Unterhaltung
Die "Hunter" haben nur ein Ziel: Töten.
Die "Hunter" haben nur ein Ziel: Töten.
Dienstag, 06. März 2018

"Running Man" lässt grüßen!: "Immigration Game": Jagd auf Flüchtlinge

Von Thomas Badtke

Die Spielregeln: "Runner" werden 30 Kilometer vor Berlin ausgesetzt. Sie müssen sich bis zum Fernsehturm durchschlagen. Leben sie dort noch, erhalten sie eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung. Willkommen beim "Immigration Game".

Nachts in Berlin. Eine verlassene Kreuzung. Nur ein Auto weit und breit. Die Ampel zeigt rot. Der Fahrer ist mit seinen Gedanken woanders, zu Hause, bei seiner Freundin. Die will ihm etwas Wichtiges mitteilen. Da klopft es plötzlich an die Beifahrertür. Ein völlig verängstigter Mann schreit, bittet um Hilfe. Er fürchtet um sein Leben. Dann sieht der Autofahrer den Grund: Eine Meute Jugendlicher ist hinter dem Mann her, will ihm ans Leder.

Der Fahrer überlegt. Wägt ab. Schaut dem Mann in die Augen - und öffnet die Beifahrertür. Jetzt geht alles rasend schnell. Der Mann springt ins Auto, das mit Vollgas davonbraust. Richtung Alexanderplatz. Richtung Fernsehturm.

Du hast die Wahl

Die "Hunter" haben es nun auch auf Joe abgesehen.
Die "Hunter" haben es nun auch auf Joe abgesehen.

Dort bringt ihn der Autofahrer hin. Dort will er ihn allein zurücklassen. Das Ziel ist erreicht. Doch die Meute ist ebenfalls da. Sie pöbeln, schlagen zu, treten. Der Autofahrer nutzt seine Martial-Arts-Skills, so gut es geht - und tötet einen der Angreifer. Da tauchen plötzlich Uniformierte auf. Sie nehmen den Autofahrer mit, denn er hat einen gravierenden Fehler begangen: Er hat einen "Hunter" angegriffen, der Jagd auf einen "Runner" gemacht hat. Der Autofahrer, Joe (Mathis Landwehr; "Speed Racer", "V wie Vendetta"), hat sich in die TV-Show "Immigration Game", ein Quotenschlager, der im Fernsehen, Internet und auf Videowänden überall in der Stadt gezeigt wird, eingemischt - und wird nun selbst ein Teil von ihr, ein "Runner". Willkommen in der harten Realität!

Und die sieht folgendermaßen aus: Europa hat die Grenzen für Millionen Flüchtlinge geschlossen. Nur Deutschland bietet noch die Staatsbürgerschaft an - wenn man die TV-Show "Immigration Game" überlebt. Die Regeln des Spiels sind einfach: Die als Runner titulierten Flüchtlinge werden rund 30 Kilometer vor Berlin abgesetzt. Von dort müssen sie sich bis zum Fernsehturm am Alexanderplatz durchschlagen. Falls sie dort lebend ankommen, erhalten sie eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland.

Joe hilft - und findet auch Hilfe.
Joe hilft - und findet auch Hilfe.

Verhindern wollen das die Hunter. Jeder deutsche Bürger kann einer sein, kann für Punkte und Geld auf die Menschenjagd gehen und die Runner angreifen - ohne Schusswaffen. Der Runner darf sich wehren. Deutsche Bürger, die sich nicht in das Spiel einmischen, dürfen auch nicht attackiert werden. Die Runner dürfen Hilfe annehmen, allerdings werden die Helfer dann ebenfalls zu Runnern und dürfen attackiert und getötet werden. Genau in dieser Lage ist Joe nun: Er muss als Runner am "Immigration Game" mitspielen oder er wandert für 20 Jahre ins Gefängnis.

Am anderen Morgen befindet er sich in einer Gruppe Flüchtlinge rund 30 Kilometer vor Berlin. Sein Ziel ist klar: überleben - egal wie.

Knallharte Gesellschaftskritik

"Immigration Game" erscheint am 9. März bei Universum.
"Immigration Game" erscheint am 9. März bei Universum.

Die "Purge"-Reihe trifft "Running Man"? Oder feuchte Fantasie eines Neonazis? "Immigration Game" ist ein in deutlichen und knallharten Bildern gezeichneter deutscher Film, der sich des nach wie vor aktuellen Themas Flüchtlingskrise widmet. Das Regiedebüt des in Stuttgart geborenen Krystof Zlatnik zeigt dabei eindrucksvoll, dass Filme hierzulande nicht nur butterweiche Romantic Comedys sein müssen, sondern auch mal gesellschaftskritische Actionthriller drin sind. Dass der dann auch noch ein brandaktuelles Thema, das den Menschen unter den Nägeln brennt, beackert, macht ihn umso sehenswerter - und erschreckend zugleich, denn der knapp 95 Minuten lange Streifen hält dem Zuschauer den Spiegel vor.

Würdest du helfen? Würdest du einschreiten, wenn jemand angegriffen wird? Würdest du intervenieren, wenn du weißt, dass du vielleicht der Nächste bist, der am Boden liegt und sich Schlägen und Tritten erwehren muss? An welcher Stelle hört die Menschlichkeit auf und wo fängt der nackte Überlebenswille an? All diesen Fragen muss sich der Zuschauer von "Immigration Game" während des Films persönlich stellen. Manche Antwort dürfte dabei nicht leichtfallen.

Dass der Film auch Schwächen hat - vor allem im Dialogbereich -, vergisst der Zuschauer mit der Zeit. Punkten kann "Immigration Game" neben dem Plot und dessen Umsetzung auch mit einem sympathischen Hauptdarsteller (in einem US-Remake wünscht man sich Jason Statham) und den Kampfszenen - aber vor allem mit dem Ende. Zlatnik hat da einen Twist gesetzt, den man nicht hat kommen sehen. Am Anfang, irgendwo nachts in Berlin, an einer Ampel ...

"Immigration Game" bei Amazon bestellen

Datenschutz

Quelle: n-tv.de