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Neue MobilitätWie teuer sind E-Autos in der Versicherung?

12.11.2018, 09:13 Uhr
imageVon Wolfgang Huber
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Einige Versicherer beginnen, die Elektromobilität aktiv zu fördern. (Foto: imago/photothek)

Neue Stromer kommen auf den Markt! Doch wie schlägt sich ein Elektroauto eigentlich in der Versicherung? Ist es teurer oder günstiger als die Verbrenner? Hier finden Sie Antworten.

Elektroautos sind nach wie vor mehr Medien- als Massenphänomen. Abseits von Autobahnen und größeren Städten sind Ladestationen noch immer nicht flächendeckend verfügbar. Auch die Reichweite kommt bei den aktuellen Modellen – die Teslas mal außen vor – nicht über bestenfalls 400 Kilometer hinaus, und die Fahrzeugpreise bleiben hoch.

Vor dem Hintergrund des branchenweiten Dieselskandals sorgte das Umweltgewissen der ersten Käufer - im Verbund mit der staatlichen Kaufprämie – im Jahr 2017 aber immerhin für rund 25.000 Neuzulassungen. 2018 dürfte die Zahl von 40.000 Neuzulassungen erreicht werden. Zum Ende dieses und im kommenden Jahr haben praktisch alle deutschen Autobauer neue Stromer angekündigt. Damit gewinnt das Thema für Neuwagenkäufer endlich auch an praktischer Relevanz. Welche Rolle spielt nun das Thema "Versicherung" für die Entscheidung über einen E-Auto-Kauf?

Kfz-Haftpflicht: kein Unterschied

Benziner, Diesel oder E-Auto: Die Haftpflicht bleibt Pflicht zur Absicherung von Schäden, die das eigene Fahrzeug bei Dritten verursacht. Im elektrischen Neuland lehnen die Versicherer Ihre Tarife an die gut mit Daten und Erfahrungswerten unterfütterten Risikomodelle für kraftstoffgetriebene Pkw an. Es gibt hier so gut wie keine Unterschiede, und das heißt: Nach den bisherigen Erkenntnissen richten E-Autos nicht mehr und nicht weniger Schaden an als Verbrenner. Abweichende Tarife für die Haftpflicht werden kommen, wenn E-Autos sich statistisch gesichert bei der Unfallhäufigkeit und dem verursachten Fremdschaden von herkömmlichen PKW abheben.

Hier spielen zunächst die vergleichsweise hohen Anschaffungskosten eine Rolle. Die Versicherer haben bislang mit höheren Ersatzleistungen im Schadensfall kalkuliert, und das schlug sich in den Tarifen nieder. Ein in Ausstattung und Fahrzeugklasse ähnliches Modell schlug mit zusätzlich 10 bis 20 Prozent zu Buche.

Voll- und Teilkasko: Auf die Batterie kommt es an

Einzelne Versicherer haben aber nun die Fahrer von E-Autos als attraktive Zielgruppe entdeckt und fördern den Umstieg, nicht zuletzt im Rahmen der unternehmerischen Sozialverantwortung. Dadurch sind Tarife auf den Markt gekommen, bei denen die E-Kasko sogar günstiger ist als für den vergleichbaren Verbrenner.

Der große Strukturunterschied im Risikomodell E-Auto gegen Verbrenner liegt in der Batterie. Sie stellt den größten Kostenblock dar – gewichtiger als der Otto-Motor bei der fossilen Konkurrenz. Schon bei Kleinwagen sind Batterie-Aufschläge von 10.000 Euro und mehr gängig und machen demnach grob die Hälfte des Verkaufspreises aus. Bei größeren Modellen und den Teslas dieser Welt fällt zwar der Anteil am Gesamtpreis, dennoch muss die Kasko-Versicherung dann auch Totalschäden an der Batterie von 20.000 Euro und mehr abdecken können.

Wieviel Schutz soll's sein?

Mehr noch als bei Dieseln und Benzinern empfiehlt sich für E-Autos eine Vollkasko-Versicherung für die ersten Jahre nach dem Neukauf. Dabei gebührt, wie gesagt, der Batterie das Hauptaugenmerk. Im Falle eines fatalen Defekts sollte die Versicherung den Ersatz abdecken und nicht nur einen bereits im ersten Jahr stark sinkenden Zeitwert.

Teure Bedienungsfehler beim Laden kommen durchaus vor. Gerade deshalb sollte die Versicherung im Vertrag auf den Einwand grober Fahrlässigkeit verzichten. Umgekehrt muss die Batterie raus aus dem Vertrag, wenn die Batterie geleast ist und der Auto-Hersteller für Schäden geradesteht.

Wie generell bei Kasko-Versicherungen, sollten Sie über eine hohe Selbstbeteiligung nachdenken. Tausend Euro können als Faustregel gelten. Damit sichern Sie nur wirklich gravierende Schäden ab. Bei kleineren Schäden zahlen Sie über die später erhöhten Prämien ohnehin schnell drauf und sollten immer nachrechnen, ob die Versicherung eingeschaltet werden muss.

Bei der Vollkasko-Variante spielt, wie gewohnt, der Schadensfreiheitsrabatt eine entscheidende Rolle. Wer lange unfallfrei gefahren ist, dem wird auch für einen Stromer ein günstiger Vollkaskoschutz angeboten.

Fazit: Das E-Auto-Kauf-Gesamt-Vorteilspaket aus Kaufprämie und Steuerbefreiung wird durch die Versicherungsprämien, ob Haftpflicht, Voll- oder Teilkasko, nicht wesentlich beeinflusst. Bei der reinen Haftpflicht spielt die Antriebsart keine Rolle. Der "Batterie-Aufschlag" macht Kaskoversicherungen eigentlich teurer. Aber die Versicherer beginnen, die Elektromobilität aktiv zu fördern und bieten Öko-Tarife, die den Umstieg zumindest nicht mehr erschweren.

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