Neuer Achtelliter-Tourer ist daKymco Downtown GT 125 - einer der wenigen Leichtkraft-Tourenroller

Unter der Vielzahl Leichtkraftroller finden sich nur wenige mit ausgemachten Reisequalitäten. Kymco bringt mit dem Downtown GT 125 Tourenfreuden ins beliebte 125er-Rollersegment. Sein Preis von 5569 Euro ist kein Schnäppchen, doch dafür ist er rundum tadellos verarbeitet.
In den letzten Jahren hat sich der 125er-Rollermarkt zu einem der beliebtesten Zweiradsegmente entwickelt. Entsprechend groß ist das Angebot an Leichtkraftrollern, die in erster Linie für den Stadtbetrieb konzipiert wurden, echte Tourenmodelle sind dagegen rar gesät. Insofern stellt der tourig angehauchte Downtown GT 125 des taiwanischen Rollerspezialisten Kymco für 5569 Euro einen willkommenen Neuzugang dar.
Für einen Leichtkraftroller wirkt der elegant mit eingebettetem LED-Tagfahrlicht und -Scheinwerfern gestaltete Taiwaner erstaunlich groß, doch das verwundert nicht, schließlich übernimmt er die Dimensionen des großen Bruders Downtown 350. Behaglichkeit bietet das lange Sitzmöbel, das mit einer kleinen Stufe guten Halt gewährt. Reichlich Platz finden die Stiefel auf dem Trittbrett, Passagiere genießen ein ähnlich großzügiges Ambiente wie der Pilot selbst - so viel Geräumigkeit findet sich im 125er-Kosmos selten.
Trotz bequemer Unterbringung bleibt der Kontakt zum Roller sehr innig. Über den breiten Lenker lässt sich der Kymco in aufrechter Haltung sehr willig befehlen und erfreut dabei mit einer soliden Vorstellung, die er ebenfalls vom großen Bruder geerbt hat: Ziemlich große Räder - 15 Zoll vorn, 14 hinten - fördern die Genauigkeit beim Einlenken, der robuste Stahlrahmen samt langem Radstand bringt viel Stabilität geradeaus und in Schrägfahrt.
Recht hohes Gewicht
Das für einen Leichtkraftroller hohe Gewicht von 179 Kilo wirkt sich nicht sonderlich negativ auf die Handlichkeit aus, der Kraftaufwand zum Umlegen in Wechselkurven hält sich in Grenzen. Eventuell vermisste Wendigkeit macht der Taiwaner mit einem besonders nachvollziehbaren Fahrverhalten wett, das viel Vertrauen schafft. Davon profitiert auch der Verzögerungsvorgang über die beiden löblicherweise einstellbaren Bremshebel, eine vom 350er übernommene sinnvolle Ausstattung: Selbst im Regelbereich des ABS strahlt der Taiwaner eine unbeirrbare Bierruhe aus.
Auf frostgebeuteltem Untergrund ist es mit dem Wohlgefühl ungeachtet der langen Federwege von 10 Zentimetern vorn und 10,7 hinten aber bald vorbei. Vor allem die beiden Federbeine im Heck reagieren bestenfalls hölzern auf Herausforderungen der Straße und bringen auf Holperstrecken ziemliche Unruhe ins Gebälk, die durchs Betätigen der tadellosen Verzögerungsorgane aber schnell beseitigt ist.
Die Pfunde der überdimensionierten Konstruktion machen dem 125er-Aggregat das Leben schwer, zumal der flüssigkeitsgekühlte Einzylinder bei 12,9 PS das 15-PS-Limit nicht voll ausschöpft. Nach Druck auf die Kymco-typische Keyless-Taste nimmt das Aggregat mit kernigem Sound die Arbeit auf. Sanft setzt sich der Kymco in Bewegung und kommt gut dosierbar aus den Puschen, ein Sprinter ist der 125er-Downtown aber nicht.
Ab Tacho 80 verlässt den Einzylinder ein wenig das Engagement, dreistellige Regionen erreicht er dennoch. Die abschaltbare Traktionskontrolle erscheint angesichts der Vorstellung indes überflüssig.
Nichts auszusetzen gibt es bei den Manieren. Der Einzylinder läuft vibrationsarm, bleibt beim Gaswechsel unauffällig und legt einen sehr sittsamen Durchschnittsverbrauch von echten 2,7 Litern an den Tag. Mit dem üppigen 12,5-Liter-Spritfass sind 463 Kilometer Reichweite drin. So dürfte der Downtown GT statt an der Tankstelle eher am Super- oder Wochenmarkt anzutreffen sein, weil sich der Wocheneinkauf in seinem riesigen 52-l-Staufach unter der Sitzbank bequem unterbringen lässt.
Geradezu vorbildlich bietet das siebenzöllige TFT-Instrument seine Informationen dar, wenngleich der über eine gut tastbare Schaltwippe am rechten Lenker ausgewählte Funktionsumfang überschaubar bleibt. Auf eine Bluetooth-Anbindung, wie sie bei vielen modernen Scootern inzwischen üblich ist, verzichtet der Kymco nämlich. Dafür präsentiert das Display sämtliche Anzeigen vom Drehzahlmesser bis zur Geschwindigkeit bestens ablesbar, ganz gleich, ob die Sonne von der Seite, von vorn oder von hinten scheint.
Zur praxisgerechten Ausstattung gehören zwei allerdings nicht abschließbare, großzügige Staufächer, die einen USB-Anschluss beherbergen. Ein weiterer verbirgt sich in der Lenkermitte. Eine Erwähnung wert ist außerdem die solide Verankerung der Sitzbank über zwei robuste Haken.
Für den Einsatz als reiselustiger Leichtkraftroller, der seine Touren vorzugsweise auf gepflegten Untergründen unternimmt, zeigt sich der Downtown GT 125 gut vorbereitet. Mit dem kultivierten, sparsamen Aggregat verfügt er über einen Trumpf, der allerdings gerne etwas mehr Bumms bieten könnte. Dafür sind die verlangten 5.569 Euro kein Schnäppchen, doch immerhin ist darin eine rundum tadellose Verarbeitung inbegriffen.
Kymco Downtown GT 125 - technische Daten
Motor: Flüssigkeitsgekühlter Einzylindermotor, 125 ccm Hubraum, vier Ventile pro Zylinder, ohc, 9,5 kW/12,9 PS bei 9000 U/min, 11 Nm bei 7250 U/min; Einspritzung, CVT-Automatik, Fliehkraft-Trockenkupplung, Riemen-Sekundärantrieb.
Fahrwerk: Stahlrohrrahmen; Telegabel vorn, nicht einstellbar, 10 cm Federweg; Triebsatzschwinge, zwei Federbeine, Federvorspannung einstellbar, 10,7 cm Federweg; Leichtmetallgussräder; Reifen Maxxis 120/70-15 (vorn) und 140/70-14 (hinten). 26 cm Einscheibenbremse mit Zweikolben-Schwimmsattel vorn, 24 cm Einscheibenbremse mit Zweikolben-Schwimmsattel hinten.
Assistenzsysteme: ABS, abschaltbare Traktionskontrolle.
Maße und Gewichte: Radstand 1,555 m, Sitzhöhe 81 cm, Gewicht fahrfertig 172 kg, Zuladung 175 kg; Tankinhalt 12,5 Liter.
Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 99 km/h. Standgeräusch 78 dB(A). Testverbrauch 2,7 l/100 km, Reichweite 463 km.
Preis: 5569 Euro inkl. Nebenkosten