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Klassische Softenduro Mash X-Ride - Japan-Retro aus Frankreich

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Die Mash X-Ride erinnert an die Yamaha XT 500 aus dem Jahr 1976. Und genau das ist gewollt.

(Foto: Targetpress)

Die Retro-Welle brandet ungebrochen in die Schauräume der Motorradgeschäfte. Dass es für den Erfolg solcher Modelle aber weder großer Motoren noch teurer Karosserien bedarf, beweist die französische Marke Mash mit der X-Ride 650.

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Der Motor der Mash X-Ride 650 ist ein Nachbau des Honda Dominator von 1988.

(Foto: Mash)

Na sowas, hat Yamaha nach der Ténéré nun auch noch die XT 500 aus dem Jahr 1976 wiederbelebt? Das könnte der erste Gedanke beim Betrachten der neuen X-Ride 650 Classic des französischen Herstellers Mash sein. Für diesen Verdacht verantwortlich sind die weiß-rot gehaltenen Graphics auf dem 12 Liter fassenden Tank wie auf den Verkleidungsteilen unterhalb der Sitzbank. Ebenso vertraut kommen einem die goldfarbenen, eloxierten Speichenräder vor oder die einteilige, nur leicht abgestufte Sitzbank. Außerdem: Genauso wie die selige XT wird die X-Ride von einem klassischen Einzylinder-Viertaktmotor angetrieben.

Honda-Nachbau treibt an

Dafür haben sich die Franzosen allerdings von Honda inspirieren lassen. Mit einem Bohrung-Hub-Verhältnis von 100 x 82 Millimeter und einem Hubraum von 643,7 Kubikzentimeter entspricht der Antrieb exakt den Maßen des Motors der ebenfalls verblichenen Honda Dominator 650 von 1988. Den hat Mash im Prinzip nachgebaut und auch schon einmal verwendet, und zwar in der 2019 vorgestellten Dirt Track 650, einem klassischen Roadster im US-Racer-Look. Mit einer Leistung von 40 PS bei 6000 Kurbelwellenumdrehungen und einem Drehmoment von 45,1 Newtonmeter präsentiert sich der Einspritz-Vierventiler, den aktuellen Abgas- und Lärmvorschriften geschuldet, etwas zurückhaltender als das Dominator-Vorbild.

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Geschaltet wird die Mash X-Ride über ein klassisches Fünfganggetriebe.

(Foto: Targetpress)

Ein klassisches Fünfgang-Getriebe überträgt die Motorkraft per Kette an das mit einem grob profilierten 150er-Reifen bestückte Hinterrad. Der luftgekühlte Single zeigt sich durchzugsstark mit ordentlich Vortrieb im praxisrelevanten Drehzahlbereich zwischen 3000 und 5000 Umdrehungen. Auf kurvigen Landstraßen fühlt sich der Scrambler-Treiber daher am wohlsten, hier kann er das Potential der X-Ride voll ausspielen, ohne sich zu überfordern. Ab 6000 Touren sind Vibrationen durchaus spürbar, aber keineswegs störend. Irgendwie gehören sie zum Konzept eines klassischen Scramblers dazu, das war schließlich zu XT-Zeiten nicht anders.

Entwickelt in Frankreich, produziert in China

Auf derartige Motorräder hat sich Mash spezialisiert, seit der ehemalige Rennfahrer Frederic Fourgeaud als Präsident des Fahrzeugimporteurs SIMA im Jahr 2012 auf die Idee kam, klassische britische und japanische Motorrad-Stilelemente der 1960er und 70er-Jahre mit zeitgemäßer Technik zu verknüpfen. Designt und entwickelt werden die Motorräder in Frankreich, preiswert produziert in China. Mash gehört mit seinen Retro-Singles in Frankreich zu den Marktführern im 125er-Segment, bietet aber auch Caféracer mit 250 Kubikzentimeter Hubraum und sogar ein 400er-Retro-Gespann an. Hierzulande kümmert sich die Mash Motor GmbH in Neunkirchen-Seelscheid, ein Schwesterunternehmen des niederländischen Mash-Importeurs Motomondo, um den Vertrieb der französischen Retro-Bikes.

Gut gefedert auf Asphalt

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Die Sitzhöhe von 84 Zentimetern muss auch kleinere Fahrer einer Mash X-Ride 650 nicht abschrecken.

(Foto: Targetpress)

Flaggschiffe im umfangreichen Modell-Portfolio sind die 2019 präsentierte Dirt Track 650 und natürlich die neue X-Ride 650 Classic. Sie versucht sich optisch in Anlehnung an die XT als klassische Softenduro, gehört mit ihrem 17-Zoll-Fahrwerk aber eher in die Sparte moderat offroadtaugliches Straßenmotorrad. Die Federung vorn übernimmt eine konventionelle Telegabel, hinten stützt sich die Zweiarmschwinge aus Stahl gegen ein Zentralfederbein mit Ausgleichsbehälter ab. Der Federweg von 130 Millimetern vorn und hinten reicht aus, um komfortabel gedämpft selbst tiefe Schlaglöcher unbeschadet zu überstehen. Im unbefestigten Gelände wäre das zu wenig.

Über Kopfsteinpflaster schwebt die X-Ride geradezu hinweg. Das wird der anvisierten Einsteiger-Zielgruppe 40plus genauso gefallen wie die bequeme, aufrechte Sitzposition hinter dem Enduro-Lenker mit Querstange. Kleinere Fahrer muss die Sitzhöhe von 84 Zentimeter nicht abschrecken und das leicht zu handhabende Gewicht von 180 Kilogramm werden sie zu schätzen wissen, während größere Fahrer über 1,85 Meter die Sitzposition als sehr kompakt empfinden werden.

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Die Armatur der Mash X-Ride 650 fällt in die Kategorie praxisbezogene Alltagstauglichkeit.

(Foto: Mash)

Zugeständnisse an den Stand der Technik sind nicht nur das abschaltbare ABS und die ordentlich dosierbare und effektiv arbeitende Bremsanlage mit radial angeschlagenem Vierkolbensattel vorn und die Zweikolbenanlage hinten. Auch die Rundum-LED-Beleuchtung mit LED-Tagfahrlicht im schicken Rundscheinwerfer repräsentiert den Stand der Technik. Ansonsten herrscht eher praxisbezogene Alltagstauglichkeit vor.

Den einfachen Armaturen sieht man an, wo gespart wurde, genauso dem spartanischen Cockpit mit analogem Drehzahlmesser und einem zu kleinen, schlecht ablesbaren Digital-Display. Bei einem Preis von 5985 Euro für die X-Ride 650 Classic kann man mit solchen Einschränkungen durchaus leben, bekommt man dafür doch ein Stück Motorrad-Geschichte im Neo-Retro-Kleid.

Quelle: ntv.de, Thilo Kozik, sp-x