Ernüchternde EinzelhandelsdatenUS-Börsen finden nach Konzernbilanzen keine klare Richtung

Neue KI-Tools lösen an der Wall Street weiterhin branchenweite Verwerfungen aus. Nach dem Ausverkauf im Versicherungssektor trifft es heute Aktien von US-Brokerhäusern. Bei den Quartalsberichten gibt es weiterhin Licht und Schatten.
Nach gemischt ausgefallenen Konzernbilanzen haben die US-Börsen am Dienstag uneinheitlich geschlossen. Der Standardwerteindex Dow Jones konnte ein kleines Plus von 0,1 Prozent ins Ziel retten und schloss bei 50.188 Punkten, nachdem er im frühen Handel sogar ein Rekordhoch erreicht hatte. Der technologielastige Nasdaq gab indes 0,6 Prozent auf 23.102 Zähler nach. Der breit gefasste S&P 500 büßte 0,3 Prozent auf 6942 Stellen ein.
"Wir sehen eine anhaltende Rotation in eine breitere Palette von Anlagechancen über verschiedene Sektoren und Regionen hinweg, und das dürfte als gesund gelten", sagte Bill Fitzpatrick, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Logan. So griffen Anleger bei Aktien des Musik-Streamingdienstes Spotify, der Hotelkette Marriott, des Spielwarenherstellers Hasbro und des Motorradherstellers Harley-Davidson zu. Nach positiv aufgenommenen Geschäftszahlen legten die Titel um vier bis 15 Prozent zu. Nach unten ging es hingegen nach einem Finanzbericht unter den Markterwartungen für die Titel des Getränkekonzerns Coca-Cola. Sie büßten 1,5 Prozent ein.
Neue KI-Tools erschüttern ganze Branchen
Die Markteinführung eines KI-gestützten Steuerplanungstools des Fintech-Unternehmens Altruist belastete derweil die Aktien von US-Brokerhäusern. Die Papiere von LPL Financial, Raymond James und Charles Schwab verloren zwischen sieben und rund acht Prozent. Die Anwendung "Hazel" erstellt laut Altruist maßgeschneiderte Steuerstrategien, indem sie Dokumente wie Steuererklärungen, Gehaltsabrechnungen und E-Mails auswertet.
"Sobald es auch nur eine kleine negative Nachricht gibt, verkaufen Händler erst einmal und stellen erst später Fragen", sagte Dennis Dick, Chefstratege bei Stock Trader Network. "Jedes Mal, wenn eine solche Schlagzeile aufkommt, gerät ein weiterer Sektor unter die Räder." Die Einführung eines Plug-ins für den KI-Chatbot Claude von Anthropic, das juristische Aufgaben übernehmen kann, hatte vergangene Woche die Technologiebranche auf Talfahrt geschickt. Viele Anleger befürchten, dass Künstliche Intelligenz (KI) klassische Software verdrängt, auf der die Geschäftsmodelle zahlreicher Konzerne beruhen.
Am Montag folgte ein Ausverkauf im US-Versicherungssektor, der sich am Dienstag bei den europäischen Rivalen fortsetzte. Auslöser war die Veröffentlichung eines KI-gestützten Vergleichstools auf der Grundlage von ChatGPT durch die Online-Versicherungsplattform Insurify.
Für lange Gesichter sorgten auch die jüngsten Konjunkturdaten: Die Umsätze im US-Einzelhandel stagnierten vor der Jahreswende überraschend. Die Zahlen "deuten darauf hin, dass die Wirtschaft im vierten Quartal womöglich nicht so robust war, wie viele erwartet hatten", sagte Charlie Ripley, Portfoliomanager bei Allianz Investment Management.
Andreas Lipkow, Chefanalyst vom Broker CMC Markets, führte die Zahlen unter den Erwartungen auf den sich abschwächenden Arbeitsmarkt zurück. "Umso wichtiger werden die morgen anstehenden Daten zu den neu geschaffenen Stellen im Januar, da sich zeigen muss, ob sich der negative Trend nur fortsetzt oder gar beschleunigt." Laut Experten dürfte der Bericht zeigen, dass sich der zuletzt maue Jobaufbau im Januar etwas verstärkt hat. Erwartet wird ein Stellenplus außerhalb der Landwirtschaft von 70.000, nach 50.000 im Dezember. Die Arbeitslosenquote dürfte bei 4,4 Prozent verharren. Die US-Notenbank Fed, die stabile Preise und Vollbeschäftigung fördern soll, hatte den Leitzins zuletzt nach drei Senkungen in Folge nicht angerührt. Die Fed konstatierte, der Beschäftigungszuwachs sei weiterhin gering. Doch zeige die Arbeitslosenquote Anzeichen einer Stabilisierung.
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