Auto

Übelkeit im Roboterauto Mit Ingwer gegen die Reiseübelkeit?

imago88023098h.jpg

Die Reisekrankheit kann lange Fahrten zur Qual machen.

(Foto: imago)

Die Reiseübelkeit kam nicht erst mit den Roboterautos. Das Phänomen ist so alt, wie es die Fortbewegung auf vier Rädern gibt. Doch jetzt sucht die New Mobility nach Lösungen für die Zukunft.

Wem beim Lesen oder Videogucken im Auto schlecht wird, der wird in den Robotermobilen der Zukunft Problem haben, sich die Zeit zu vertreiben. Fahrzeugbauer und Zulieferer suchen nach Lösungen im Kampf gegen die Reiseübelkeit. Die Ansätze reichen von beruhigenden Düften über Sänften-Fahrwerke bis zu speziellen Innenraum-Designs.

imago87138929h.jpg

Der Anteil der Reisekranken liegt zwischen sechs und zwölf Prozent.

(Foto: imago)

Zwischen sechs und zwölf Prozent der Nutzer vollautomatisierter Autos werden gelegentlich oder regelmäßig an Reiseübelkeit leiden, hat bereits 2015 eine Studie der Universität von Michigan ergeben. Sie wären gezwungen auf Tätigkeiten wie Lesen, Schreiben, Filmeschauen oder Videospielen zu verzichten. Stattdessen müssten sie sich die Zeit anders vertrieben, zum Beispiel mit aus dem Fensterschauen, Telefonieren oder Schlafen.

Verarbeitungskonflikt hat Schuld

Auslöser der Reisekrankheit ist ein Verarbeitungskonflikt im Hirn. Dieses erhält widersprüchliche Informationen: So registriert es die Bewegung des Körpers, obwohl die auf Buch oder Bildschirm fokussierten Augen Stillstand melden. Weil die wirren Eindrücke Vergiftungssymptome sein könnten, reagiert der Körper mit Übelkeit und schließlich Erbrechen. Im konventionellen Auto ist immerhin der Fahrer immun gegen die Symptome, im fahrerlosen Auto können sie hingegen jeden Insassen treffen. Verstärkend kommt dazu, dass die Sitze nicht mehr notwendigerweise in Fahrrichtung montiert sind, und dass auch Fenster nicht mehr unbedingt zum Standard gehören, sondern zumindest teilweise durch Bildschirme ersetzt sein könnten.

Mercedes_F015_innenraum_2.jpg

Neu gestaltete Innenräume und Liegesitze sollen gegen die Reisekrankheit helfen.

(Foto: Daimler AG)

Der US-Zulieferer IAC will dem Unwohlsein in Roboterautos daher mit angenehmen Düften beikommen. Erprobt werden aktuell unter anderem Lavendel, Ginseng oder Kräuter. Bis das ultimative Mittel gefunden ist, das bei möglichst vielen Übelkeitspatienten wirkt, dürfte es nach Einschätzung des Unternehmens aber noch bis mindestens 2030 dauern. Ebenfalls noch Zeit braucht das Start-up Clear Motion, dass den Brechreiz durch besonders sanftes Fahrverhalten verhindert wird. Elektrohydraulische Vorrichtungen an den Stoßdämpfern sollen in Verbindung mit Daten zur vorausliegenden Strecke Karosseriebewegungen möglichst komplett eliminieren. Das Gehirn registriert dann keine Bewegung mehr und kommt nicht in Konflikt mit den Informationen des Sehnervs.

Biosensoren sollen Reiseübelkeit erkennen

Einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt der Autohersteller Jaguar Land Rover. Die Briten arbeiten an einem System, das mit Hilfe von Biosensoren Reiseübelkeit bei den Insassen erkennt und Fahrwerks sowie Innenraum-Ambiente entsprechend anpasst. Unter anderem kann der Algorithmus unter 26 unterschiedlichen Sitz-Einstellungen, verschiedenen Positionen des Videobildschirms und diversen Temperatur-Optionen der Klimaautomatik wählen. Einen ähnlichen Weg verfolgt das US-Unternehmen Ricardo, das mit seiner Anti-Übelkeits-Software vor allem Mobilitätsdienstleister mit Roboterauto-Flotten überzeugen will.

Neben technischen Hilfsmitteln können aber auch relativ einfache Design-Entscheidungen im Innenraum künftiger Fahrzeuge für Entlastung der Passagiere sorgen. Die Verfasser der Übelkeits-Studie der Universität Michigan empfehlen einige Maßnahmen. Unter anderem sollten große Panorama-Fenster für einen guten Blick auf den Horizont sorgen, Sitze sollten nach Möglichkeit in Fahrtrichtung montiert sein und Bildschirme in Augenhöhe. Besonders günstig wären teil-transparente Exemplare. Ebenfalls für sinnvoll halten die Forscher den Einbau von Liegesitzen.

Quelle: n-tv.de, hpr/sp-x

Mehr zum Thema