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Ein Typ mit Ecken und Kanten: Das extravagante Design scheinen viele Kunden zu mögen.
Ein Typ mit Ecken und Kanten: Das extravagante Design scheinen viele Kunden zu mögen.(Foto: Textfabrik/Busse)
Freitag, 08. Juni 2018

Kompakt-SUV von Mitsubishi: Eclipse Cross - die Mischung macht's

Von Axel F. Busse

Wenn es nach der Erfahrung mit Geländewagen und SUV geht, spielt Mitsubishi ganz vorne mit. Der Pajero gehört zu den Klassikern dieser Fahrzeuggattung. Ob die Erfahrung hilft, ein erfolgreiches Kompakt-SUV zu platzieren, verrät der n-tv.de Praxistest.

Als heller Stern im Modellprogramm soll der Mitsubishi Eclipse Cross funkeln, da ist der Name ("Verdunkelung") eigentlich irreführend. Aber immerhin steckt hinter der Bezeichnung ein tatsächlicher Begriff, was angesichts der zahllosen Fantasienamen, die von der Autoindustrie kreiert werden, schon etwas Besonderes ist. Eine andere Besonderheit stellt die Motorisierung dar: Ein Benzin-Aggregat mit 163 PS - das ist alles. Der treibt den Wagen wahlweise über die Vorder- oder alle vier Räder an. Außerdem kann der Kunde sich zwischen einer 6-Gang-Handschaltung und einem stufenlosen CVT-Getriebe entscheiden.

Der quer eingebaute 1,5-Liter-Benziner ist (noch) die einzige verfügbare Motorisierung.
Der quer eingebaute 1,5-Liter-Benziner ist (noch) die einzige verfügbare Motorisierung.(Foto: Textfabrik/Busse)

Die Freiheit der Entscheidung ist nur insofern eingeschränkt, als dass der Allradantrieb ausschließlich mit CVT-Kraftübertragung geliefert wird. Für dieses Jahr hat Mitsubishi angekündigt, einen überarbeiteten 2,2-Liter-Turbodiesel ins Programm aufzunehmen, der dann mit einer Achtgang-Automatik und mit Allradantrieb kombiniert ist. Das klingt nach einer interessanten Alternative. Der Testwagen mit Vorderradantrieb und Handschaltung repräsentiert die Mehrheitsvariante unter den etwa 3400 Eclipse-Modellen, die in den ersten vier Monaten dieses Jahres in Deutschland neu zugelassen wurden.

Expressives Karosserie-Design

Zu der ansehnlichen Zahl haben saftige Händlerrabatte sicher ihren Beitrag geleistet. Nur rund zwölf Prozent der verkauften Modelle waren Allradler. Eine Bodenfreiheit von 183 Millimetern ist auch kein Freibrief für schweres Gelände. Mit 4,41 Metern Länge gehört das Auto zu den größeren Kalibern der Kompakt-SUV, üblich sind Fahrzeuglängen zwischen 4,10 und 4,30 Metern. Der Radstand von 2,67 Metern hört sich nicht gewaltig an, beim Blick in den rückwärtigen Fahrgastraum offenbart sich jedoch eine ganz ansehnliche Beinfreiheit zwischen den Polstern.

Die geteilte Heckscheibe gehört nicht zu den Highlights: Die Sicht nach hinten könnte besser sein.
Die geteilte Heckscheibe gehört nicht zu den Highlights: Die Sicht nach hinten könnte besser sein.(Foto: Textfabrik/Busse)

Auffällig machen ihn aber nicht nur die Abmessungen. Die stark ansteigende Gürtellinie sorgt für eine neue Präsenz des eigentlich längst abgeschriebenen Keilform-Designs, das abfallende Dach macht den Fünftürer gleichzeitig beinahe zum Coupé. Komplett extravagant wird es an der Heckklappe, wo die dritte Bremsleuchte mittig auf der geteilten Scheibe angebracht ist und als leuchtende Traverse eine Querverbindung zwischen den Rücklichtern herstellt. So bleiben zwei schmale Glasflächen von rund 20 Zentimeter Höhe. Das mag vom Styling her unkonventionell, vielleicht sogar elegant sein, praktisch ist es nicht. Geteilte Heckfenster behindern die freie Sicht nach hinten, das ist beim Eclipse Cross nicht anders.

Für das Wohlbefinden der Fondpassagiere hat Mitsubishi einiges getan. Nicht nur, dass es an Beinfreiheit nicht mangelt, sondern auch die Lehnen der Sitze sind in der Neigung verstellbar. Und obwohl das schräge Dach einiges befürchten ließ, ist die Kopffreiheit ebenfalls ausreichend. Die ganze Bank lässt sich um 20 Zentimeter verschieben, sodass der Kofferraum auch bei Auslastung aller Sitzplätze zwischen 359 und 458 Litern variiert werden kann. Bei umgelegten Lehnen und dachhoher Beladung gehen maximal 1159 Liter hinein. Leider ist die Fläche sehr schräg und maximal nur 1,55 Meter tief. Nicht eben nutzerfreundlich ist die Ladekante in 77 Zentimeter Höhe, die Bodenplatte kann in zwei verschiedenen Höhen arretiert werden. Unter der geöffneten Klappe kann man bis 1,85 Meter Körpergröße stehen, ohne sich den Kopf zu stoßen.

Reichhaltige Spitzen-Ausstattung

Funktional und übersichtlich: das Cockpit mit dem zentralen Touchscreen.
Funktional und übersichtlich: das Cockpit mit dem zentralen Touchscreen.(Foto: Textfabrik/Busse)

Dem extrovertierten äußeren Erscheinungsbild fehlt es im Innern an einem angemessenen Gegengewicht. Die Gestaltung wirkt eher konventionell, wenn auch nicht ungemütlich. Die Idee, eine mäßig spannende Plastiklandschaft durch metallisch wirkende Spangen, Winkel, Abdeckungen und Einfassungen aufzupeppen, ist durchaus zu begrüßen. Doch bleibt das Material, was es ist: Kunststoff. Der mächtige Handbremshebel ragt provozierend zwischen den Vordersitzen empor, davor befindet sich ein zusätzliches Touchpad.

Eingedenk der harten Konkurrenz hat sich Mitsubishi dafür entschieden, den Appetit auf das Auto durch ein hohes Ausstattungsniveau zu fördern. Bei der Linie "Top" ist es einfacher aufzuzählen, was nicht verfügbar ist, als sämtliche sicherheits- und komfortrelevanten Merkmale zu nennen. Hier ein Auszug: Adaptiver Tempomat (jedoch nur bei CVT-Getriebe), Ausparkassistent, Einparkhilfe vorn und hinten, Rückfahrkamera, Bergan- und -abfahrhilfe, Spurhalte- und Totwinkel-Assistent, 18-Zoll-Alufelgen, Dachreling, Scheinwerfereinigungsanlage, LED-Scheinwerfer, Licht- und Regensensor, Nebelscheinwerfer, beheizbares Lenkrad, beheizbare Frontscheibe und Vordersitze, Head-Up-Display (mit Zusatzscheibe), Zweizonen-Klimaautomatik und Soundsystem nebst Subwoofer.

Trotz durchschnittlichen Radstands verblüfft der Eclipse Cross durch gute Beinfreiheit hinten.
Trotz durchschnittlichen Radstands verblüfft der Eclipse Cross durch gute Beinfreiheit hinten.(Foto: Textfabrik/Busse)

Das Infotainment-System mit Sieben-Zoll-Touchscreen steht senkrecht auf der Armaturentafel, womit es ein wenig an BMW-Monitore erinnert. Neben der direkten Fingerbedienung kann es auch über das quadratische Touchpad im Mitteltunnel gesteuert werden. Diese Funktion kennt man aus höherpreisigen Angeboten. Und auch wenn die Bedienung etwas feinmotorische Übung erfordert, wird sie offenbar von Kunden geschätzt. Es lassen sich damit Navigation- und Bordinfos aufrufen sowie die Apps der integrierten Smartphones (Apple & Android) dirigieren.

Komfortable Fahrwerk-Auslegung

Damit das dynamische Äußere seine Entsprechung in temperamentvollen Fahrleistungen finden kann, braucht es wahrscheinlich erst den angekündigten Dieselmotor, der mit deutlich mehr Drehmoment zu Werke gehen wird als die 250 Newtonmeter, die der kleine Turbobenziner bereitzustellen vermag. Zu schwer ist der Wagen sicher nicht für 163 PS, 1500 Kilogramm Leermasse nennt das Datenblatt. Zumindest in der handgeschalteten Variante kann man die Gänge ein bisschen höher ausdrehen, was aber bekanntlich zulasten des Verbrauchs geht. Die Freude an häufigen Übersetzungswechseln ist eh begrenzt, da der Hebel ergonomisch ungünstig hoch angebracht ist. 9,3 Sekunden auf Tempo 100 sind aber ein akzeptabler Wert, was auch für 200 km/h Höchsttempo gilt.

Das Fahrwerk mit seiner komfortbetonten Auslegung und die teils indifferente Lenkung dämpfen sportliche Ambitionen, sie sortieren den Eclipse Cross charakterlich bei den entspannten Cruisern ein. Die Geräuschdämmung ist gut und der Verbrauch in der Praxis wich mit 7,5 Litern nur mäßig von Sollwert (6,6 Liter) ab. Wer als Kunde mit dem Allradantrieb liebäugelt, sollte bedenken, dass die Reichweiter gegenüber dem Schalter etwas gemindert ist. Das Fahrzeug wiegt mehr, verbraucht offiziell 0,4 Liter mehr und hat einen um drei Liter kleineren Tank.

Fazit: Auch wenn das Motorenangebot noch nicht vollständig ist, zeigt der Eclipse Cross durch gute Kundenresonanz, dass sein expressives Design und das komfort-orientierte Package ankommen. Letztlich macht es die gelungene Mischung. Durch den Einstiegspreis von unter 22.000 Euro setzt er sich positiv von der Konkurrenz ab. Er bietet bei Bedarf eine reichliche Ausstattung zu ansprechenden Konditionen und gleichzeitig ordentliche Vielseitigkeit mit hohem Nutzwert.

DATENBLATTMitsubishi Eclipse Cross 1.5 T-MIVEC 2WD
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,41 x 1,81 x 1,69 m
Radstand2,67 m
Leergewicht (DIN) / Zuladungmin. 1500 kg / max. 450 kg
Anhängelast (gebremst)1600 kg
Kofferraumvolumen378 - 1159 Liter
MotorVierzylinder-Benziner, 1499 ccm, Turbolader, Direkteinspritzung
Leistung163 PS (120 kW) bei 5500 U/min
AntriebVorderradantrieb
Höchstgeschwindigkeit205 km/h
max. Drehmoment (Systemleistung)250 Nm bei 1800–4500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h10,3 Sekunden
EffizienzklasseC (Euro 6)
Bodenfreiheit183 mm
Wendekreis10,6 m
Bereifung225/55 R18
Normverbrauch6,6 Liter
CO2-Emission kombiniert151 g/km
Grundpreis21.990 Euro
Preis des Testwagens30.990 ("Top"-Ausstattung)

Quelle: n-tv.de