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Unwetter, Vandalismus, WildTeilkasko vs. Vollkasko: Was wann besser ist

16.11.2018, 10:12 Uhr
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Sturmschaden: Welche Versicherung greift? (Foto: picture alliance / Daniel Bockwo)

Ob ein Reh auf die Straße springt oder ein Orkan wütet: Situationen, in denen das Auto zu Schaden kommen kann, gibt es viele. Hier erfahren Sie, wie Sie sich richtig versichern.

Sich im Tarifdschungel der Autoversicherer zu orientieren, ist nicht leicht. Pflicht ist – wie der Name schon vermuten lässt – eine Haftpflicht-Versicherung. Sie deckt einen etwaigen Fremdschaden ab. Doch sollte man sich nicht auch gegen Schäden am eigenen Fahrzeug versichern? Und wenn ja, sollte man sich dann für Vollkasko oder für Teilkasko entscheiden? Was ist "Kasko" überhaupt für ein Wort?

Zunächst überraschend: Kasko leitet sich vom spanischen "Casco" ab, und das bedeutet "Schiffsrumpf". Das Bedürfnis, sich gegen Schäden am eigenen Fahrzeug abzusichern, kam nämlich zuerst bei Handelsschiffen und ihrer wertvollen Ladung auf.

Teilkasko: günstige Variante mit Lücken

Eine Teilkaskoversicherung sichert, vereinfacht gesagt, die meisten Schäden ab, für die Sie nichts können. Das sind zum Beispiel:

  • "Höhere Gewalt", also Sturmschäden, Überschwemmungen, Hagel oder Brände, die auf das Auto übergreifen

  • Schäden durch Defekte im Fahrzeug, wie etwa Kurzschlüsse, Kabelbrände und Glasbruch

  • Schäden durch Dritte, wie etwa Raub, Fahrzeugeinbrüche und –diebstähle. Nicht enthalten sind Schäden durch Vandalismus.

  • Wildschäden: Hier sollten Sie Ihren Vertrag gut studieren. Die berüchtigten Marder-Attacken sind bei Teilkasko nicht immer und auch nicht in vollem Umfang abgedeckt.

Wie hoch die Versicherungsprämie für Ihr Auto ist, hängt von der Typklasse und dem Meldeort ab. Ihre unfallfreien Jahre wirken sich bei der Teilkasko nicht aus. Den Schadensfreiheitsrabatt gibt es nur in der Vollkasko-Versicherung. Das leuchtet ein, wenn man bedenkt, dass bei der Teilkasko eben genau die Risiken versichert sind, die Sie als Autofahrer nicht beeinflussen können. Sie können solche "Umweltrisiken" aber verringern, indem Sie etwa Ihr Auto in einer Garage unterbringen. Und das sollte sich auch bei der Prämie bemerkbar machen.

Vollkasko: alles drin?

Wenn Sie Opfer von Vandalismus werden oder Ihr Fahrzeug durch Unachtsamkeit selbst beschädigen, dann hilft Ihnen nur eine Vollkasko-Versicherung weiter. Damit sind Sie dann rundum abgesichert. Damit das auch zuverlässig klappt, sollten Sie aber vor Vertragsabschluss prüfen, ob Sie auch bei grober Fahrlässigkeit den vollen Schadenersatz beanspruchen können.

Bei Finanzierungen für Neuwagen ist auch eine "Neuwertentschädigung" im Vertrag zu überlegen, da bei einem Totalschaden sonst nur der Zeitwert des Fahrzeugs ersetzt wird.

Und was soll’s jetzt sein?

Es gibt einige Kernpunkte, die Ihnen die Entscheidung für oder gegen die Vollkasko-Versicherung erleichtern:

  • Sie haben einen Neuwagen gekauft oder finanziert. Als Faustregel taugen hier drei bis vier Jahre, während derer sich eine Rundum-Absicherung empfiehlt. Je höher der Fahrzeugpreis, desto länger bietet sich die Vollkasko an.

  • Sie fahren ein älteres Auto mit hohem Zeitwert, etwa aus der Luxusklasse oder einen Oldtimer.

  • Sie genießen durch langjährige Unfallfreiheit einen hohen Schadensfreiheitsrabatt. Oftmals ist die Vollkasko-Versicherung dann kaum teurer als die Teilkasko-Variante.

Eine hoch angesetzte Selbstbeteiligung macht sich durch verringerte Beiträge bemerkbar, und Sie sind dennoch bei wirklich schweren Schäden abgesichert. Auch wenn Sie die Standard-Selbstbeteiligung von 300 Euro gewählt haben und der Schaden nur knapp darüber liegt, sollten Sie nachrechnen, ob sich eine Regulierung durch die Versicherung lohnt. Die in der Folge erhöhten Beiträge können die Versicherungsleistung schon binnen kurzer Zeit aufzehren. Tarifvergleiche für genau Ihre Konstellation lassen sich auf den gängigen Vergleichsseiten leicht anstellen.

Jenseits der ersten drei Lebensjahre von Neuwagen, in denen der Vollkaskoschutz stark zu empfehlen ist, bekommt in späteren Jahren die persönliche Risikopräferenz ein zunehmendes Gewicht. Zwischen dem vierten und dem zehnten Autojahr werden viele den Teilkasko-Schutz bevorzugen. Bei älteren Kleinwagen und Mittelklassefahrzeugen mit geringem Zeitwert kann auch der Verzicht auf einen Kaskoschutz sinnvoll sein. Eines aber muss weiterhin sein: die Haftpflicht.

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