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Spaß im japanischen Kleinstwagen Mit dem Nissan Dayz Roox durch Tokio

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Schön ist der Nissan Dayz Roox nicht. Aber er gehört zu der in Tokio sehr beliebten Gattung der Kei-Cars.

(Foto: Nissan)

Außen klein, innen groß. Der Nissan Dayz Roox zählt zu den Kei-Cars. Das sind steuerbegünstigte Kleinfahrzeuge für Japans Großstädte. Aber wie fährt sich so ein Mikro-Auto aus europäischer Sicht? Eine Ausfahrt in Tokio.

Ganz schön kantig. Und ganz schön hässlich. Dennoch, der Nissan Dayz Roox ist faszinierend. Irgendwie. Du steigst ein und fühlst dich wie in einem Bus. Die Kopffreiheit ist riesig, der Platz nach vorne mehr als ausreichend und der Fahrersitz überbreit. Wie auf einem bequemen Sofa hockst du im Nissan und fragst dich unweigerlich: Warum gibt es so ein Auto bei uns nicht?

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Allein die Höhe des Kei-Cars ist für deutsche Augen gewöhnungsbedürftig.

(Foto: Fabian Hoberg)

Der Dayz Roox zählt zur Kategorie der Kei-Cars. Das sind Kleinstwagen, die in Japan steuerliche Vorteile genießen und im Unterhalt günstig sind. Die Kfz-Steuer bei Kauf und Unterhalt beträgt nur ein Drittel im Vergleich zu einem normalen Auto und die Autobahngebühren sinken deutlich. Dazu verzichtet die japanische Regierung auf eine Nachweispflicht für einen raren und teuren Parkplatz, den man hierzulande als Autobesitzer nachhalten muss. Bei Monatsmieten von über 1000 Euro für einen Stellplatz ist das in Tokio ein ziemlich teures Unterfangen. Genau dieser Umstand macht Kei-Cars daher auch bei vielen Japanern beliebt. Mittlerweile machen Kai-Cars rund 40 Prozent der Neuzulassungen aus. Neben der Größe sind die Mini-Autos an den gelben Kennzeichen zu erkennen.

Ein Motörchen für das Kei-Car

Per Definition dürfen Kei-Cars nur 3,40 Meter lang und 1,48 Meter breit sein. Im Vergleich zum 35 Zentimeter breiteren VW Golf sitzen aber auch Europäer in einem solchen Winzling ganz bequem, wenn auch zu zweit auf Tuchfühlung. Von außen erinnern Kei-Cars schlicht an eine Box – mit erstaunlich großzügigem Innenraum und einer einzigartigen Rundumsicht, denn die Scheiben, die das Kei-Car umgeben sind ebenfalls riesig. Für den Vortrieb erlaubt die Regierung für die Kei-Cars lediglich Motoren mit maximal 660 Kubikzentimeter Hubraum.

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Nicht dass der Autor ein Raser wäre, aber an die Bedingungen des Kei-Cars musste er sich auch erst gewöhnen.

(Foto: Fabian Hoberg)

Der Mini-Nissan unterschreitet diese Norm sogar noch, wächst dafür mit 1,78 Meter in die Höhe. Unter der kurzen Haube werkelt ein 659 Kubikzentimeter kleiner Dreizylinder-Turbo mit 49 PS (Serie) und 64 PS (Sportversion). Für ein Leergewicht, je nach Ausstattung, zwischen 920 und 1000 Kilogramm nicht üppig, aber ausreichend. Zumindest in der Stadt. In Kombination mit einem stufenlosen CVT-Automatikgetriebe geht es raus in den hektischen Tokioer Stadtverkehr. Das Lenkrad sitzt wie in Japan üblich rechts. Im wilden Hin und Her ist es hier gar nicht so einfach die richtige Fahrbahn zu finden. Irgendwie wird die Fahrt im Kei-Car durch Tokio surreal wie ein animiertes Autoscooter-Rennen.

Spaß an der Größe

Doch bei Vollgas kommt der Dreizylinder bei Vollgas sofort an seine Grenzen, schreit wild auf und verlangt nach Ruhe. Okay, du verstehst schnell, nimmst den Fuß vom Gas und gibst dem Motor Zeit zum Verschnaufen, streichelst den Pin nur noch und versuchst im mittleren Drehzahlbereich im Verkehr mitzuschwimmen. Und da fühlt sich der Roox wohl: Mit den kurzen Maßen wechselst du schnell die Seite, fädelst dich dreist in enge Lücken ein. Selbst in ganz engen Gassen oder Parkhäusern macht das Fahren plötzlich Spaß. Du ertappst dich dabei, dass du Umwege durch enge Straßen suchst, nur um den Wendekreis von 8,8 Metern anwenden zu können. Parkplatzsuche in Tokio endet nicht in Verzweiflung, sondern wird zum Vergnügen. Selbst ultrakleine Lücken passen noch für den Roox.

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Mit wenigen Handgriffen lässt sich der Roox zum Transporter umwandeln.

(Foto: Fabian Hoberg)

Und auch für den akzeptablen Basispreis von umgerechnet 11.500 Euro bietet der Mini-Nissan eine Menge. Neben dem Platz für den Fahrer sind da vier Türen, Platz fast wie bei einem London-Taxi im Fond und ein kleiner Kofferraum. Je nach Ausstattung lassen sich die hinteren Schiebetüren elektrisch bedienen. Die Rückenlehne fällt problemlos in die Ebene, ebenso wie die Sitze. Mit wenigen Handgriffen wechselt der Roox vom Pkw zum Mini-Transporter, die Fondsitze lassen sich um 26 Zentimeter verschieben. Dazu bietet das Kei-Car ein übersichtliches Cockpit mit Infos über Geschwindigkeit, Drehzahl und Tankvolumen. Im Rückspiegel integriert ist ein Round-View-Monitor, an den, an den Rücksitzen angebrachten Klapptischen können Passagiere arbeiten und bei Dunkelheit erhellen Xenon-Scheinwerfer die Straße. In der Mitte platziert ist ein großer Bildschirm für Radio, Navi und TV. Praktisch, denn die Straßen rund um Tokio sind meist verstopft, Staus sind die Regel, nicht die Ausnahme. Selbst einen Allradantrieb bietet Nissan für den Roox an.

Keiner für die schnelle Kurve

Dafür ideal: das stufenlose CVT-Automatikgetriebe. Lästiges und dauerhaftes Schalten übernimmt es zuverlässig und findet eigentlich immer die passende Übersetzung. Nur bei Ampelstarts und Zwischenspurts überträgt es die Motorkraft für europäische Füße viel zu langsam auf die Vorderräder. Der Motor dreht hoch und heult auf, die spürbare Beschleunigung bleibt aber aus. Du denkst dann, dass es langsam weitergehen muss, aber es passiert wenig bis nichts – der quälende Gummiband-Effekt. Bis du die maximale Geschwindigkeit von 140 km/h erreicht hast, vergeht gefühlt eine Ewigkeit.

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So ungewöhnlich die Form des Nissan Roox ist, so zweckmäßig ist er doch im dichten Stadtverkehr.

(Foto: Fabian Hoberg)

Mit den kleinen 14-Zoll-Rädern und der eher weichen, aber schnell durchschlagenden Federung gleitet der Nissan sauber über frischen Teer. Sobald die Straßen schlechter werden, rumpelt es im Gebälk – und du fährst automatisch noch langsamer, vor allem in Kurven. Doch zum schnellen Fahren ist das Stadtauto eh nicht gemacht. Auf Japans Autobahnen mit Tempolimit schwimmt er bei 100 km/h locker mit und verbraucht dabei im Schnitt rund 4,5 Liter.

Kei-Cars sind eine der richtigen Antworten, neben Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs, auf verstopfte Straßen. Selbst in Berlin, Hamburg oder Köln würden die Mini-Autos gut passen. Nur mit dem CVT-Getriebe und dem kleinen Motörchen würden sich die wenigsten Deutschen anfreunden, das steht mal fest. Dafür zeigte Nissan vor kurzem auf der Tokyo Motor Show die Studie IMk – eine stromernde Version des Dayz Roox.

Quelle: ntv.de