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Interview mit Matthias Schweighöfer Mit der Nanny am geilsten Tag fliegen

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Der Mann für alle, wirklich alle Fälle: Matthias Schweighöfer.

(Foto: imago/Becker&Bredel)

Matthias Schweighöfer meldet sich aus München, wo er nicht nur eine Zweitwohnung hat, sondern auch den Sitz seiner Produktionsfirma. Gerade dreht der 34-Jährige mit Florian David Fitz und Alexandra Maria Lara die Todgeweihten-Dramödie "Der geilste Tag", zudem entwickelt sich gerade seine Single "Fliegen" aus der aktuellen Klamotte "Der Nanny" zu einer Art Sommerüberraschungshit. Wir unterhielten uns mit dem Schauspielstar, der mit Lebensgefährtin Ani Schramm die gemeinsamen Kinder Greta und Valentin hat, über seine neue Zweitkarriere, das Leben als Vater und seinen größten Urlaubswunsch.

n-tv.de: Matthias, jetzt singst du auch noch. Ist deine erste Single "Fliegen" der erste Zeh des zweiten Standbeins?

Matthias Schweighöfer: Meinst du, da geht was?

Ich habe schon schlechtere Stimmen gehört und das Singer/Songwriterstück im Stile eines Tim Bendzko oder Philipp Poisel ist zumindest ganz nett.

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Danke, danke. Ich bin ja kein großer Fan davon, wenn Schauspieler Musik machen, um sich dadurch noch besser zu verkaufen. Ich finde, wenn ich das schon mache, dann muss die Musik auch wirklich für sich selbst sprechen. Ich habe selbst gerade nicht die Ahnung, ob meine Musik was taugt, es steckt ja auch nicht die Zugkraft einer großen Plattenfirma dahinter. Deswegen bin ich erstmal vorsichtig, was die Musik angeht.

Planst du denn, ein ganzes Album aufzunehmen?

Wir haben schon mal darüber geredet, wie es wäre, ein Album zu machen und wir wollen uns auch im September hinsetzen und mal gucken, was für Ideen da sind. Das Veröffentlichungsdatum wird dann irgendwann zwischen Februar 2016 und Februar 2048 sein. Ich will mir lieber Zeit nehmen und ein gutes Album machen, als jetzt schnell was rauszuhauen, weil es Matthias Schweighöfer ist. Das wäre ja furchtbar.

"Fliegen" läuft im Abspann deines Films "Der Nanny". Wie kam es überhaupt dazu, dass du das Lied selbst singst?

Für jeden Film, den ich mache, versuche ich vorher einen eigenen Sound zu entwickeln, das ist dann quasi die Melodie des Films. Bei "Fliegen" hatte ich gemeinsam mit dem befreundeten DJ Stickle zunächst nur die Klavierlinie eingespielt, die gefiel uns, und er hat dann einen richtigen Song daraus gebastelt. Ich wollte das erst nicht veröffentlichen, aber alle anderen haben gesagt:"Ist doch gut. Hau das raus!"

Was hörst du selbst so für Musik?

Ich höre sehr viel alternatives Zeug, vieles mit Gitarre, Coldplay zum Beispiel. Im Moment liebe ich das neue Album des Singer/ Songwriters Sufjan Stevens sehr. Außerdem bin ich ein großer Freund des amerikanischen HipHops.

Der Refrain lautet: "Wenn ich für dich fliegen muss / kriegen wir das irgendwie hin". Wovon handelt das Lied?

Der Text ist entstanden, als meine Tochter gerade ihr Seepferdchen machte. Das kam uns sehr gelegen als Inspiration. Die Kleine kann jetzt richtig schwimmen, Wahnsinn.

Wie alt ist Greta jetzt?

Sechs.

Und schwimmt sie dir schon weg?

Menschlich auf jeden Fall (lacht). Aber auch im Schwimmbad wird sie immer schneller.

Wann hast du dein Seepferdchen gemacht?

Da müsste ich meine Mutter fragen. Ich glaube, das gab es bei uns im Osten gar nicht.

Ist deine Tochter stolz, dass du ein Lied über sie geschrieben hast?

Ich glaube, irgendwann wird sie das sein. Wenn sie älter ist. Jetzt ist es eher befremdlich für sie. "Papa, warum schreibst du das?" hat sie gefragt. Sie will das Lied auch nie hören, wenn ich oder jemand anderes dabei ist. Wenn, dann will sie es ganz allein hören.

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In "Der Nanny" kann er sich als Vater richtig einbringen.

(Foto: dpa)

Du spielst in "Der Nanny" einen alleinerziehenden Vater. Wie sehr hilft dir das eigene Vatersein einer sechsjährigen Tochter und eines einjährigen Sohnes dabei, einen Vater zu verkörpern?

Das hilft natürlich sehr. Über das Vatersein mache ich mir ja sowieso viele Gedanken - verbringe ich genug Zeit mit den Kindern, mache ich alles richtig, bin ich gut im Vatersein? Ich bin Vater durch und durch.

Bist du zufrieden damit, wie du dich als Vater schlägst?

Ich glaube, ich bin ganz gut. Ich bin halt ein 34-jähriger Mann, der versucht, als Vater zurechtzukommen. Das gelingt manchmal besser, manchmal schlechter.

Was ist dir in der Erziehung besonders wichtig?

Dass die Kinder ein großes Herz haben, Mut, keine Angst. Dass sie Märchen mögen, bescheiden sind und ihre Träume nicht vergessen und verwirklichen.

Warst du ein Junge, der keine Angst hatte?

Doch, ich hatte leider immer sehr viel Angst. Ich war ein Junge, der Märchen geliebt hat und der am liebsten in Fantasiewelten getaucht ist. Wahrscheinlich mache ich deshalb heute Filme.

Mit Blick auf deine Karriere - wie viel ist Märchen und wie viel ist harte Arbeit gepaart mit eiserner Disziplin?

Neunzig Prozent Disziplin und Arbeit, zehn Prozent Glück. Die eigene Produktionsfirma "Pantaleon Films" diszipliniert ungemein.

Du hast dich in den letzten Jahren von einem Star des deutschen Indiekinos neu orientiert zum Regisseur und Hauptdarsteller leichter Mainstream-Komödien. Welche Strategie steckt dahinter?

(denkt nach) Das hat sich irgendwie so entwickelt. Generell ist es wirklich schwer, auf Dauer Genrekino in Deutschland durchzuziehen. Du musst einen kommerziellen Hintergrund schaffen, eine kommerzielle Power haben, damit du Leute mitziehen und überzeugen kannst, wenn du mal Ausbrüche wagst. Ich mache auch deshalb mehr kommerzielle Filme, damit ich auch mal wieder richtig ernsthafte Stoffe verfilmen kann.

Du versprichst also, nicht für den Rest deines Lebens Komödien zu drehen?

Nee, nee bestimmt nicht. Aber auch. Bestimmte Experimente kannst du dir nicht leisten, wenn du nicht abgesichert bist.

Du hast doch jetzt so einen Stellenwert, mit dem du machen kannst, was du möchtest?

Ich kann nicht alles machen, was ich möchte. Ich kann mir nur die Freiheit nehmen zu versuchen, alles zu machen, was ich möchte.

Komödie hin oder her, aber in "Der Nanny" geht es auch um Ego-Kapitalismus, Gentrifizierung, bezahlbaren Wohnraum.

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Elyas und Matthias - Traumpaar!

(Foto: picture alliance / dpa)

Ja. Das ist schon eine Kritik an manchen Zuständen. Uns ist das sogar schon mal selbst passiert mit der Familie. Wir wurden aus der Berliner Wohnung, in der mein Vater lebte, rausgeworfen, weil irgendein Immobilientyp aus Frankfurt das Haus gekauft hatte. Diese Geschichte diente als Vorlage für den Film.

Ist es leicht für dich, vom Schauspieler oder auch Star Matthias Schweighöfer auf den Alltagsmenschen umzuschalten?

Es ist genau anders herum. Manchmal fällt es mir schwer, wieder auf meinen Beruf umzuschalten, weil ich das ganz normale Leben so gern mag. Und natürlich ist es nicht so einfach, die Familie und den Beruf unter einen Hut zu bekommen.

Du lebst mit deiner Familie in Berlin, Sitz deiner Filmfirma aber ist in München. Wie funktioniert das?

Gut. Indem ich in München eine richtige Bude habe. Berlin ist halt Zuhause, aber auch in München fühle ich mich total wohl. Ich liebe diese Bierkultur. Abends lange draußen zu sitzen im Biergarten, das finde ich klasse.

Du drehst gerade mit Florian David Fitz die schwarze Komödie "Der geilste Tag" und führst ausnahmsweise nicht Regie. Erholsam?

Und wie. Florian inszeniert den Film, ich bin mit meiner Firma der Produzent. Mal die Verantwortung beim Dreh abgeben zu können, das tut sehr gut. Ist aber im Moment auch etwas ungewohnt.

Anschließend drehst du in Berlin den englischen Entführungsthriller "The Price", unter anderem mit Noomi Rapace. Worauf hast du aktuell mehr Bock: Auf einen Anruf aus Hollywood oder auf einen gepflegten langen Urlaub?

Nach Hollywood zu gehen, das wäre natürlich toll. Aber worauf ich mich gerade freue, das ist tatsächlich der September, denn ab da habe ich lange frei. Ich glaube, wir werden gar nicht großartig wegfahren. Am liebsten möchte ich zu Hause sein und den ganz normalen Alltag genießen.

Mit Matthias Schweighöfer sprach Steffen Rüth

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Quelle: n-tv.de

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