Unterhaltung
Dylan tritt auch selbst in seinem Video auf: in einer Aufnahme aus den 60ern.
Dylan tritt auch selbst in seinem Video auf: in einer Aufnahme aus den 60ern.(Foto: Screenshot n-tv.de)
Mittwoch, 20. November 2013

Bob Dylan zieht die Fernsehwelt durch den Kakao: Wie ist das so als Landstreicher?

Von Markus Lippold

Was haben eine Köchin, ein Professor und die Moderatoren eines Shopping-Kanals gemeinsam? Sie singen "Like a Rolling Stone" von Bob Dylan. Nach 50 Jahren bekommt der Song einen Videoclip. Der ist so ironisch wie gesellschaftskritisch.

Auch die Moderatoren eines Shopping-Kanals dürfen "Like a Rolling Stone" zum Besten geben.
Auch die Moderatoren eines Shopping-Kanals dürfen "Like a Rolling Stone" zum Besten geben.(Foto: Screenshot n-tv.de)

1965 brachte Bob Dylan den Song "Subterranean Homesick Blues" heraus. Doch nicht nur das. Es gab sogar ein Musikvideo. Darin hielt Dylan Pappschilder mit dem Text, die er nach und nach wegwarf. Es war eines der ersten modernen Musikvideos überhaupt und inspirierte etliche Nachfolger. Nun legt Dylan erneut ein Musikvideo vor - und zeigt sich dabei erneut revolutionär.

Den Song zu dem neuen Video gibt es allerdings bereits, und das seit fast 50 Jahren. "Like a Rolling Stone" erschien 1965 als Single und auf dem Album "Highway 61 Revisited". Trotz einer Länge von mehr als sechs Minuten wurde er ein Hit, der sich wochenlang in den Charts hielt. Es gehört aber auch zu den künstlerisch einflussreichsten Liedern der Rockgeschichte. Der amerikanische "Rolling Stone" wählte das Lied gar zum besten Rocksong aller Zeiten.

Zu Wort kommt auch der Professor einer Geschichts-Dokumentation.
Zu Wort kommt auch der Professor einer Geschichts-Dokumentation.(Foto: Screenshot n-tv.de)

Nun hat Bob Dylan also das dazugehörige Video auf seiner Webseite vorgestellt. Wobei es sich nicht wirklich um einen Film handelt, sondern eher um eine interaktive Anwendung, bei der der Zuschauer mitmachen kann. Ruft man die Seite auf, erscheinen die Umrisse eines Fernsehers. Dann startet der bekannte Song.

Der Zuschauer kann nun zwischen 16 Kanälen hin und her zappen. Alle zeigen eine typische Fernsehsendung: Darunter sind eine Kochshow, eine Geschichtsdoku, das Glücksrad, Reality-TV, Sport- und Nachrichtensendungen. Man bekommt also nicht nur ein Musikvideo vorgesetzt, sondern 16 Versionen, was äußerst unterhaltsam ist, schließlich kann man so sein eigenes Video zusammenstellen.

Bilderserie

Und das ist nicht alles: In jedem Kanal bewegen die Protagonisten ihre Lippen synchron zum Text. Da ist die Fernsehköchin, die gerade Erdbeeren schnippelt, das Liebespaar im fiktiven Film "Love is Love", der Moderator der Wirtschaftsnachrichten und die Teilnehmer des Trash-Formats "Bachelor's Rose". Doch Dylan beweist Ironie, er tritt auch selbst auf, allerdings in einer jüngeren Version: Der (fiktive) Sender "Music 1 Classics" zeigt ein Dylan-Konzert.

Sie alle singen jene berühmten Zeilen: "Wie fühlt es sich an, auf sich selbst gestellt zu sein, ohne Zuhause, wie ein komplett Unbekannter, wie ein Landstreicher". Gerade die letzte Zeile wird oft ungenau als "rollender Stein" übersetzt. Doch der Begriff "Rolling Stone" ist ein Synonym für einen Landstreicher, der laut einem englischen Sprichwort kein Moos ansetzt.

Der Song handelt von einer Frau, die offenbar aus reichem Hause stammt und nun auf der Straße gelandet ist. Sie ist nun selbst eine arme, obdachlose Landstreicherin, einer jener Menschen also, die sie früher so belächelt hat. Der Text des Songs wirkt wie eine Anklage gegen die Frau, wurde aber auch schon als Lobgesang auf die Selbstbestimmung interpretiert.

Im Video bekommt dieser Text eine besonders ironische Wendung, wenn er von Gameshow-Moderatoren, Fernsehstarlets und Nachrichtensprechern vorgetragen wird. Das Video ist witzig, tiefgründig und sagt eine Menge aus über heutige Fernsehprogramme. Der 72-jährige Dylan erweist sich erneut auf der Höhe der Zeit.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen