DVD

Überleben nach der Apokalypse Am Ende geht es immer um Sex

517loDDc4eL.jpg

Gesundes Misstrauen und eine Waffe: Das ist überlebenswichtig. Aber es gibt noch mehr ...

(Foto: Alive)

Wenn der Weltuntergang da ist - egal, ob durch eine atomare Katastrophe, einen Meteoriteneinschlag oder eine Pandemie -, dann ist das Überleben der Menschheit alles, worum es geht. Der Einzelne zählt nichts. Zwei Filme zeigen das eindrucksvoll.

Was würdest du tun, wenn du der letzte Mensch auf Erden bist? Aufgeben? Oder kämpfen? Versuchen zu überleben? Um jeden Preis? Ann (Margot Robbie) tut das, so gut sie kann. Sie hat einen Nuklearkrieg überlebt, weil die Farm ihrer Familie in einem abgelegenen Tal liegt, rundherum ragen Felswände in den Himmel, das Wasser kommt aus einer unterirdischen Quelle. Glück gehabt.

Oder es war Gottes Wille. Das denkt zumindest Anns Vater. Er hat eine Kirche gebaut, aus Holz. Einfach, aber dennoch ein Zufluchtsort für alle Gläubigen. Nur dass es von ihnen keine mehr gibt. Anns Vater ist vor geraumer Zeit losgezogen, um Hilfe zu suchen. Anns Bruder ist ihm heimlich gefolgt. Keinen von ihnen ist zurückgekehrt. Ann lebt seitdem allein, hat bereits einen Winter überlebt, wäre fast verhungert.

Hoffnung und Gottvertrauen

81dzMujAv1L__SL1418_.jpg

Würden Sie ihn in ihr Haus einladen?

(Foto: Tiberius)

Umso erstaunter ist sie, als sie eines Tages eine wunderliche Gestalt an einem Bergsee trifft. John (Chiwetel Ejiofor; "12 Years a Slave"; "Children of Men" ) trägt einen Strahlen-Schutzanzug und einen Geigerzähler. Auch er ist verwundert, denn das Gebiet hier scheint nicht verstrahlt zu sein. Seine Jubelschreie sind ohrenbetäubend. Er entledigt sich des Anzugs und springt in den Bergsee. Ann ist entsetzt.

Sie prescht aus ihrer Deckung hervor, schreit, will John warnen, denn der See bekommt sein Wasser von außerhalb des Tals. John ahnt seinen Fehler. Jetzt ist er so weit gekommen, nur um wegen eines Schusseligkeitsfehlers doch noch jämmerlich zu verrecken. Schnell ist er aus dem Wasser und schmeißt sich Pillen ein.

61JyTmwxjTL.jpg

"Z for Zachariah" ist bei Tiberius erschienen.

(Foto: Tiberius)

Ann nimmt John mit in ihr Haus, pflegt ihn hingebungsvoll. John hat Glück gehabt. Die beiden tauschen ihre Geschichten aus. Er bleibt, hat aber ein mulmiges Gefühl, denn er ahnt, dass er Anns Bruder unterwegs getötet hat. Zum Selbstschutz zwar, aber er behält es dennoch zunächst für sich, bringt stattdessen den Traktor wieder in Gang und will mit Hilfe eines Wasserrads auch den Generator wieder zum Laufen bringen. Strom. Ein bisschen Zivilisation. Das nötige Holz soll die Kirche liefern.

Der Mensch als Tier

Ann steckt in einem Glaubenskonflikt: Sie weiß, ohne Wasserrad wird das Überleben, der nächste Winter noch härter. Aber vielleicht hat sie bisher auch nur überlebt, weil Gott wegen der kleinen Kirche seine schützenden Hände über ihr ausgebreitet hat? John will sie zu nichts drängen. Es gibt auch so genug zu tun: Felder bestellen, Nahrung anbauen, Truthähne jagen. Ann und John kommen sich näher.

81wjMsieRmL__SL1500_.jpg

Caleb wirbelt Anns Leben durcheinander.

(Foto: Tiberius)

Da taucht Caleb (Chris Pine; "Star Trek"-Reihe) auf. Jung, gut aussehend, und im Gegensatz zu John: weiß. John beäugt ihn argwöhnisch, aber er weiß auch, das Wasserrad kann er nur mit seiner Hilfe aufstellen. Und so muss er mit anschauen, wie sich Ann und Caleb immer besser verstehen. Er muss mit ansehen, wie die beiden eines Nachts miteinander schlafen. Er muss sich eingestehen, dass er Ann über alles liebt - und dass es hier keinen Platz für Caleb gibt. Das Unheil nimmt seinen Lauf, John schreitet zur Tat - in "Z for Zachariah".

Du musst ein Schwein sein ...

81rOo-UUiiL__SL1200_.jpg

"The Survivalist" ist bei Alive erschienen.

(Foto: Alive)

Alles andere als tatenlos ist auch der "Überlebende" (Martin McCann), einen Namen erfährt man nicht. Mitten in einem Wald, abgeschieden von dem, was wohl der Rest der Menschheit ist, lebt er völlig autark. Er baut Gemüse an, stellt Tierfallen auf und kommt sehr gut allein zurecht. Die Angst vor den "Anderen" da draußen ist groß. Jeder Kontakt könnte tödlich ende. Vertraue niemandem, egal wie hilfsbedürftig sie auch ausschauen mögen.

Diese eiserne Regel lässt er einmal außer Acht, als zwei Frauen an seine Tür klopfen. Ihre Bitte nach Essenstausch lehnt er zwar ab. Als eine der Frauen, die Mutter (Olwen Fouere), ihm aber Sex mit ihrer Tochter (Mia Goth) verspricht, nimmt der Überlebende sie bei sich auf.

Am Anfang ist er noch argwöhnisch, doch seine Vorsicht weicht mit der Zeit deutlich auf. Auch weil die drei besser und besser miteinander klarkommen. Dennoch: Jeder weiß, dass die kleine Farm mitten im Wald nicht genug hergibt, dass drei Menschen davon überleben können. Dieses Mantra setzt sich in den Köpfen aller fest, frisst sich immer tiefer.

... in dieser Welt

Und schon bald denkt jeder nur an sich: Die Mutter weiß, dass ihre Tochter sie fallenlassen könnte wie eine heiße Kartoffel. Die Tochter könnte mit dem Überlebenden allein eine Familie gründen. Da ist die Mutter nur lästig. Der Überlebende denkt ähnlich. Die Frage lautet: Ist Blut dicker als Wasser?

91GR0KuWnbL__SL1500_.jpg

Hinter dem rettenden Zaun oder noch davor? "The Survivalist" schockt leise.

(Foto: Alive)

Das Ende von "The Survivalist" bringt die Auflösung. Das Spielfilmdebüt von Stephen Fingleton ist dabei so ganz anders als andere Endzeitthriller wie etwa "The Day". Ruhig, teilweise anstrengend, lebt der Film nur durch die schauspielerische Leistung des Hauptdarstellers McCann. Die Stimmung ist durchweg bedrückend, auch weil man nie erfährt, wie es zur Apokalypse gekommen ist.

Bis auf ein paar Angreifer bleibt der Film auf die drei Kerncharaktere und ihre jeweiligen Entwicklungen fokussiert. Erst ganz am Ende lässt Fingleton einen raus. Und der sorgt beim Zuschauer fast für Depressionen. Die Kritiker fanden den Film klasse - was Nominierungen für den Bafta und Ifta zeigen -, auch oder gerade weil er so schonungslos direkt ist. "The Survivalist" wird seine Fans finden, aber vielleicht sollte man ihn sich nicht an einem verregneten, grauen Herbsttag anschauen. Zum Glück ist jetzt Sommer.

Möge die Apokalypse nie kommen

"Z for Zachariah" kommt am Ende nicht ganz so depressiv daher. Aber das liegt weniger am Thema als an den Landschaftsaufnahmen. So ein Wasserfall in einem Bergmassiv, über dem ein blauer Himmel zu sehen ist, lässt nicht unbedingt erahnen, dass die Post-Apokalypse in vollen Gang ist. Auch die Arbeiten von Ann, John und später Caleb, diese täglichen Überlebensroutinen, haben etwas Hoffnungsvolleres als bei "The Survivalist". Von Happy End kann man aber auch bei "Z for Zachariah" nicht sprechen.

Am Ende sind beide Filme speziell. Sie lassen den Zuschauer wirkungsvoll teilhaben, an einer anderen Perspektive auf das Leben nach dem großen Knall. Im jeweiligen Mittelpunkt steht der Kampf ums Überleben, der schnöde Sex. Ohne Fortpflanzung stirbt die Menschheit aus. Punkt. Aus. Basta. Hier versucht es "Z for Zachariah" mit den Wirren einer Dreierbeziehung, die aber auf Liebe fußt, etwas gefühlsbetonter. Bei "The Survivalist" spielt Liebe auch eine Rolle, aber der Zuschauer weiß nie, wem sie eigentlich gilt beziehungsweise welche Liebesbande stärker ist. Denn - Achtung Spoiler- und Phrasenalarm -: Jedes Ende ist auch gleichzeitig ein Anfang.

"Z for Zachariah" bei Amazon bestellen

"The Survivalist" bei Amazon bestellen

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema