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Ob man den Skoda Karoq tatsächlich in "Stahl-Grau" bestellen muss, dürfte Geschmackssache sein.
Ob man den Skoda Karoq tatsächlich in "Stahl-Grau" bestellen muss, dürfte Geschmackssache sein.(Foto: Holger Preiss)
Freitag, 19. Januar 2018

Yeti-Nachfolger im Praxistest: Skoda Karoq - mehr als ein kleiner Kodiaq

Von Holger Preiss

Im VW-Konzern hat man inzwischen auch bei den Mid-Size-SUV die Qual der Wahl. Fast möchte man meinen, dass einzig der Geschmack entscheidet. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Skoda Karoq? Im Praxistest bei n-tv.de warf er jedenfalls nur eine Frage auf.

Wie den großen Bruder ziert auch den Skoda Karoq eine markante Lichtgrafik am Heck.
Wie den großen Bruder ziert auch den Skoda Karoq eine markante Lichtgrafik am Heck.(Foto: Holger Preiss)

Die Fans des Skoda Yeti werden immer noch daran zu knabbern haben, dass der "Schneemensch" sich mit der Einführung des Karoq aus der Modellpalette der Tschechen verabschiedet hat. Aber selbst auf die Gefahr hin, dass die Yeti-Liebhaber den Autor dieser Zeilen ans Kreuz schlagen werden: Es ist gut, dass der kleine Bruder des Kodiaq gekommen ist, denn in fast allen Punkten überflügelt der den Yeti. Festgestellt wurde das beim Praxistest, den n-tv.de mit dem 1,5-Liter-Benziner durchführen durfte.

Können 150 PS begeistern?

Das Triebwerk ist sozusagen brandneu, leistet 150 PS und reicht ab 1500 Kurbelwellenumdrehungen 250 Newtonmeter an die Vorderachse weiter. Die liegen tatsächlich spürbar an, denn der so motorisierte Karoq lässt so befeuert gerne die Gummis auf dem Asphalt kratzen. Viel Gas braucht es dabei nicht, eher einen sanften Gasfuß, um ohne Kavalierstart aus den Blöcken zu starten und nach 8,6 Sekunden Landstraßentempo erreicht zu haben.

Aufgeräumt und aus dem VW-Baukasten sind die Bedienelemente im Skoda Karoq.
Aufgeräumt und aus dem VW-Baukasten sind die Bedienelemente im Skoda Karoq.(Foto: Holger Preiss)

Etwas zögerlich stellt sich der Sprint ab Tempo 80 dar. Im Eco- oder Normal-Modus braucht es eine Winzigkeit, bis der Turbolader genug Puste hat, um Luft in die Kammern zu blasen. Nun kann man diese Verzögerung aber durchaus umgehen. Da die Fahrmodi auch eine Stufe Sport offerieren, kann hier die Drehzahl gehoben und die Gaskennlinie verschärft werden. Wer so unterwegs ist, wird auch beim Überholvorgang auf der Landstraße oder Autobahn keinen nennenswerten Verzug spüren. Einzig im Moment der maximalen Kraftentfaltung gibt das Triebwerk, das seinen Dienst sonst sehr verhalten erledigt, Ton.

Wenn Zylinder zwei und drei Pause machen

Für die Verteilung der Kraft zeichnet ein Doppelkupplungsgetriebe verantwortlich, das angenehm geschmeidig und ohne spürbare Verzögerungen arbeitet. Die hier verrichtete Arbeit ist neben den persönlichen Fahrvorlieben natürlich auch immer für den Verbrauch verantwortlich. Um den so gering wie möglich zu halten, erfreut das Triebwerk mit einer neuartigen Sparfunktion: dem aktiven Zylindermanagement ACT. Das heißt nichts anderes, als dass der zweite und dritte Zylinder, wenn deren Dienste nicht benötigt werden, abgeschaltet werden. Zwischen 1250 und 4000 Umdrehungen, zwischen 25 und 100 Newtonmeter und bis zu einer Geschwindigkeit von 130 km/h kann der Karoq so auf zwei Töpfen fahren.

Die Sportsitze bieten ausgezeichneten Seitenhalt und auch in der zweiten Reihe muss niemand über Platzprobleme klagen.
Die Sportsitze bieten ausgezeichneten Seitenhalt und auch in der zweiten Reihe muss niemand über Platzprobleme klagen.(Foto: Holger Preiss)

Der Fahrer kann diesen Umstand nur an zwei Dingen festmachen: Zum einen wird in der Matrix die Information eingeblendet, dass nur noch zwei Zylinder aktiv sind, zum anderen wird ihn der Langzeitverbrauch überraschen. Der Test-Karoq brachte es über die obligaten 1000 Kilometer auf einen Durchschnittsverbrauch von 7,9 Liter. Ein mehr als ordentlicher Wert, der - wen wunderts - Lichtjahre vom Datenblattwert, der mit 5,4 Liter angegeben wird, entfernt ist. Wer es wissen will, der kann den Karoq übrigens auch mal fliegen lassen. Bis zu 203 km/h wird das SUV der Tschechen problemlos schnell.

Klein ist nicht der richtige Ausdruck

Egal, wie und wo man den Wagen auch bewegt, er federt straff, aber nicht hart aus und vermittelt im Zusammenspiel mit der direkten und gefühlvollen Lenkung einen wunderbaren Kontakt zur Fahrbahn. Wer noch mehr Virtuosität haben möchte, der muss sich für den Allradantrieb entscheiden. Nur für die 4x4-Modelle gibt es nämlich die adaptive Fahrwerksregelung DCC. Hier beeinflussen zusätzlich elektrisch angesteuerte Ventile die Arbeitsweise der Dämpfer. Momentan gibt es Allrad nur für die Diesel-Varianten des kleinen Karoq, aber bald wird auch der hier getestete 1,5-Liter-Benziner mit Allrad verfügbar sein.

Die Kante im Kofferraum entsteht nur, wenn auf den doppelten Ladeboden für 190 Euro verzichtet wird.
Die Kante im Kofferraum entsteht nur, wenn auf den doppelten Ladeboden für 190 Euro verzichtet wird.(Foto: Holger Preiss)

Wobei klein gar nicht der richtige Ausdruck ist. In den Maßen überragt der Karoq mit 4,38 Meter seinen Vorgänger, den Yeti, um mehr als 10 Zentimeter. Zudem geht es im Innenraum angenehm luftig zu. Mit anderen Worten: Nicht nur in der ersten Reihe können Erwachsene problemlos reisen - auch im Fond finden sie reichlich Kopf- und Kniefreiheit. Wer auf große Reise gehen will, hat hinter der auf Wunsch elektrisch öffnenden Heckklappe 521 Liter Stauraum. Die reichen für die Familien-Sommerreise durchaus. Wer mit Langlaufski in den Winterurlaub will, muss damit leben, das die Bretter auf Oberarmhöhe des Fahrers enden.

Nicht in allen Punkten clever

Der Stauraum im Gepäckabteil lässt sich im Übrigen erweitern, wenn man für 390 Euro zusätzlich die variablen Rücksitze ordert. Die lassen sich dann zum einen in Längsrichtung verschieben und die Rücklehne lässt sich im Winkel verstellen. Wer das Platzangebot in Gänze ausnutzen möchte, der kann die Bank natürlich auch in Gänze umlegen. Aber Achtung! Der entstehende Raum von 1630 Litern lässt sich nur leicht bestücken, wenn der doppelte Ladeboden im Kofferraum ist. Andernfalls muss man langes Ladegut geschickt über eine hohe Kante schieben. Und noch eine Kritik sei hier angebracht. Die Lehnen werden nicht über einen Zug im Kofferraum flach gemacht oder über eine Entriegelung an der Lehne, sondern durch Schlaufen kurz über der Sitzfläche. Hat man nicht darauf geachtet, dass die frei zugänglich sind, muss man, will man die Rückenlehne wieder aufrichten, unangenehm fummeln, um sie freizulegen. Das ist echt nicht "simply clever".

Nicht wirklich clever: die Züge zum Umlegen der Rückenlehne.
Nicht wirklich clever: die Züge zum Umlegen der Rückenlehne.(Foto: Holger Preiss)

Mehr vom cleveren Skoda-Pfiff findet man in der Kofferraumleuchte, die auch als Taschenlampe genutzt werden kann, der induktiven Ladestation für Smartphones in der Mittelkonsole, 230V-Steckdose mit zwei USB-Anschlüssen vorn und hinten oder im Regenschirm, der sich unter dem Beifahrersitz befindet. Auch der Eiskratzer im Tankdeckel und optional der Mülleimer für das Fach in der Tür gehören dazu. Clever auch die Vielzahl der verfügbaren Assistenten, die gerade im Testwagen große Freude bereitet haben, einfach, weil sie problemlos und fehlerfrei funktioniert haben. Dazu gehört der adaptive Spurhalteassistent ebenso wie der adaptive Abstandstempomat, der im Stau ebenso zuverlässig war wie bei Tempo 200. Ebenfalls verfügbar sind der Totwinkelwarner und der City-Notbremsassistent mit Personenerkennung. Auch der Parkassistent, der den Wagen auf Wunsch ohne Zutun des Fahrers in die Längs- oder Querlücke bugsiert, ließ keine Fragen aufkommen, machte das, was er sollte, ohne Wenn und Aber.

Assistenten, die es können

Steuerbar sind die Assistenten über ein Menü in der Matrix, welches über einen Knopf am Lenkrad direkt angesteuert werden kann. Für alle anderen Funktionen wie Radio, Navi, Telefon, WLAN et cetera ist der auf Wunsch neun Zoll große TFT die Bedieneinheit. Selbstredend können auch Smartphones gespiegelt und von dort bedient werden. Kostenpunkt für einen derart umfänglich ausgestatteten Karoq? Satte 37.170 Euro! Doch von dem Gedanken, dass Skoda die VW-Billigmarke ist, hatten wir uns ja ohnehin schon vor einigen Jahren verabschiedet. Allerdings gibt es für das Geld eben auch ein sehr umfänglich bestücktes Auto, das mit solider Technik, viel Platz, sehr guten Sitzen und Fahreigenschaften ausgestattet ist. Klar kann man, um sich sicher zu sein, auch mal mit den Schwestermodellen VW T-Rock und Seat Ateca in die Bütt steigen.

Fazit: Einen Skoda Karoq kann man nicht mehr mit einem Yeti vergleichen. Optisch gefälliger, technisch ausgereift steht der Karoq eigentlich nicht mal im Schatten des großen Bruders Kodiaq. Er ist für alle die eine echte Überlegung, denen SUV mit knapp fünf Metern einfach zu groß sind, die in der Stadt ein handhabbares Fahrzeug haben wollen, das sich aber auch auf der Langstrecke mehr als wacker schlägt. Es ist auch etwas für Leute, denen ein voll ausgestattetes Auto unter 40.000 Euro vorschwebt. Viele Fehler kann der Käufer mit einem Skoda Karoq jedenfalls nicht machen.

DATENBLATTSkoda Karoq 1,5l TSI ACT Style
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,38 / 1,84 / 1,60 m
Radstand2,64 m
Leergewicht (DIN)1567 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen521 / 1630 Liter
Motor4-Zylinder Reihenmotor, 1498 ccm Hubraum
Getriebe7-Gang DSG
Systemleistung Verbrennungs- und E-Motor150 PS (110 kW)
KraftstoffartSuper-Benzin
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit203 km/h
Tankvolumen50 Liter
max. Drehmoment (Systemleistung)250 Nm von 1500 - 3500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h8,6 Sekunden
Normverbrauch (innerorts, außerorts, kombiniert)6,8 / 5,0 / 5,6 Liter
Testverbrauch (kombiniert)7,9 Liter
CO2-Emission kombiniert127 g/km /EU6
Grundpreis29.890 Euro
Preis des Testwagens35.830 Euro

Quelle: n-tv.de