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Quacksalber und Wundermittel Lucky Luke beim Doktor

Das Gesundheitssystem hatte bereits im Wilden Westen ein Problem, als Quacksalber ominöse Wundermittel anpriesen. Nur gab es damals eben Lucky Luke, der sich darum kümmerte.

Man mag es kaum glauben, aber Westernheld Lucky Luke, inzwischen auch schon 64 Jahre alt, ist immer noch für Überraschungen gut. Hat er ein Wundermittel, das ihn fit hält? Es sind wohl eher die Abenteuer, die ihn um Jahrzehnte jünger erscheinen lassen. Und die gehen ihm einfach nicht aus: Neun Jahre nach dem Tod seines Schöpfers Morris veröffentlicht der Ehapa-Verlag immer noch Geschichten, die in Deutschland wohl nur beinharten Sammlern bekannt sind.

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Um die erfolgreiche Serie nicht auslaufen zu lassen, führen seit Morris' Tod mit Achdé und Laurent Gerra zwei talentierte Künstler die Abenteuer des "lonesome cowboy" und seines Pferdes Jolly Jumper fort – so zum Beispiel in Band 84, "Der Mann aus Washington". Deutsche Leser haben jedoch zusätzlich das Glück, dass einige Geschichten, vor allem aus Morris' Frühzeit, bisher nur in Sammlerausgaben oder längst vergriffenen Comicmagazinen erschienen sind. Diese werden nun nachträglich in die Hauptserie integriert, im Wechsel mit den neuen Abenteuern.

Mit "Lucky Luke gegen Phil Steel" (Band 83), "Westwärts" (Band 85) oder "Die Eisenbahn durch die Prärie" (Band 79), Morris' erster Zusammenarbeit mit dem kongenialen Texter René Goscinny, sind mittlerweile einige dieser "alten" Geschichten aus der Hand des Meisterzeichners erschienen. Sie stellen – historisch wie künstlerisch – Meilensteine in der Entwicklung von Lucky Luke dar.

In den USA gezeichnet

Der jetzt herausgegebene Band 86, "Das Elixier von Doc Doxey", steht dem in nichts nach. Er präsentiert zwei Frühwerke, die Morris noch in den USA anfertigte, wo er während eines Studienaufenthalts fünf Jahre lebte. Die beiden Kurzgeschichten mit je 22 Seiten gehören zu den letzten, für die Morris allein verantwortlich zeichnete, bevor er Texter Goscinny ins Boot holte, den er wiederum bei seinem Aufenthalt in New York kennengelernt hatte.

1952 und 53 gezeichnet, erschienen sie zuerst im damals sehr beliebten franko-belgischen Comicmagazin "Spirou". Bereits 1955 wurden "Das Elixier von Doc Doxey" und "Menschenjagd" in Frankreich zu einem Band zusammengefasst. 55 Jahre später können sich nun endlich auch die deutschen Leser an den beiden Geschichten um den verbrecherischen Quacksalber Doxey erfreuen.

Zigarette statt Grashalm

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Der Belgier Morris (1923-2001) hieß mit bürgerlichem Namen Maurice de Bévère.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Wer die klassischen Lucky-Luke-Geschichten kennt, vor allem die bis zu Goscinnys Tod 1977 erschienenen Ausgaben, dem wird zunächst der Titelheld selbst ins Auge fallen. Sein Profil ist hier noch nicht fertig entwickelt: Das Kinn ist noch rundlich, die Mimik noch nicht ganz ausgereift. Andererseits sitzt dem Cowboy zu dieser Zeit noch die obligatorische und selber gedrehte Zigarette locker im Mundwinkel – in späteren Heften (und auf dem Cover des vorliegenden Bandes) ist es aus gesundheitlichen Gründen der Grashalm.

Sieht man von diesen Unterschieden ab, erkennt man bereits genau, wohin Lucky Luke steuert. Die liebevoll gezeichneten Figuren mit ihren Ticks und Eigenheiten, die wiederkehrenden Gags, die detaillierten Hintergründe – all das deutet bereits den künstlerischen Höhepunkt der Serie an. Das stetig besoffene Pferd zum Beispiel, das sich im letzten Saloon vor der Prärie noch schnell eine Flasche Whisky "besorgt", nur um dann – getreu seinem Namen – im Zickzack zu laufen, hätte auch in späteren Geschichten einen sicheren Platz gehabt.

Ist der Band zeichnerisch also mit den später entstandenen durchaus vergleichbar, fällt er erzählerisch ein wenig ab. Dem Band mangelt es dabei gewiss nicht an Humor, nur wirken die Geschichten etwas unrund. Dies liegt jedoch auch am Charakter der Kurzgeschichte, schließlich bieten komplette Alben ganz andere Möglichkeiten, einen Spannungsbogen aufzubauen. Hier erkennt man, warum René Goscinny eine so große Bereicherung für die Lucky-Luke-Alben war. Nur eines musste er nicht mehr hinzufügen: Zielsicher war der "lonesome cowboy" schon immer, vor allem auf die Lachmuskeln.

"Lucky Luke", Band 86: "Das Elixier von Doc Doxey", Ehapa Comic Collection, Hardcover 48 Seiten, 10 Euro (D), ISBN: 978-3770433827. Der Band ist im Zeitungs- und Zeitschriftenhandel für 5,50 Euro (D) auch als Softcover erhältlich.

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Quelle: n-tv.de

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