Essen und Trinken

Der Rest vom Fest Irgendwas muss immer weg

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Der Weihnachtsmann hat's auch nicht leicht.

(Foto: imago stock&people)

Fast ist es geschafft, das Weihnachtsfest in verschärfter Form: vier Tage am Stück! Bald dürfen wir wieder arbeiten gehen, die Ruhe in den Büros genießen und darüber nachdenken, was in diesem Jahr so alles aus dem Ruder lief.

Was hatten wir uns wieder mal auf die Weihnachtsfeiertage gefreut! Schön schlemmen im Familienkreis, geruhsame Winterspaziergänge und in aller Ruhe endlich mal den dicken Wälzer zu Ende lesen. Haben Sie’s getan? Ich nicht, wie meistens zu Weihnachten. Feiertage wie diese sind von Ruhe so weit entfernt wie der Weg vom guten Vorsatz zur guten Tat. Mit Winter haben wir’s in diesem Jahr auch nicht so, draußen sieht’s eher nach Frühling aus, die Vogelmännchen balzen schon, und wenn ich im Berliner Stau stehe und im Autoradio nervt "White Christmas" und "Let It Snow", dann fühle ich mich irgendwie im falschen Film. Aber wenigstens die Sache mit dem Essen und Trinken klappt, und das nicht zu knapp; zwar auch wie immer eher für die Gäste als für die Gastgeber, denn Letzteren steht nach dem Küchenstress meistens der Schweiß auf der Stirn.

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Manchmal erwischt man zum Fest ein echtes Schnäppchen.

(Foto: imago/wrongside pictures)

Und vor das Fest der Freude haben die Götter ja noch die Rennerei gesetzt, einerseits nach den vielen total notwendigen Geschenken und andererseits nach den Lebensmitteln, die – wie der Name schon sagt – das Mittel zum Überleben sind, wenn die Geschäfte dicht machen und die Gastronomie mit begrenzten Öffnungszeiten die Notlage an den Feiertagen noch verschlimmert. Schon vor Doppelfeiertagen ist die Lage für all jene, die nicht in die Karibik entfliehen, sondern am heimischen Herd ausharren, Stress pur: Parkplätze und Kaufhäuser voll, Hamsterkäufe noch und nöcher. Selbst Klopapier kann man in diesen Tagen nicht genug horten, denn was rein kommt, das muss auch wieder...

Und 2015 muss noch ein Tag mehr als allgemein üblich zu Weihnachten überbrückt werden. Und am Heiligen Abend sind die Geschäfte auch nur begrenzt auf. Alle Hinweise darauf, dass der Mensch etwa zehn Tage aufs Essen verzichten kann, ohne den Löffel abzugeben, fruchten nichts. Und weil ohne Wasser (WASSER, wohlgemerkt!) die Sache mit dem Überleben wirklich eng werden kann, werden die Autos bis kurz vorm Achsenbruch mit Getränkekisten und  -kartons beladen. Bier, Wein und Schampus sind schließlich auch flüssig. Und so kaufen alle ein, als müsste jeder Haushalt mit einer eigenen Arche einer unweigerlich kommenden Sintflut entfliehen, nicht nur Noah. Schließlich ist bei dem derzeitigen Wetter eine Sintflut nicht völlig utopisch. Und man kennt das ja aus den Endzeitfilmen: Unsereins ist so was von unvorbereitet, wenn der Weltuntergang kommt oder grüne Marsmännchen mit der Weihnachtsglocke bimmeln!

The day after tomorrow

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Oma schenkt immer so verdammt praktisch!

(Foto: imago/blickwinkel)

Nun sind die Geschenke längst ausgepackt und begutachtet...  Allerdings wusste hierzulande schon jeder Vierte vor der Bescherung, dass er unpassende Weihnachtsgeschenke wieder abstoßen wird. In einer aktuellen Umfrage des Hightech-Verbandes Bitkom sagen 25 Prozent der Befragten, sie würden unliebsame Präsente online zu Geld machen wollen. Vor allem Jüngere wählen demnach diesen Weg: Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es 41 Prozent, bei den 30- bis 49-Jährigen 32 Prozent, die sagen, sie würden Geschenke weiterverkaufen.

Das Problem lässt sich mitunter nicht ganz reibungslos lösen, denn wer wie immer von der auf Enkel hoffenden Mama oder Schwiegermama wärmende U-Hosen unter den Baum gelegt bekam, wird an der Weitergabe selbiger scheitern – garantiert! Auch deshalb gehen die meisten unpassend Beschenkten der Umfrage zufolge immer noch ins Geschäft und versuchen, die heißen Höschen mit Bob dem Baumeister über dem Patengeschenk umzutauschen: Mehr als jeder Zweite (68 Prozent) sagt, er mache dies mit ungeliebten Geschenken.

Es ist allerdings ein Trugschluss zu glauben, der Einzelhandel wäre zu einem Umtausch verpflichtet. Es besteht kein gesetzliches Umtauschrecht für mangelfreie Ware. Die meisten Händler räumen ihren Kunden die Möglichkeit zum Umtausch lediglich aus Kulanz ein, und so klappt’s in den meisten Fällen, die mit Bob bedruckten Unterhosen gegen andere einzutauschen. Vielleicht sind ja noch welche im Lager, die Rudolf mit der roten Nase vorne drauf haben. Die Auszahlung des Wertes ist jedenfalls selten bis gar nicht möglich. Vielleicht auch aus diesen Gründen behält immerhin jeder Fünfte (19 Prozent) die falschen Geschenke. Falls auch Ihre Geschenke nicht gut angekommen sind – Sie sind nicht allein! Mehr als 40 Prozent der Deutschen sind jedes Jahr mit ihren Weihnachtspräsenten unzufrieden. In diesem Jahr standen übrigens digitale Bilderrahmen ganz oben auf der Hitliste gehasster Weihnachtsgeschenke, noch vor Personenwaagen und Küchengeräten. Und wehe dem, der Absichtserklärungen wie "In diesem Jahr schenken wir uns aber nichts" allzu wörtlich genommen hat. Nichts befördert Ehekrisen und Familienzerwürfnisse schneller ...

Weihnachten als seelischer Ausnahmezustand

Einkaufs- und Küchenstress, die Schlepperei mit dem Baum, an dem es stets etwas zu meckern gibt, wenn er dann mal steht, lange Gesichter wegen unpassender (oder ausgebliebener) Geschenke - wieso ist Weihnachten überhaupt ein Fest der Liebe und des Friedens? Die Gans war wieder zu fett und der Wein zu trocken für Omas Magen, die Plätzchen zu dunkel geraten und das Klo ist auch ständig besetzt. Wahrlich "stille Nacht" macht sich breit im Wohnzimmer, wenn der Gesprächsstoff ausgeht, weil alle abwesenden Familienmitglieder zur Gänze durchgehechelt sind, Köpfe genügend geschüttelt wurden über den missratenen Nachwuchs (nicht den eigenen!), seitenweise Koch- und Backrezepte ausgetauscht sind und das Blockflötensolo von Klein-Erna ohne größeres Ohrensausen ausgestanden ist. Irgendwo auf einem der vielen TV-Sender muss es doch noch "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" geben? Oder wenigstens "Der kleine Lord". Übrigens: Für etwa 7 Prozent der Deutschen löst der Streit ums anzuschauende Fernsehprogramm eine mittelschwere Krise aus.

Erschreckend: Für fast die Hälfte aller Deutschen ist Streit an Weihnachten vorprogrammiert! Tendenz steigend ... Jeder wünscht sich ein perfektes, harmonisches Fest – aber genau diese Erwartungshaltung baut bei allen Beteiligten Druck auf in der Enge zwischen Festtafel und Geschenkebergen, zusätzlich zu all dem schon erwähnten Stress. 11 Prozent der Bundesbürger streiten sich wegen enttäuschter Erwartungen, wie aus einer Umfrage für die Creditplus Bank hervorgeht. Bei 9 Prozent gibt es Zoff um die Küchenarbeit und den Hausputz; ebenso viele sind bereits bei der Frage, ob zu Hause oder bei Verwandten gefeiert wird, aneinander geraten. Und wenn dann noch der blöde Baum nadelt ...

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Dicke Luft zum Fest! Fast jeder Fünfte würde Weihnachten am liebsten ganz abschaffen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Und so enden für viele Paare nach dem Fest der großen Gefühle und Harmonie genau jene Gefühle und die Harmonie und damit die Zweisamkeit. Belastbare Zahlen, wie viele Paare sich tatsächlich nach Weihnachten trennen, gibt es nicht. Anwälte für Familienrecht bestätigen allerdings die Tendenz, dass zu Beginn eines jeden neuen Jahres der Bedarf nach einer Beratung in Sachen Trennung besonders groß ist. Bei etwa jeder fünften Scheidung war das Weihnachtsfest der Tropfen auf den heißen Stein, heißt es. Unter Beziehungskrisen werde dann gerne der Schlussstrich gezogen. Deshalb ist nach den Feiertagen die Scheidungsrate schätzungsweise 10 Prozent höher als sonst. Kleiner Tipp vom Fachanwalt: Trennt sich ein Paar nach dem 1. Januar, bleibt es noch bis 31. Dezember in der günstigen Steuerklasse. Geht man bereits Anfang Dezember getrennte Wege, kommt bereits ab 1. Januar des kommenden Jahres die Steuerklasse 1 zum Einsatz. Ein bisschen ausharren lohnt sich also! Für das Finanzamt beginnt das Getrenntleben nämlich immer erst am Ende des Kalenderjahres. Leider endet mancher Streit nicht nur mit seelischen Verletzungen. Bei Notdiensten für Kinderschutz und gegen häusliche Gewalt steht das Telefon direkt nach den Feiertagen nicht mehr still.

Jetzt, wo Weihnachten fast vorbei ist und wir alle Klippen gemeistert haben, Ehe und Familie nicht mehr Zerrüttungserscheinungen aufweisen als allgemein üblich, stehen wir vor der nächsten Hürde: die Reste vom Feste. Wie immer haben wir viel zu viel eingekauft, weil ja alle satt werden sollen. Wer fragt schon vorher die Gäste, wie viel Gramm Gans, Ente, Wild, Kaninchen oder Fisch sie denn haben wollen, nach wie viel Paar Würstchen und Kartoffelsalat-Bergen sie satt sind oder wie viel Alkohol sie vertragen? Und wie immer haben die meisten aus der Futterrunde weniger gegessen und getrunken als eingeplant, weil auch der menschliche Magen nur begrenzt aufnahmefähig ist. Der Kühlschrank quillt weiter über mit Delikatessen jeder Art von Aal, geräuchert, bis Ziegenkäse, noch eingewickelt. Weil sich einfach niemand nach Gänsebraten mit Grünkohl und Klößen am Mittag und postwendend folgendem Weihnachtstorte-Stollen-Kekse-Kaffee-und-Tee-Nachmittag zu einem Abendessen aufraffen konnte. Resteessen ist also angesagt, meistens bis Silvester. Alkohol in ungeöffneten Flaschen muss übrigens nicht gleich weg! Für alle sonst noch herumliegenden Kleinigkeiten wie Äpfel und Nüsse schlage ich Ihnen eine leckere Alternative vor (sobald Sie wieder Luft schnappen können). Rum sollte auch noch vorhanden sein, schließlich fiel der Grog dem warmen Wetter zum Opfer, und alles andere haben Sie ohnehin im Hause:

Alles-was-weg-muss-Kuchen

Zutaten:

Teig:
225 g Mehl
175 g Zucker
175 g Butter
4 Eier
2 TL Backpulver
1 Prise Salz

Belag:
100 g Zucker
175 g grob gehackte Walnüsse
75 g Butter
350 g Äpfel (fertig zubereitet)
4 EL Rum
1 Zitrone (Saft)

Zubereitung:

Die Äpfel schälen, entkernen und  etwa 1 cm große Würfel schneiden. Sie benötigen etwa 350 g fertig geschnippelte Äpfel. Mit dem Saft der Zitrone und 4 EL Rum beträufeln.

Das Mehl sieben und mit dem Backpulver vermengen. Für den Teig die zimmerwarme Butter mit dem Zucker schaumig rühren, dann nach und nach das Mehl einarbeiten. Die Apfelstückchen durch ein Sieb abgießen und die aufgefangenen Flüssigkeit in den Teig rühren. Sollte er noch zu zäh sein, gegebenenfalls ein wenig Milch einrühren.

Die Springform mit Backpapier auskleiden und den Teig hineingeben. Die Äpfel darauf verteilen. Butter und Zucker verrühren und die Nüsse mit einem Kochlöffel unterrühren. Die Masse auf den Äpfeln krümlig verteilen (ähnlich wie Streusel). Den Kuchen im vorgeheizten Ofen bei 180 Grad Celsius etwa 40 Minuten auf der Mittelschiene backen.

Und falls an diesem Weihnachtsfest alles schief lief: Im nächsten Jahr gibt’s wieder eins! Viel Hoffnung und alles Gute wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de