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Epidemie-Angst im Schwellenland Türkei meldet steigende Fallzahlen

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Mehr als 10.000 Coronavirus-Infizierte: Die Türkei veröffentlicht bislang nur Fallzahlen, aber keine Angaben zur regionalen Verteilung.

(Foto: AP)

Wie schwer wird die Coronavirus-Pandemie die Türkei treffen? In dem Land an der Schwelle zwischen Asien und Europa gibt es den Zahlen der Regierung zufolge bereits über 10.000 Infizierte. Mehr als 160 Menschen sind dort bereits gestorben.

Die Zahl der Coronavirus-Fälle in der Türkei ist offiziellen Angaben auf mehr als 10.000 gestiegen. Zu Wochenbeginn seien im Tagesverlauf 1610 weitere Menschen positiv auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet worden, teilte Gesundheitsminister Fahrettin Koca mit.

Damit stieg die Gesamtzahl der Infizierten auf 10.827 an. Die Zuwachsrate der täglich gemeldeten Fälle ging zuletzt allerdings leicht zurück. In den vergangenen Tagen hatte sie teils bei 25 Prozent und mehr gelegen. Zu Wochenbeginn lag sie bei 18 Prozent und damit in etwa so hoch wie in den USA. In den zurückliegenden 24 Stunden starben zudem 37 Covid-19-Patienten. Die Zahl der Todesopfer in der Türkei erhöhte sich damit auf 168.

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Die Türkei hatte erst vor knapp 20 Tagen - am 11. März - den landesweit ersten Coronavirus-Fall bestätigt. Die Regierung in Ankara gibt keine regionale Aufschlüsselung der Fälle bekannt. Nach offiziellen Angaben gibt es im gesamten Land Coronavirus-Fälle. Wie hoch die Dunkelziffer bislang unentdeckter Infektionen ist, bleibt vorerst unklar.

Mehrere Wohngebiete in 18 Provinzen wurden den Angaben aus Ankara zufolge unter Quarantäne gestellt. Seit Montagnachmittag seien 39 Gebiete, darunter eine Kleinstadt und 28 Dörfer, abgeschottet, teilte das Innenministerium mit. Die Namen der betroffenen Provinzen wurden nicht genannt.

Vorkehrungen für Inhaftierte und Wärter

Im Zusammenhang mit der Coronavirus-Epidemie wurden in der Türkei in den vergangenen beiden Wochen bereits Ermittlungen gegen 459 Personen eingeleitet. In den meisten Fällen gehe es um "manipulative" Beiträge in sozialen Medien, sagte Justizminister Abdülhamit Gül. Außerdem werde unter anderem wegen des Verkaufs gefälschter Atemschutzmasken und Verstöße gegen die Quarantäne ermittelt.

Gül erklärte zudem, dass Gefängnispersonal nach der Arbeit nicht mehr nach Hause zurückkehren dürfe, sondern in gesonderten Unterkünften untergebracht werde. So solle verhindert werden, dass das Coronavirus in die Gefängnisse eingeschleppt wird.

Menschenrechtler und Anwälte fordern in der Türkei die Freilassung von politischen und besonders gefährdeten Gefangenen. Mit einem Gesetzesentwurf will die Regierung nach Medienberichten rund 100.000 von insgesamt 300.000 Inhaftierten freilassen. Allerdings sollen davon Terrorstraftaten und Vergehen gegen den Staat ausgenommen bleiben. Dies sind Vorwürfe, die in der Türkei häufig auch gegen Regierungskritiker erhoben werden.

Quelle: ntv.de, mmo/cwo/dpa