Unterhaltung
Terence Hill: Ein Italiener mit deutschen Wurzeln.
Terence Hill: Ein Italiener mit deutschen Wurzeln.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)
Mittwoch, 11. April 2012

Der Nobody mit den strahlendblauen Augen: Terence Hill - exklusiv und beeindruckend

von Thomas Badtke

Für viele Männer ist Terence Hill der Held ihrer Kindertage, für so manche Frau die erste große Liebe. Seit Jahrzehnten gibt er den Haudrauf und Charmeur, prügelt und witzelt sich erfolgreich über die Kinoleinwände und Fernsehbildschirme. In all den Jahren ist er immer er selbst geblieben: bescheiden und sympathisch, wie Ulf Lüdeke weiß.

Keiner zieht schneller ...
Keiner zieht schneller ...

"Sag mal, wer bist du eigentlich?", fragt der alternde Revolverheld sein jugendliches Abbild mit den strahlendblauen Augen, das vor ihm steht. "Ich? Nobody. Niemand", antwortet dieses ihm geradeheraus. "Na, dann werde erst mal jemand, und wenn du jemand bist, dann werden wir sie in die Zange nehmen." Es ist das Jahr 1973 und "Nobody" ist schon lange kein Nobody mehr. "Nobody" ist auch nicht nur Jemand. Er ist ein Filmstar, ein Kinoheld. "Nobody ist der Größte" und Nobody ist Terence Hill.

Terence Hill wird 1939 in Venedig als Mario Girotti geboren. Sein Vater ist ein waschechter Italiener, seine Mutter stammt dagegen aus Sachsen. Dorthin zieht es die Familie auch in den Wirren des Zweiten Weltkrieges und so wächst Girotti mit seiner deutschen Verwandtschaft in vollkommener ländlicher Idylle im Heimatdorf seiner Mutter, in Lommatzsch bei Dresden, auf. Die Bombardierung der Stadt erlebt er hautnah mit: Während sein Vater in Dresden arbeitet, sieht und hört er die unzähligen Bomber Richtung Dresden fliegen und ihr Zerstörungswerk verrichten. Sein Vater überlebt unverletzt, aber erst Tage nach dem Bombardement erfährt die Familie das. Girotti selbst bekommt noch jahrelang Albträume von den Geschehnissen dieser Zeit, wie er selbst später sagen wird.

Das Leben ist ein Abenteuer

In seinem Herzen trägt er damals schon den Wunsch, Schauspieler zu werden. Allerdings konkurriert dieser noch mit dem des Piloten beim Militär. Als seine Familie nach Kriegsende nach Italien zurückkehrt und nach mehreren Umzügen in Rom landet, ist die Entscheidung aber klar und es geht alles sehr schnell: Als Girottis Mutter Hildegard von einer Freundin erfährt, dass ein Regisseur Kinder und Jugendliche für einen Kinder-Abenteuerfilm sucht, schickt sie ihren Sohn zum Vorsprechen für eine Nebenrolle. Nach Hause kommt der Blondschopf mit einer der Hauptrollen: Er spielt in "Das große Ferienabenteuer" den Anführer einer Jugendbande. Und er sticht hervor - durch seine aquamarinblauen Augen und seine charismatische Ausstrahlung.

"Don Camillo": Terence Hill ist praktizierender Katholik.
"Don Camillo": Terence Hill ist praktizierender Katholik.

Danach geht es Schlag auf Schlag. Bis zum Abitur spielt er in jedem Jahr mindestens in einem Film mit - Lampenfieber inklusive. Er lernt Englisch und Reiten und erhält Rezitationsunterricht. Aus dem Kind mit dem Traumberuf Schauspieler wird ein solcher: 1959 wirkt er in sechs Filmen mit. Aber erst der jugoslawische "Wilde Westen" macht aus Girotti einen über die italienischen Landesgrenzen hinaus bekannten Filmstar. Er spielt etwa in den deutschen Karl-May-Verfilmungen der 1960er Jahre "Unter Geiern", "Winnetou II" und "Der Ölprinz" mit - allesamt Kassenschlager hierzulande. Er dreht dabei an der Seite von Stars wie Klaus Kinski, Gert Fröbe oder Karin Dor. Von den Schauspielerinnen habe es bei der Filmcrew keine Frau gegeben, die nicht von Girotti geschwärmt hätte. "Alle waren total weg von seiner Schönheit und diesen blauen Augen", erinnert sich Dor, die später an Sean Connerys Seite in "James Bond - Man stirbt nur zweimal" zu Weltruhm gelangt.

Keep cool

Cool wie Bolle: Terence Hill.
Cool wie Bolle: Terence Hill.

Nach Kinder- und Abenteuerfilmen ist Girotti nicht nur erwachsen geworden, er ist auch im Wilden Westen angekommen. Der überaus erfolgreiche Abstecher unter deutscher Flagge in dieses Genre soll sich kurz darauf in Italien fortsetzen. Denn mittlerweile hat sich Girotti einen Namen in der Branche gemacht, italienische Regisseure werden auf ihn aufmerksam, die Rollenangebote häufen sich. Dennoch spielen eine Reihe glücklicher Zufälle Girotti in die Hand, als er die Rolle des Cat Stevens in Giuseppe Colizzis "Gott vergibt, Django nie!" ergattert. Egal. Wie sich später herauskristallisiert, ist das die Geburtsstunde von Terence Hill, seines unnachahmlichen Blicks und eines der erfolgreichsten Actionduos aller Zeiten.

Terence Hill als "Lucky Luke"
Terence Hill als "Lucky Luke"(Foto: picture-alliance/ dpa)

Da der Film für den internationalen Markt vorgesehen ist, bekommt Girotti einen Zettel in die Hand gedrückt. Darauf stehen 20 Namen - Vorschläge für Girottis neues, internationales "Ich". Er entscheidet sich für Terence Hill, weil der Name "gut klingt und man ihn so liest, wie er geschrieben wird, und leicht auszusprechen ist". In seiner Rolle als Cat Stevens soll er das Verhalten und den Blick einer Katze verinnerlichen. Hill schafft es. Der typische Hill-Stil mit seinen geschmeidigen Bewegungen, der unglaublichen Coolness und dem alles durchdringenden Blick der stahlblauen Augen ist geboren.

An Hills Seite spielt zudem ein gewisser Bud Spencer und die Chemie zwischen den beiden vor der Kamera stimmt. Ihre Lockerheit geht in die gespielten Figuren über. In den Prügelszenen wird laut Hill auch Spencers berühmter Dampfhammer geboren, der als "Taubenschlag" in die Filmgeschichte eingehen wird. Der Film wird ein Erfolg und beendet die Ära der vor Gewalt triefenden Italowestern á la Sergio Leone. Es geht auch mit weniger Film-Blut und dafür aber mehr Komik. Ein Erfolgsrezept ist geboren.

Die "Troublemaker"

"Vier Fäuste für ein Halleluja" (1971)
"Vier Fäuste für ein Halleluja" (1971)(Foto: picture alliance / dpa)

Das Duo Hill-Spencer ist der Star von 17 Filmen. Es prägt den Beginn der Actionkomödie. Ohne es hätte es den Erfolg von "Beverly Hills Cop" oder auch "Lethal Weapon" wohl nie gegeben. Und es hätte auch anders kommen können. Hill, mittlerweile verheiratet und Vater zweier Söhne, bekommt auch Filmangebote aus Hollywood. So soll er etwa den Vietnamveteran "John Rambo" spielen. Er lehnt ab, denn er verabscheut Gewalt, bezeichnet sich selbst sogar als "Pazifisten". Das hat er mit Spencer gemein.

Unterschiede gibt es bei dem Erfolgsduo aber reichlich, wie die Redakteure einer italienischen TV-Show meinen. Als Hill und Spencer 1983 darin zu Gast sind, lassen sie Hill einen Zettel mit einer Gegenüberstellung vorlesen: "Ihm gefällt das Meer, mir gefallen die Berge; er mag Flugzeuge, ich Motorräder; er liebt Fleisch, ich liebe Fisch; … ; er redet laut, ich rede leise; ihm schmecken Kartoffeln, mir Zwiebeln; er bevorzugt weich gekochtes, mariniertes Gemüse, ich bevorzuge es nicht ganz durch und ohne alles; ihm schmecken grüne Äpfel, mir gelbe; er schwimmt gern, ich fahre lieber Ski; er ist Fan von Lazio, ich bin Romanista." …

Und alles andere als ein Nobody …

Ulf Lüdeke "Terence Hill: Die exklusive Biografie" ist bei riva erschienen.
Ulf Lüdeke "Terence Hill: Die exklusive Biografie" ist bei riva erschienen.(Foto: riva)

Mit seiner "exklusiven Biografie" über Terence Hill ist Ulf Lüdeke ohne Frage ein Bestseller gelungen. Dafür sorgen allein schon die vielen Fans des Duos Hill-Spencer und die beiden veröffentlichten Bücher seines Filmcompagnons "Bud Spencer: Mein Leben, meine Filme" und "In achtzig Jahren um die Welt". Dass Hill im Gegensatz zu Spencer keine Autobiografie geschrieben hat, sondern eine Biografie über ihn geschrieben wurde, passt hervorragend zur Person Hill, der als bescheiden, zurückhaltend, fast schon als schüchtern gilt. Aber ebenso auch als sympathisch und umgänglich.

Das wird aus Lüdekes Recherchen deutlich. Er schafft es, sowohl in die bisher noch relativ unbeleuchtete Kindheit Hills Licht zu bringen, als auch in die vergangenen Jahre, als es um den Schauspieler und Menschen ruhiger geworden ist. Dadurch entsteht ein eindrucksvolles Gesamtbild des Menschen Girotti/Hill. Lüdeke lässt Hill selbst in Zitaten zu Wort kommen - und viele seiner Schauspielkollegen. Ein schlechtes Wort fällt dabei nie und das will in der Filmbranche einiges heißen.

Neben der bekannten, aber nichtsdestotrotz umfangreichen Filmografie findet sich auch das ein oder andere "Aha"-Erlebnis wieder - selbst für eingefleischteste Hill-Fans. Die Biografie ist absolut empfehlens- und lesenswert, weil sie nicht nur die Höhen von Hills filmischem (Kino-Star, TV-Liebling, Schauspieler und Regisseur) und privatem Leben (er ist seit 45 Jahren glücklich verheiratet) beschreibt, sondern auch den Abgrund nicht auslässt, an dem Hill sich befunden hat, als einer seiner Söhne im jugendlichen Alter bei einem Autounfall ums Leben kommt. "Terence Hill - die exklusive Biografie": ein beeindruckendes Buch über einen beeindruckenden Menschen.

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Quelle: n-tv.de