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Zum ersten Todestag wird Michael Jackson noch einmal ins Rampenlicht gerückt.
Zum ersten Todestag wird Michael Jackson noch einmal ins Rampenlicht gerückt.(Foto: REUTERS)
Freitag, 25. Juni 2010

King of Pop (1958 – 2009): Mein Jahr ohne Michael Jackson

Samira Lazarovic

Genau ein Jahr ist es her, dass die Welt und ich geschockt waren vom Tod Michael Jacksons. Seither tanzte er mehrere letzte Male über Kinoleinwände und durch diverse TV-Dokumentationen. Er eroberte noch einmal die Charts und meinen CD-Player. Aber es ist Zeit, endgültig Abschied zu nehmen.

Tränenreicher Abschied von King of Pop und Daddy.
Tränenreicher Abschied von King of Pop und Daddy.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Juni 2009: Der King of Pop ist tot und die Anteilnahme groß. Ich erfahre, in wie vielen Wohnungen (überwiegend männlich bewohnt) es noch alte Plattenspieler gibt, auf denen ich theoretisch meine alten Alben noch einmal abspielen könnte und auf meinem Schreibtisch liegen plötzlich Michael-Jackson-CDs. Die Silberlinge werden umgehend auf „Heavy Rotation“ gesetzt und ich erinnere mich daran, dass "Liberian Girl" einmal das schönste Lied auf der ganzen Welt war. Mein Mail-Account füllt sich mit Youtube-Links zu „Beat it“-Flash-Mobs in Stockholm, Bukarest und anderen Städten. Sollte Berlin sich auch aufraffen, tanze ich mit, geschworen!

Die Trauerfeier im Staples Center fesselt mich vor den Fernseher – wer kommt und wer singt für Michael? Ein gruseliger, wie pietätsloser Gedanke verfolgt mich: Was, wenn gleich eine Menge Rauch aufsteigt, der Sarg sich knirschend öffnet und Michael Jackson zu den Klängen von „Thriller“ herausspringt? Aber nein, der King of Pop ist wirklich gestorben und die Veranstaltung würdiger und rührender als erwartet – besonders als seine kleine Tochter Paris ihrem Daddy noch einen letzten Gruß schickt.

Diva auf der Probe-Bühne

Im September besorgt uns Verena, die schon in der Schule wie Michael tanzen konnte, die Karten für "This is it". Zwar dauert es noch bis Oktober, bis der Konzert-Film in die Kinos kommt, aber was, wenn wir dann keine Karten mehr kriegen? Der Film soll nur zwei Wochen laufen und die sind schnell um. Sicher, hätte die Tournee stattgefunden, wären wir nicht hingegangen – die Jackson-Zeiten liegen einfach zu lange hinter uns. Und wer wollte schon sehen, wie ein in die Jahre gekommener und kränklich wirkender King of Pop sich noch einmal auf die Bühne quält, um seine Schulden loszuwerden. Aber jetzt treibt uns die Neugier doch ins Kino. Gut, die Abendkasse hätte es auch getan, aber immerhin sitzen wir auch nicht alleine im Kinosaal.

"This is it" - MJ hätte es tatsächlich noch einmal gepackt.
"This is it" - MJ hätte es tatsächlich noch einmal gepackt.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Dann die Überraschung: Die Dokumentation über die Proben zu seiner geplanten Tournee zeigt einen Michael Jackson, den wir nicht mehr erwartet haben. Ja, er hätte es noch mal gerissen und ja, ich hätte mich geärgert, dass ich nicht hingegangen wäre, weil ich keine Whitney sehen wollte. MJ, den man auch im Film auf keinen Fall Jacko nennen soll, in der Pose eines alternden, aber zähen Rockstars, mit Victoria-Beckham-Schulterpolster-Blazer, Lolli im Mundwinkel und sehr genauen Vorstellungen, wie sein Konzert werden soll.

Sicher, er gerät offensichtlich schneller aus der Puste als früher und wirkt in einigen Einstellungen unglaublich zerbrechlich. Aber hier ist ein Profi zu sehen, der auf der Bühne zu Hause ist, seine Musik kennt und genau weiß, was er tut und was er will. Und der Tänzer und Musiker um sich hat, die ihm einfach zu Füßen liegen und manchmal ihr Glück herausschreien müssen, dass sie endlich mit ihrem Idol zusammenarbeiten dürfen. Man kann sich das Entsetzen ausmalen, dass die Crew nur wenige Wochen später befallen haben muss, als auf ihrer Probebühne plötzlich ein goldener Sarg steht.

Massenhysterie ebbt ab

Weihnachten kommt näher und die Boulevardmedien und ich sind es leid, Michaels arme Kinder auf den Weg in ihr neues Leben zu beobachten. Auch im CD-Player verdrängen „30 Seconds to Mars“ gnadenlos „Thriller“, „Bad“ und „Dangerous“. Es erreicht mich ein Neujahrsgruß - das Jahr 2009 zu den Klängen von "Man in the Mirror" – damit kommt MJ endgültig bei den Toten des Jahres an.

Der Winter ist frostig und Michael Jackson kriegt auf dem „Forest Lawn“ - Friedhof erstaunlich schnell prominente neue Nachbarn wie Brittany Murphy und ihren Ehemann. Immerhin lassen die Bemühungen des Jackson-Clan nach, mit Interviews, Fernsehauftritten und vollmundig angekündigten und dann immer wieder abgesagten „Tribute-Konzerten“, den letzten Cent aus dem toten Bruder zu quetschen. 

Noch einmal trauern?

Im Frühjahr kommt der King of Pop endgültig wieder dort an, wo er vor seinem plötzlichen Ableben auch war – neben Rick Astley, Curtis Stigers und den ganzen anderen Helden, die man in seiner Musikfindungsphase gehört hat und über die man sich vielleicht kurz freut, wenn sie gelegentlich im Radio zu hören sind, aber bitte nicht zu oft. 

La Toya Jackson: Der Familie fällt es offensichtlich schwer loszulassen - auch von der Öffentlichkeit.
La Toya Jackson: Der Familie fällt es offensichtlich schwer loszulassen - auch von der Öffentlichkeit.(Foto: picture alliance / dpa)

Mitten im WM-Fieber erscheint Michael Jackson aber wieder überall. „EIN JAHR IST VERGANGEN, ES WIRD ZEIT, IHN WIEDER ZU EHREN“, verkünden sonore Radiostimmen. Ist das so? Und gehört dazu auch, dass sich Schwester La Toya schluchzend dabei filmen lässt, wie sie Michaels legendären Schimpansen Bubbles auf seinem Affen-Altersruhesitz besucht? Man möchte es dem ergrauten Primaten gleichtun und dem Ganzen den Rücken kehren. Die großen TV-Events, mit Bildern von der Kindheit bis zu den Prozessen, werden leider ohne mich stattfinden, die Musik behalte ich zur Sicherheit in der Nähe.

Bleibt eigentlich nur die Frage, ob wir jemals wieder so ein Gesangs- und Tanztalent erleben werden. DSDS-Dauerkandidat Menderes Bagci hat das Erbe dankend ausgeschlagen. Justin Timberlake hatte mal ganz gute Ansätze, ihm fehlt jedoch das letzte Quäntchen Genialität und Wahnsinn. Aber schaut man sich das Leben des Michael Jackson auch jenseits des Rampenlichts an, ist es ganz gut, dass sein Leben einzigartig war. RIP King of Pop!

Quelle: n-tv.de