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Bis zu 90 km/h kann die Honda Monkey in ihrer Neuauflage schnell werden.
Bis zu 90 km/h kann die Honda Monkey in ihrer Neuauflage schnell werden.
Sonntag, 12. August 2018

Heute wie damals: Honda Monkey - der knuffige Racker

Honda hat die legendäre Monkey neu aufgelegt und sie in die Neuzeit geholt. Dabei hat der knuffige Racker Gott sei Dank nichts von seiner Anziehungskraft verloren, aber mit Blick auf die Technik deutlich gewonnen.

Ein wenig zugelegt hat die Honda Monkey in den letzten 40 Jahren, aber das steht ihr gut.
Ein wenig zugelegt hat die Honda Monkey in den letzten 40 Jahren, aber das steht ihr gut.

Ein wenig zugelegt hat die Honda Monkey in den letzten 40 Jahren schon. Aber da geht es dem Motorrad wie den Menschen. Für 4090 Euro nimmt Honda die Nachfolgerin des legendären Mokicks jetzt erneut ins Modellprogramm auf. Bei der Monkey muss man sich das so ähnlich vorstellen wie 2001, als der Mini aus dem Hause BMW auf den Ur-Mini folgte. Obwohl viele Details topmodern sind, leidet die Anziehungskraft kein bisschen. Trotz des kleinen Bauchansatzes ist die Monkey knuffig wie eh und je mit ihren noch immer relativ kleinen, dafür breiten Rädern.

Leise schnurrt sie durch die Stadt und muss nach wie vor mit dem Fuß geschaltet werden, wenn auch ohne die Hilfe einer Fliehkraftkupplung wie es seinerzeit statthaft war. Stress kommt auf der neuen Honda Monkey noch weniger auf als auf der alten, denn sie hat neuerdings einen funktionierenden Geradeauslauf – auch noch bei 80, ja sogar 90 km/h bleibt sie in der Spur. Ein solches Tempo kannte man vor 40 Jahren auf einer Monkey nur vom Hörensagen.

125 statt 50 Kubikzentimeter

Viele Details der Honda Monkey sind topmodern.
Viele Details der Honda Monkey sind topmodern.

Gerade mal 1,70 Meter lang ist die Honda Z125MA, Beiname Monkey. In den sechziger und siebziger Jahren war sie mit ihrem 50 Kubikzentimeter großen Motor die erste Eroberin der aufkommenden Wohnmobil-Heckträger. Ihre Nachfolgerin ist topmodern, kommt sie doch mit 125er Triebwerk, USD-Telegabel, LED-Scheinwerfer und einem ABS fürs Vorderrad aus den Werkhallen. Dazu gibt es verchromte Kotflügel aus Blech, einen zweifarbig lackierten Tank und einen auf der rechten Fahrzeugseite hoch verlegten, sehr markanten Auspuff.

Erfunden wurde die Monkey quasi versehentlich: Ein junger Honda-Ingenieur baute 1961 aus ihm zur Verfügung stehenden Einzelteilen kleine Motorräder für Kinder, die für einen firmeneigenen Freizeitpark bestimmt waren. Da sich das Minimotorrad aber auch bei Erwachsenen größter Beliebtheit erfreute, fing man zwei Jahre später an zulassungsfähige Modell zu bauen, die auch nach Europa und in die USA exportiert wurden. 1,7 PS leistete der Viertaktmotor jener Z50, die ab 1977 auch in Deutschland im Handel war.

Nie in Vergessenheit geraten

So präsentierte sich die Honda Monkey 1963.
So präsentierte sich die Honda Monkey 1963.

Im Vergleich zu den Freizeitparkmodellen waren die Räder auf acht Zoll Durchmesser gewachsen und die Monkey wog seinerzeit 62 Kilogramm. Zwischen 1,2 und zwei Litern Benzin verbrannte der 49 ccm-Viertaktmotor und trieb das Vehikel bei Bedarf auf stramme 37 km/h. 1291,50 D-Mark kostete das vergnügliche Gefährt, dessen Lenkerhälften sich einklappen ließen, um es im Auto-Kofferraum zu befördern. Mitte der 1980er Jahre war’s dann aber vorbei mit dem breiten Interesse an dem kleinen Wusel-Bike. Und in den 90er Jahren verschwand die Monkey schließlich aus dem Modellprogramm der meisten europäischen Honda-Importeure.

In Vergessenheit geriet das kleine Ding dennoch nicht. Dafür sorgte eine Szene, die seit 1974 mit den Monkeys Geländesport betreibt, den sogenannten Monkey-Cross. Auch Honda selbst ließ nie zur Gänze von der Monkey ab. Immer wieder legte man einzelne Sondermodelle auf und hielt damit das Interesse am Leben.

Wie eine Große wirkt die neue Honda Monkey um den Lenker.
Wie eine Große wirkt die neue Honda Monkey um den Lenker.

Mit den Fahrzeugen der 1970er Jahre hat die Z125MA im Detail nichts mehr gemein, doch die knuffige Anmutung ist geblieben. Unübersehbar ist der luftgekühlte Single mit neun PS  und liegendem Zylinder. Dazu die schon erwähnten Chrom-Kotflügel, der Einzelsitz und Reifen, die mittlerweile 12 Zoll messen. Ganz klar: Der Wiedererkennungseffekt ist da.

Weitaus leistungsfähiger

Ungewohnt für heutige Verhältnisse ist die Ausrüstung der neuen Monkey mit einem Vierganggetriebe, denn längst sind ja sechs Gänge Standard. Ansonsten gibt es E-Starter, geregelten Katalysator und ABS fürs Vorderrad, das sogar auf ein abhebendes Hinterrad reagiert und in diesem Fall den Bremsdruck reduziert, um den drohenden Überschlag zu vermeiden. Der Viertaktmotor reißt das Bike erwartungsgemäß nicht gerade mit Vehemenz vorwärts, wenn der Fahrer einkuppelt. Aber die gebotene Leistung reicht, um kommod im Verkehr mitzuschwimmen. Und die prächtige Handlichkeit macht es leicht, sich zwischen Autos durchzuschlängeln. Keiner der so Überholten zeigt Ärger, es überwiegt Schmunzeln.

Weitaus leistungsfähiger als vor 40 Jahren ist eine Monkey also, und ihr Fahrverhalten ist ausgesprochen manierlich, auch wenn die USD-Gabel arg weich ausgefallen ist. Und obwohl das Gewicht auf nunmehr 107 Kilogramm angestiegen ist (größere Räder, bessere Fahrwerkselemente, Kat, ABS, etc.) liegt der Benzinverbrauch niedriger als dereinst: 1,5 Liter genügen, um 100 Kilometer weit zu fahren, bestätigt der neueste WMTC-Test. Was die unglaubliche Reichweite von gut 350 Kilometern mit einer Tankfüllung von 5,6 Litern bedeutet. Oder aber rund 2,50 Euro Benzinkosten für 100 Kilometer. Da sage noch einer, früher wäre alles besser gewesen.

Quelle: n-tv.de