Leben

Durch und durch europäisch Ein Sneaker fürs gute Gewissen

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Weiße Sneaker - nichts Besonderes? Mitnichten, denn oft ist weniger nach wie vor mehr.

(Foto: kulson)

Die Welt ist voller weißer Sneaker - da sollte man doch meinen, dass man einen passenden Schuh findet. Theoretisch ist das ganz sicher möglich, praktisch war es für Benjamin Hoffmann irgendwann so, dass er auf der Suche nach einem klassischen, weißen Alltags-Sneaker nach dem fünften Geschäft feststellen musste, dass er keinen der gesichteten Schuhe auch nur geschenkt haben wollte. Er entschied sich dazu, es zusammen mit seinem Geschäftspartner Jakob Burger selbst in die Hand zu nehmen. Und es besser zu machen. Herausgekommen ist dabei ein Schuh - ja, genau, ein Schuh, allerdings für linke und rechte Füße, sowohl für Damen als auch für Herren - der den hohen Standards des jungen Unternehmers genügen konnte. Mit n-tv.de spricht Benjamin Hoffmann über Backpfeifen und nicht so nette Altkleidercontainer, Visionen, die Welt und den ersten Schritt - am besten in einem coolen Sneaker.

n-tv.de: Ein Mann - ein Schuh? Diese Zeiten sind ja eigentlich längst vorbei, oder?

Benjamin Hoffmann: History repeats ... Man darf unseren Sneaker aber auch gerne zweimal kaufen (lacht).

Sie bieten tatsächlich nur ein Modell an - warum?

Unser Ziel war es, den perfekten Sneaker zu kreieren, und den gibt es für uns eben nur einmal. Wie bei unseren Stückzahlen setzen wir hier lieber auf Qualität statt auf Quantität. Das mag in der heutigen Zeit etwas sonderbar wirken, aber dieser Ansatz spiegelt letztlich die Philosophie unseres zeitlosen Designs wieder. Weniger kann manchmal mehr sein.

Was ist der Vorteil gegenüber anderen Sneakern?

Für uns ist es der schönste Sneaker, den es gibt. Aber da Schönheit bekanntlich im Auge des Betrachters liegt, galt unser Fokus bei der Entwicklung insbesondere den inneren Werten. Jeder Sneaker hat ein unglaublich komfortables Fußbett aus recyceltem Material in sich und wurde mit ausschließlich aus der EU stammenden Komponenten in Portugal nach höchsten Qualitätsstandards handvernäht. Wir verwenden hochwertiges Leder aus Portugal und Italien und verzichten bei der Verarbeitung penibel auf giftige Substanzen. Darüber hinaus steht hinter dem Label kūlson ein Versprechen: Wir spenden vier Prozent unseres gesamten Jahresumsatzes an Organisationen, die sich mit bewundernswerter Hingabe der Reinigung der Meere verschrieben haben.

Was unterscheidet den Schuh von einem, sagen wir mal, typähnlichen Stan Smith?

Unsere Schuhe kommen nicht als Massenware aus Bangladesch oder Indonesien und sie sind auch nicht an jeder zweiten Person in der Bahn neben einem zu finden. Wir möchten einen besonderen Sneaker für besondere Kunden schaffen und zwar mit einer Message dahinter: "Sneakers with Soul". Obendrein sind unsere Sneaker durch ihr dezentes und dennoch sehr edles Design absolute Allrounder für fast jeden Anlass - egal ob sportlich, casual oder eben sogar chic.

Der Preis ist nicht ohne. Kaufe ich vielleicht auch ein bisschen ein gutes Gewissen?

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Benjamin Hoffman vor dem aktuellen Pop-Up-Store.

(Foto: kulson)

Qualität hat ihren Preis, das steht außer Frage. Wenn man aber mit Bedacht unsere komplett europäische und faire Produktionskette inklusive unseres Spendeneids analysiert, so relativiert sich der Preis von 199 Euro doch recht schnell, finde ich, auch wenn es auf den ersten Blick viel erscheint. Wir haben nicht den Preis gesetzt und darauf basierend ein Produkt kreiert, sondern es ist uns momentan schlichtweg nicht möglich, einen günstigeren Preis aufzurufen, auch wenn wir gerne würden. Kunden, die sich für uns entscheiden und sich mit dem Gedanken dahinter auseinandergesetzt haben, kaufen mit Sicherheit auch manchmal ein gutes Gewissen, ja. Das ist aber auch völlig in Ordnung, denn die Hauptsache ist, dass die Plastikproblematik in den Meeren angegangen wird, auch wenn dies über ein Paar Sneaker mit gehaltvollem Background geschieht. Es geht uns darum, Dinge kollektiv in Gang zu setzen, die die Einzelperson sonst wahrscheinlich nicht selbst aktiv angehen würde. Also erledigen wir das für sie. Letztlich ist es der Effekt, der zählt, und diesen versuchen wir zu kreieren.

Habt ihr eigentlich andere Farben in der Planung?

Die Farbe Weiß wird im Sneaker-Segment für uns immer die mit Abstand schönste Farbe bleiben, auch das ist Teil unserer Marke. Aber ausschließen möchte ich es nicht.

Das Modell ist unisex …

Genau, unser Schuh kennt keine Gendergrenzen. Wir fertigen für Frauen, Männer und alles was dazwischenliegt, in den EU Größen 36 bis 47.

Die Achse Skandinavien - Portugal, die Herstellung, das Konzept, die Idee - das alles ist ersteinmal eher ungewöhnlich …

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Jakob Burger und Benjamin Hoffmann - ausnahmsweise mal ohne Schuhe.

(Foto: kulson)

Nun ja, obwohl wir zwei Gründer und auch unser IT-Fachmann Patrick Schumacher optisch durchaus als Schweden oder Dänen durchgehen würden, sind wir waschechte Berliner. Durch mein Studium an der Copenhagen Business School und meine damit verbundene Lebenszeit in Kopenhagen ist mir der skandinavische, minimalistische Designansatz wohl ans Herz gewachsen. In Portugal habe ich mit meinem Geschäftspartner und Mitgründer über die Jahre einige Surfurlaube verbracht und so haben wird dann wohl auch Portugal in unsere Herzen geschlossen. Portugal ist neben Italien bekannt für herausragendes Leder und langjährige Schuhmacher-Tradition. Nachdem wir viele Manufakturen vor Ort besichtigt hatten, stand unsere Produktionskette schließlich fest: inspiriert in Skandinavien, designt in Deutschland, hergestellt in Portugal. Ein durch und durch europäisches Produkt mit kurzen Transportwegen, einem gemeinnützigen Projekt dahinter und einem gesunden europäischen Einheitsgedanken. Unser Ziel ist es, etwas Gutes für die Meere und Meeresbewohner, die nur selten eine Wahl und in der Regel kein Mitspracherecht haben, zu tun. Die Kinder der kommenden Generationen sollen noch, genau wie wir, die Möglichkeit haben, den für mich wohl schönsten Ort dieser Welt zu genießen: das Meer.

Was sind die weiteren Pläne? Habt ihr Lust auf Kooperationen - und wenn, mit wem?

Unser Ziel ist es, zu wachsen, ohne dabei unsere Ideale aus den Augen zu verlieren. Wir möchten das "Kūlson Underwater" Projekt zum Schutz der Ozeane weiter ausbauen und andere Unternehmer inspirieren, es uns mit ähnlichen Projekten im Hintergrund gleichzutun. Wenn jeder ein bisschen für den guten Zweck abgeben würde, wäre der Welt schon sehr geholfen.

Wer ist eigentlich ein*e kūlson-Träger*in?

Es ist schwierig, einen generellen Prototypen unserer Kundschaft abzubilden, aber ich würde sagen, unser Label steht für alle, die Wert auf ein clean designtes, hochwertiges und fair produziertes Produkt mit "etwas mehr dahinter" legen. Einen kūlson-Sneaker auf der Straße zu sehen ist noch etwas Besonderes, denn wir produzieren nur in kleinen Stückzahlen und sind somit eher etwas für diejenigen, die auf der Suche nach etwas Exklusiverem sind. Auch alterstechnisch variiert unsere Käuferschaft zwischen 16 und 60 plus.

kūlson - das heißt so viel wie "der coole Sohn", eigentlich die gute Schöpfung. Bist du ein guter Sohn? Haben deine Eltern nicht die Hände überm Kopf zusammengeschlagen und gesagt: "Das ganze schöne Studium - und am Ende kommt ein einziger Schuh dabei heraus?"

(lacht) Ich habe meinen Eltern in der Vergangenheit sicherlich schon den einen oder anderen Kopfschmerz bereitet - von Migräne war es bis jetzt aber noch immer weit entfernt, hoffe ich. Bei drei Jungs zu Hause waren sie aber auch einiges gewohnt. Uns wurde immer der nötige Spielraum eingeräumt, und dafür bin ich sehr dankbar.

Was machst du persönlich, damit die Welt auch für unsere Kinder und Enkel noch ein liebenswerter, bewohnbarer Planet bleibt? Sind die Plastikflaschen tatsächlich unser Problem? Oder sind wir Menschen es einfach, die nicht korrekt mit den Dingen umgehen?

Das Problem ist am Ende des Tages fast immer der Mensch und unser Umgang mit den Dingen, denke ich. Aber letztlich scheint es mir die moralisch kompatiblere Variante, aktiv die Plastikmenge und die Giftstoffe auf der Welt zu reduzieren, als die Menschenmenge (lacht). Aufklärung ist fast immer der Schlüssel und auch bei uns und unseren Nonprofit-Partnern ein großes Thema, das aktiv angegangen wird, besonders in Schwellenländern. Dennoch gilt es, das Problem von verschiedenen Seite zu betrachten. Denn zuzuschauen, bis Aufklärung wirkungsvoll und nachhaltig in den Köpfen der Menschen dieser Welt angekommen ist, war für uns keine Option. Privat versuche ich insbesondere bei den alltäglichen Kleinigkeiten den Unterschied zu machen, denn letztlich besteht jedes Puzzle aus vielen kleinen Einzelteilen. Angefangen mit bewusstem Verzicht auf Einwegplastik, wo es möglich ist, über das Hinterfragen, unter welchen Umständen und wo auf der Welt meine Kleidung produziert wurde, bis hin zu simpler Mülltrennung und der Verteilung von Backpfeifen (lacht), wenn ich sehe, wie jemand Müll in Wassernähe achtlos wegschmeißt. Ich schaffe es privat beispielsweise nicht mehr, an Plastikmüll am Strand vorbei zu gehen, ohne ihn aufzuheben und zu einem Mülleimer zu bringen.

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Wo kommt meine Kleidung her? Eine Frage, die für viele Konsumenten immer wichtiger wird.

(Foto: kulson)

Wo "entsorge" ich einen kūlson-Schuh, wenn er mich - nach sehr langer Tragezeit - dann doch eines Tages verlassen muss?

Wenn wir nicht über ein Paar unserer Schuhe sprechen, das über zehn Jahre täglich getragen wurde, dann würden wir uns freuen, wenn der Nachhaltigkeitsgedanke hinter unserem Produkt weiterlebt und die Schuhe in die Hände einer bedürftigen Person wandern. Am besten tun man das selbst und geht mit offenen Augen durch die Straßen. Die Alternativ ist ein Altkleidercontainer mit dem Siegel "FAIRwertung", denn dieses Siegel kennzeichnet gemeinnützige Altkleidersammler. Das Siegel ist wichtig, denn nicht jeder Altkleidercontainer ist so nett, wie er scheint. Sollte all das nicht mehr vertretbar sein, hilft alles nichts und die Schuhe können in der grauen Tonne entsorgt werden. Bei dem Gedanken daran blutet mir zwar fast das Herz und mein Paar, welches ich schon sehr lange trage, ist davon noch weit entfernt, aber schließlich ist nur sehr Weniges auf dieser Welt für immer. Nicht richtig entsorgtes Plastik allerdings schon, wenn wir schon mal beim Thema sind. Auf dem Kompost sollte er dennoch nicht landen, von dieser biologischen Abbaubarkeit sind wir leider noch etwas entfernt.

Kannst du beschreiben, wie das Prinzip funktioniert, mit dem das Plastik am Ende eines Flusses aus dem Wasser geholt wird?

Eine der Organisationen, die wir mit Anteilen unserer Verkäufe unterstützen, heißt "The Great Bubble Barrier" und funktioniert nach einem genialen Prinzip: Da der größte Anteil an Müll in den Meeren aus den Flüssen dorthin transportiert wird, setzt dieses Unternehmen schon genau dort an. Dazu werden diagonale Schläuche mit vielen kleinen Löchern in Flüssen verlegt. Durch diese Schläuche wird Luft gepumpt, wodurch ein Blasensieb erzeugt wird. Schiffe, Fische und andere Lebewesen können diesen Luftvorhang passieren, während Kunststoffe an die Wasseroberfläche transportiert werden. Durch die diagonale Anordnung entlang des natürlichen Wasserstroms, werden diese nun ans Flussufer geführt, wo sie gesammelt und entnommen werden können. Großartige Arbeit.

Ihr spendet von euren Einnahmen - was habt ihr bisher erreichen können, wofür oder für wen?

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Man wird sich ungern von diesen Sneakern trennen ...

(Foto: kulson)

Unser Anfangsgedanke war ein Modell, bei dem wir pro verkauftem Paar Sneaker zwei Kilogramm Plastik in Eigenregie von den Stränden dieser Welt sammeln wollten. Dies wäre zwar eine rührende Marketingstory gewesen, letztlich haben wir dieses Vorhaben aber aufgrund der schweren praktischen Umsetzbarkeit, der mangelnden Transparenz sowie der nicht unseren Ansprüchen gerecht werdenden Effektivität schnell verworfen. Stattdessen entschieden wir uns dafür, unsere Ressourcen lieber denjenigen Organisationen zur Verfügung zu stellen, die sich seit Jahren mit den Problemen der Plastikverschmutzung in den Weltmeeren auseinandersetzen und diese angehen, denn für uns ist diese Sache eine wirkliche Herzensangelegenheit. Unsere Spenden finden immer kummuliert am Ende eines jeden Geschäftsjahres statt. Für das Jahr 2018 ermöglichten unsere Verkäufe die finanzielle Unterstützung der folgenden drei Organisationen: "The Great Bubble Barrier", "1% for the planet" und "Healthy Seas", die neben Unmengen an Plastik auch verlorengegangene und herrenlos herumtreibenden Fischereinetze aus den Meeren bergen. Die werden andernfalls nämlich über die Jahre zu Massengräbern für unzählige Wasserlebewesen, wenn sie sich in ihnen verheddern und dort elendig verenden. Sollte also jemand etwas noch Besseres tun wollen, als sich ein Paar unserer Sneaker zu kaufen, merkt euch diese Helden und unterstützt sie ebenfalls. Vielen Dank dafür.

Mit Benjamin Hoffmann sprach Sabine Oelmann

Die beste Option, falls in Berlin, einen kūlson-Sneaker zu erwerben, besteht ab dem 15. Juli im Pop Up-Store in der Kantstraße 23, Nähe Savignyplatz, ansonsten unter www.kulson.de.

Quelle: n-tv.de

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