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So sehen Sieger aus: Der Polizist David Pfeffer singt sich im Finale zur Goldmedaille.
So sehen Sieger aus: Der Polizist David Pfeffer singt sich im Finale zur Goldmedaille.(Foto: dpa)
Mittwoch, 07. Dezember 2011

Sergeant Pepper gewinnt: David Pfeffer hat den X-Faktor

von Anna Tomie

Er selbst kann es gar nicht glauben, die Zweiten und Dritten im Finale wirken fast erleichtert, dass sie sich den nun anstehenden Interviewmarathon nicht antun müssen, und der Mann mit dem Pfeffer in der Stimme - Chris Martin von Coldplay nicht unähnlich - muss sich erstmal zusammenreißen.

Überwältigt: "Sergeant Pepper" ist gerührt, hinter ihm die anderen Kandidaten.
Überwältigt: "Sergeant Pepper" ist gerührt, hinter ihm die anderen Kandidaten.(Foto: dpa)

Also – von dem würde sich jede Frau gerne mal auf die GESA bringen lassen. Für korrekte Bürger und Nicht-Autofahrer, und auch für die ansonsten weniger Auffälligen unter uns: Die GESA ist die Gefangenen-Sammelstelle, ein zumeist nicht anheimelnder Ort, an dem man sich auf einer harten Bank mal hier und da Gedanken machen darf über sein Leben im allgemeinen und den Verlauf des letzten Abends im besonderen. Wir schweifen aber vom Thema ab, na ja, nicht ganz, denn wenn wir dort, sagen wir mal, einem Polizisten gegenübersäßen, der wäre wie David Pfeffer, dann wäre der Abend vielleicht doch gar nicht so schlecht verlaufen.

Insofern hatte man also gehofft, dass der Sergeant Pepper bei "X-Faktor, die Entscheidung", höchstens den zweiten Platz macht und somit seinen Dienst bald wieder aufnimmt, damit er den kurzfristig Gefangenen in der dafür vorgesehenen Sammelstelle die Nacht ein wenig versüßt. Sei es durch sein Lächeln, sei es durch seinen Gesang. Aber der singende Gesetzeshüter wird so schnell erstmal keine Nachtschichten schieben – er ist jetzt nämlich ein Star. Diese Zeit sollte er ausnutzen. Allzu lang muss die ja nicht dauern. Wir wissen das von der Vorjahressiegerin, Edita Abdieski, einer super-sympathischen Schweizerin mit einer riesigen Stimme und einem ebensolchen Lächeln, ebenfalls ein Schützling von Till Brönner und momentan mehr oder weniger in der Versenkung verschwunden.

Musik ist wie Liebe

Woran liegt’s? Schwer zu erklären, denn an Herrn Brönner und seiner Kompetenz, auch daran, dass er seinen Kandidaten echt zugeneigt ist und ihnen das Beste wünscht und für sie tut, zweifelt keiner. Auch die Kandidaten selbst – sie können singen, sie sind keine Kinder mehr, sie wissen nach jahrelangem Casting-Fremdschämen im deutschen Fernsehen, worauf sie sich einlassen – haben alles richtig gemacht.

Sie traten an: die Finalisten David Pfeffer, Nica & Joe und Raffaela Wais.
Sie traten an: die Finalisten David Pfeffer, Nica & Joe und Raffaela Wais.(Foto: dpa)

Musik ist wahrscheinlich wie Liebe: Sie kommt und geht, man kann sie nicht erklären, sie sucht sich aus, wo sie sich niederlässt, jawoll, und genauso ist es eben mit der Musik, die kann man auch nicht erzwingen. Da stimmt ja sonst alles bei "X-Faktor": Die Show, das Bühnenbild, der Moderator, die Klamotten, die Band, das Licht, das Publikum, die Einschaltquote, die Jury, und trotzdem ist das kein Garant dafür, dass alles gut werden wird. Jetzt wollen wir aber natürlich nicht nur Schwarzmalerei betreiben, sondern auch einfach mal gratulieren, denn der 29-Jährige mit dem Gefühl in der Stimme kann es ja schaffen. Immerhin hat er eine eigene Band, und die hat mit ihm den Siegersong "I'm Here" performt.

Dritte Staffel schon angekündigt

Apropos "performt" – wenn die Autorin bis Weihnachten noch einmal die Satzfloskel "hat dies und das GEROCKT" hört, dann schmeißt sie ihren Flachbildfernseher direkt aus dem Fenster in den tosenden Verkehr. Aber auch dafür kann der David ja letzten Endes nichts.

Die Jury: Das Bo, Sarah Connor und Till Brönner - die Männer machen beim nächsten Mal wieder mit.
Die Jury: Das Bo, Sarah Connor und Till Brönner - die Männer machen beim nächsten Mal wieder mit.(Foto: dpa)

Eigentlich wollten wir auch bloß erzählen, dass er die zweite Staffel des Vox-Kuschel-Casting-Formats gewonnen hat und wir jetzt schon kaum in den Schlaf finden, weil eine dritte Staffel angekündigt wurde. Ob das Till und der Bo mitmachen, ließen die Herren im Interview mit der irgendwie betäubt wirkenden Constanze Rick während der After-Show-Party mal offen (noch eine schlaflose Nacht!!), Sarah Connor wurde gar nicht gefragt. Das heißt dann wohl, die macht's wieder. Oder eben nicht.

Pünktlich zu Weihnachten

Und wie war die Show jetzt? Sagen wir mal so: Allzu müde und auf halbacht auf dem Sofa sollte man nicht sein, wenn man so was sieht. Am Anfang jedoch denkt man auch in keinster Weise an Einschlafen, denn die 12 Besten aus den letzten Wochen Live-Show traten gemeinsam auf und sangen "Raise your Glass" von Pink. Thank God gibt es Internet, sollte man an dieser Stelle mal erwähnen, denn von ganz alleine, so auf halbacht auf dem Sofa, mit dem Fernseher bereits am Anschlag (wie gesagt, jederzeit bereit, ihn aus dem Fenster zu kicken), wäre die Autorin NIE, never ever, darauf gekommen, dass das "Raise Your Glass" von Pink ist. So schräg waren die Töne. Sorry, ich wiederhole mich, die können alle singen, irgendwie, aber müssen sie das unbedingt zusammen tun? Und müssen sie ausgerechnet in diesem Moment ihre Individualität herauskramen? Das hätten sie doch jetzt wochenlang tun können.

David Pfeffer freut sich - aber richtig!
David Pfeffer freut sich - aber richtig!(Foto: dpa)

Nein, an dieser Stelle werden Sie keinen Hinweis finden, dass andere Mudder-Sender auch schöne Casting-Söhne und Töchter haben, aber ein paar konzeptionelle Gedanken könnte man sich über die Feiertage jetzt schon machen. Auch die all zu durchsichtige Masche, den jungen Künstlern Stars an die Seite zu stellen, die gerade in wonderful Germany ("full of Bratwurst and Gluhwein") sind, um ihr Weihnachts-Album zu promoten, könnte man zwischen den Jahren, wie man so schön sagt, noch einmal einer kleinen Manöverkritik unterziehen.

Nee, also sonst war’s schön. Alle X-Faktor Songs können jetzt auch noch feiertagsgerecht rauf- und runtergeladen - oder sogar gekauft werden.

Quelle: n-tv.de