Andere Sportwagen dieses Kalibers mit ähnlich viel Leistung wiegen durchschnittlich über 1,4 Tonnen. Im Fall des T.50 müssten theoretisch 663 PS eine Tonne bewegen. Bei einem typischen Mitbewerber wären es hingegen 950 PS, die bereitgestellt werden müssten, um ein ähnliches Verhältnis von Gewicht und Leistung zu erreichen.

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Mit fahrfertigen 980 Kilogramm ist der T.50 ein echtes Leichtgewicht in dieser Leistungsklasse.

(Foto: Gordon Murray)

Einen wesentlichen Beitrag zur Gewichtsreduzierung leistet übrigens der V12 selbst, der lediglich 178 Kilogramm wiegt. Gemeinsam mit dem Cosworth-Team wurde dafür der Motorblock aus einer hochfesten Aluminiumlegierung gegossen. Die Pleuelstangen, die Ventile und das Kupplungsgehäuse sind aus Titan.

Jetzt stellt sich der geschwindigkeitsverliebte Leser natürlich die Frage, wie sich diese Leistungswerte bei der Beschleunigung oder der Endgeschwindigkeit darstellen. Darüber hüllt sich Murray aber in Schweigen und verweist vielmehr darauf, dass es bei dem T.50 gar nicht darauf ankam, möglichst hohe Geschwindigkeiten oder Rundenrekorde aufzustellen.

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Cosworth GMA V12 besticht nicht nur mit Leistung, sondern auch mit lediglich 178 Kilogramm Gewicht.

(Foto: Gordon Murray)

Für ihn zählt vielmehr die maximale Fahrdynamik auf der Straße. Und obgleich der Wagen nicht für den Rundkurs entwickelt wurde, adaptiert der Südafrikaner die Sitzkonfiguration, die er bereits im McLaren F1 präferierte. Der Fahrer sitzt mittig im Cockpit, wobei zwei Passagiere in jeweils rechts und links flankieren.

Der "Staubsauger" ist zurück

Auch bei der Aerodynamik greift Murray für den T.50 tief in die alte Formel-1-Trickkiste. "Fan Car"-Technologie nennt es der Ingenieur selbst und meint damit nichts anderes als ein System, das er bereits 1978 beim Brabham BT46B in der Königsklasse zum Einsatz brachte. So saugt auch am T.50 ein 40 Zentimeter großer Ventilator die verwirbelte Luft vom Unterboden ab und bläst sie nach hinten aus.

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Der Brabham BT46B aus dem Jahr 1978 stand dem T.50 Pate.

(Foto: Brabham)

Der so entstehende Unterdruck unter dem Wagen sorgt für satten Abtrieb und eine bessere Bodenhaftung. Dass das Prinzip funktioniert, bewies Niki Lauda 1978, als er mit dem BT46B den Großen Preis von Schweden gewann. Allerdings wurde der "Staubsauger"-Wagen kurz darauf von der FIA für illegal erklärt.

Der eigentliche Vorteil des "Staubsaugers" ist aber, dass beim T.50 auf zusätzliche Spoiler verzichtet werden kann, was dem Wagen ein sehr cleanes Äußeres verleiht. Ganz auf Luftleitelemente konnte natürlich nicht verzichtet werden, die sind aber gut versteckt.

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Flügeltüren sind bei einem Hypercar wie dem T.50 natürlich Pflicht.

(Foto: Gordon Murray)

In Summe sollen die aktiven Elemente für die Aerodynamik sechs Konfigurationen zulassen: Auto, High downforce, Streamline, Braking, Test und V-Max-Boost. Auto ist selbstredend für den Alltagsbetrieb, Streamline soll den Spritverbrauch reduzieren, Break stellt sich automatisch beim Tritt auf die Bremse ein und soll mit zusätzlichem Abtrieb den Bremsweg verkürzen. V-Max und High downforce müssen wohl nicht erklärt werden. Hier geht es um maximalen Abtrieb, für maximale Geschwindigkeit.

Kleine Annehmlichkeiten für die Reise

Dass der T.50 aber nicht nur ein Hypercar sein soll, sondern auch ein veritabler Sportwagen, beweisen nicht nur die drei Sitze, sondern auch ein 700-Watt-Premium-Soundsystem, das auch mit Android Auto und Apple Carplay zu bedienen ist. Der Hit ist aber, dass die gesamte Anlage nicht mehr als 3,9 Kilogramm wiegt. Auf einen Touchscreen zur Bedienung hat Murray aber verzichtet.

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Sportlich elegant geht es im Innenraum des T.50 zu.

(Foto: Gordon Murray)

Auch für Stauraum hat Murray in dem 4,38 Meter langen, 1,85 Meter breiten und 1,15 Meter hohen T.50 gesorgt. Im Innenraum wurden insgesamt fünf Staufächer verteilt, die insgesamt 228 Liter Gepäck aufnehmen.

Und was soll so ein T.50 kosten? Nun, Murray hat den Preis mit 2,6 Millionen Euro veranschlagt und die Stückzahl gleich mal auf 100 Fahrzeuge beschränkt. Allerdings soll der Großteil davon schon liquiden Interessenten versprochen sein. Wer also in zwei Jahren, so lange wird es noch dauern, einen T.50 haben will, sollte schnell handeln.

Die meisten der Fahrzeuge gehen übrigens wie so oft an Kunden aus den USA und Japan. Die Möglichkeit der Sichtung eines T.50 in freier Wildbahn ist also hierzulande ausgesprochen unwahrscheinlich. Doch sollte Murray sein Vorhaben, mit dem Wagen in der neuen Langstreckenweltmeisterschaft WEC zu starten, umsetzen, dann ist es durchaus möglich, dass man dieses außergewöhnliche Hypercar auch mal in Aktion sehen kann.

Quelle: ntv.de