Praxistest

E-Scooter unter Strom NIU MQi GT - die urbane elektrische Freiheit

DSC_0131.jpg

Der NIU MQi GT erfreut auch optisch mit seinem schicken Design.

(Foto: Holger Preiss)

Mit bis zu 70 km/h elektrisch durch die Stadt wuseln. Immer und überall einen Parkplatz finden und ganz bequem vom Sofa aus den Akku laden. Genau das bietet der NIU MQi GT. Aber der E-Scooter aus China hat noch einige andere Vorzüge, die er im ntv.de-Praxistest unter Beweis stellte.

Die Elektromobilität vierrädrig in die Städte zu bringen - das darf, zumindest für Deutschland, als grandios gescheitert angesehen werden. Kein Mensch wollte kleine Autos mit geringen Reichweiten, die dann auch noch aufwendig zu laden sind. Da macht doch so ein E-Scooter schon eine ganz andere Figur. Auf zwei Rädern wuselt er sich überall durch und kann noch dazu in der Mietwohnung mit Strom versorgt werden. Ideal also für den urbanen Raum, der mit Ladesäulen und Parkplätzen geizt.

DSC_0009.jpg

Mit 115 Kilogramm ist der NIU MQi GT auch für Fahranfänger leicht zu steuern.

(Foto: Holger Preiss)

Die Erfüllung des urbanen Mobilitätsglücks heißt NIU MQi GT und kommt aus - wie könnte es anders sein - China. Und der Elektro-Scooter bietet wirklich alles, was es für den schnellen emissionsfreien Ritt durch die Stadt braucht. Bestückt mit zwei Lithium-Ionen-Akkus mit einer Kapazität von 31 Ah bringt es der 115 Kilogramm schwere E-Flitzer auf eine Reichweite zwischen 70 und 80 Kilometern. Mit frisch geladener Batterie zeigte der MQi GT sogar 92 Kilometer an. Also Angst, irgendwo plötzlich mit leerer Batterie liegenzubleiben, muss man hier wirklich nicht haben.

Etwas Sport und ein Föhn

Allerdings lassen sich die Akkus tatsächlich nur an der Haushaltssteckdose laden. Dazu bedarf es eines Trafos und eines Splitters, der die zwei Batterien mit der entsprechenden Stromstärke versorgt. Ja, und ein bisschen sportlichen Ehrgeiz muss man aufbringen, wenn man die jeweils 11 Kilogramm schweren Batterieblöcke in die Wohnung trägt. Zudem sollte man nicht dort laden, wo man sich länger aufhalten will, denn der Ventilator des Transformators macht ordentlich Wind und sorgt so für eine Geräuschkulisse, die die eines 2000 Watt starken Föhns nicht unähnlich ist. Und das für etwa drei bis vier Stunden. Denn so lange braucht es, bis beide Kraftlieferanten zu 100 Prozent gefüllt sind. Aber letztlich ist das wirklich ein kleines Übel, denn bedenkt man, dass man so weder eine Ladestation suchen muss noch einen zeitlichen Leerlauf zu befürchten hat, ist das schon recht charmant.

DSC_0119.jpg

Bis zu 70 km/h kann der NIU MQi GT in der stärksten Ausführung schnell werden.

(Foto: Holger Preiss)

Charmant ist es auch, mit dem NIU MQi GT unterwegs zu sein, der bei ntv.de mit dem 3100 Watt starken Motor von Bosch zum Test antreten durfte. Da der Elektroflitzer aber bis zu 70 km/h schnell werden kann, gilt er als Leichtkraftrad und wer ihn bewegen will, benötigt entweder den Führerschein B196 für die 125er Klasse oder den A1 Führerschein, den man mit 16 Jahren machen kann. Sind diese Voraussetzungen erfüllt und der Helm auf dem Kopf, kann der Chinakracher mit seinen umgerechnet etwa 7 PS in drei Fahrmodi bewegt werden: E-Save begrenzt die Geschwindigkeit auf 25 km/h und verlängert natürlich die Reichweite. Nicht mal in der Stadt empfehlenswert, weil man so im Straßenverkehr zu einem echten Hindernis wird. Dynamic sorgt für eine Höchstgeschwindigkeit von Tempo 55, ideal für das Wuseln im urbanen Raum. Sport ist dann für die, die flott von der Kreuzung wegziehen wollen und vielleicht auch mal ein kurzes Stück auf der Stadtautobahn abspulen müssen. Auch das mit GPS-gemessenen 75 km/h kein Problem.

Kurze Beine und eine App

Nun darf man sich aber den Ampelstart des MQi GT auch im Sportmodus nicht raketengleich vorstellen. Die Beschleunigung erfolgt immer sanft, ohne durchdrehendes Hinterrad oder ein Aufbäumen des NIU. Das geht auch völlig in Ordnung, denn es sorgt bei ungeübten Fahrern für ein sicheres Gefühl und eine angenehme Handhabung. Dem ist auch die Sitzhöhe von 816 Millimetern sehr zuträglich. Selbst mit kurzen Beinen muss man keine Angst haben, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Erfreulich ist zudem die Zuladung von insgesamt 270 Kilogramm. Das macht es neben der gut gepolsterten und recht langen Sitzbank möglich, auch zu zweit auf dem NIU auszureiten. Einziges Manko sind die kurzen Federwege der Stoßdämpfer. Die reichen zwar aus, um kleinere Unebenheiten zu puffern, sind aber bei schlechten Straßen deutlich überfordert.

DSC_0079.jpg

Neben dem großen LC-Display informiert eine NIU-App über alle Daten.

(Foto: Holger Preiss)

Überhaupt nicht überfordert ist der Pilot mit der Bedienung des NIU. Zum einen sind die Bedienelemente am Lenker überraschend wertig und geben bei der Nutzung ein angenehmes Feedback, zum anderen informiert ein riesiges LC-Display über die Geschwindigkeit, den Ladezustand, den aktuellen Fahrmodus, die Uhrzeit und die Connectivity. Denn natürlich gibt es auch eine App für den NIU, über die der Scooter nicht nur getrackt, sondern auch ver- und entriegelt werden kann. Und natürlich kann man die Batteriekapazität, Reichweite und den aktuellen Standort einsehen. Zudem ist eine Karte hinterlegt, auf der alle gefahrenen Wege aufgezeichnet und Fahrstatistiken erstellt werden. Und die App weist die Selbstprüfung des Rollers aus, informiert also auch über Fehler.

Wenig Stauraum, aber Anerkennung

Insofern braucht es den Schlüssel samt Fernbedienung eigentlich nur noch zum Entriegeln der Sitzbank. Unter der wünschte man sich allerdings nicht die Akkus, sondern einen Stauraum. Denn der fehlt dem NIU MQi GT mehr oder weniger vollends. Der verbleibende Platz reicht für kaum mehr als das Verstauen des Ladekabels samt Trafos oder um Kleinkram wie Smartphone oder Portemonnaie wegzuschließen. Wer einen Helm verstauen will, muss den entsprechenden Helmhaken dafür nutzen oder sich das optional erhältliche Topcase zulegen. Kleinere Einkäufe können dank des flachen Durchstiegs zwischen den Beinen platziert werden.

DSC_0249.jpg

Mit seinen zwei Akkus unter der Sitzbank stromert der NIU MQi GT bis zu 80 Kilometer weit.

(Foto: Holger Preiss)

Doch wenn man das als Minuspunkt des E-Rollers aufführen möchte, sei an dieser Stelle noch ein klarer Pluspunkt angeführt: die tadellose Bremsleistung. Zwei Scheibenbremsen sorgen nämlich an Hinter- und Vorderrad nicht nur für die unmittelbare Verzögerung, sondern rekuperieren auch ordentlich Energie in die Akkus zurück. Wer den plötzlichen Bremseinsatz auf Grund eines Blitzers vermeiden möchte, kann den Tempomaten des NIU nutzen. Auch der ist in den 3399 Euro Anschaffungspreis enthalten.

Ja, das ist etwas mehr Geld, als man für einen vergleichbaren Verbrenner zahlt. Aber dafür bekommt man nicht nur einen sehr schicken und gut verarbeiteten Roller mit vielen Beigaben bis hin zum automatischen Blinkrücksteller und einem USB-Anschluss, sondern auch die Freiheit, nicht an eine Tankstelle fahren zu müssen, sondern ganz bequem zu Hause den Strom tanken zu können. Hinzu kommt das gute Gewissen, in der Stadt emissionsfrei unterwegs zu sein und überall einen Parkplatz zu finden. Und obendrauf gibt es dann tatsächlich auch noch anerkennende Blicke der Mitmenschen. Na, und wenn das am Ende den Preis nicht wert ist, was dann?

DatenblattNIU MQi GT
Abmessungen LxBxH1,95/ 0,70/ 1,17 m
Radstand1,39 m
Leergewicht 115 kg
Zuladung269 kg
Sitzplätze2
Elektromotor3100 Watt
Batterie Lithium-Ionen-Akku
Batteriekapazität31 Ah
Ladezeit4,5 h
Höchstgeschwindigkeit 70 km/h
Reichweite 70 bis 80 Kilometer
Vorderbremse Scheibe220 mm
Hinterradbremse Scheibe180 mm
Sitzhöhe816 mm
Sitzbanklänge782 mm
CO2-Emissionen0 g/km
Grundpreis3399 Euro

Fazit: Der NIU MQi GT ist mit 3400 Euro vielleicht kein Schnäppchen, aber der Mehrpreis wird durch Qualität, viele Beigaben und einige Freiheiten ausgeglichen. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass der E-Scooter wirklich nur etwas für die Kurzstrecke ist. Die absolviert er aber mit Bravour, glänzt durch seine leichte Handhabbarkeit und in der stärkeren Ausführung mit einer Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h. Einziges Manko ist der fehlende Stauraum, um den einen oder anderen Transport bewältigen zu können. Dafür kann man aber ganz charmant zu zweit auf dem NIU MQi GT die Stadt erkunden.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.