Kino

Peng! Bumm! Klirr! Schepper! Ratata! Boing! Bam! "Man Of Steel" zerlegt die Leinwand

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(Foto: Warner Bros. Pictures)

Alles auf Anfang. Mit "Man Of Steel" wird die Geschichte von Superman neu geschrieben. Der Held mit blauem Strampler und rotem Cape hat schließlich ein zeitgemäßes Antlitz verdient. Dazu verhelfen sollen ihm "300"-Regisseur Zack Snyder und "Batman"-Ikone Christopher Nolan. Und zumindest hochmodern krachen lassen sie es allemal.

Superman hat es nicht leicht. Im Vergleich zu seinen Helden-Kollegen Batman und Spider-Man ist er ein alter Sack. Sein blauer Spandex-Overall und sein roter Umhang müssen sich modisch Fledermaus-Dress und Spinnen-Gewand geschlagen geben. Und während seine Konkurrenten schon in den vergangenen Jahren einen kompletten Neuanstrich ihres Leinwand-Images spendiert bekamen, liegt sein Kino-Potenzial seit sieben Jahren brach. Bryan Singers "Superman Returns" von 2006 war die bislang letzte Mission des Helden vom fernen Planeten Krypton in bewegten Bildern.

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Achtung, Achtung! Unknown Flying Object.

(Foto: Courtesy of Warner Bros. Picture)

Bislang. Denn nun soll alles anders werden. So anders, dass auch Superman auf eine strahlend-schöne Zukunft mit vielen Fortsetzungen hoffen kann. Dafür sorgen sollen zwei Schwergewichte der Filmbranche. Für "Man Of Steel" nahm Zack Snyder im Regiestuhl Platz. Mit Streifen wie "300" oder "Watchmen" hat er nicht nur bereits Erfahrungen mit Comic-Verfilmungen gesammelt. Er hat sich auch als Spezialist für düstere Bildgewalt einen Namen gemacht. Doch so optisch brillant wie seine bisherigen Filme waren, so mangelhaft waren sie in ihrer Erzählweise, allen voran sein bislang letztes und von den Kritikern zerfetztes Werk "Sucker Punch" von 2011.

Ganz anders erging es da Christopher Nolan. Wie er seit 2005 in seiner "Batman"-Trilogie dem Flattermann neues Leben einhauchte, stieß nahezu einhellig auf Begeisterung. In der Hoffnung, dass er auch Superman auf die Sprünge verhelfen möge, holte man ihn mit an Bord. Jedoch nicht als Regisseur. Stattdessen fungiert Nolan bei "Man Of Steel" als Produzent.

Superman Begins

Wie dereinst Nolans "Batman Begins", so setzt auch "Man Of Steel" alles auf null. Erzählt wird die Geschichte von dem Jungen Kal-El, den seine Eltern vor dem Untergang ihres Heimatplaneten Krypton bewahren, indem sie ihn im Weltall aussetzen. Er landet auf der Erde, wo ihn das Farmer-Ehepaar Kent findet und als Clark Kent adoptiert. Schon bald erkennt der Junge, dass er nicht wie alle anderen ist. Und er lernt, seine übernatürlichen Fähigkeiten zu kontrollieren.

Alles wäre im Prinzip gut, würde nicht eines Tages der fiese General Zod auftauchen, einstiger Widersacher von Kal-Els Vater Jor-El. Mit ein paar Getreuen hat er die Apokalypse auf Krypton überlebt. Nun will er den Codex zum Erhalt der eigenen Spezies, den Jor-El mitsamt seinem Sohn damals auf die Reise ins All geschickt hatte. Und er will Kal-El alias Clark Kent alias Superman. Sollten die Menschen ihn nicht an ihn ausliefern, müssten sie die schrecklichen Konsequenzen dafür tragen …

Merken Sie sich Antje Traue

"Man Of Steel" ist topbesetzt. So schlüpft etwa Russell Crowe (Oscar-Preisträger für "Gladiator") in die Rolle von Kal-Els leiblichem Vater, während Kevin Costner (Oscar-Preisträger für "Der mit dem Wolf tanzt") Adoptivvater Jonathan Kent verkörpert. Amy Adams ("The Master") gibt die Journalistin Lois Lane, die der Andersartigkeit von Clark Kent auf die Schliche kommt. Ihren Chef bei der Zeitung "Daily Planet" wiederum mimt Laurence Fishburne ("Matrix"). Und Bösewicht Zod wird von Mark Shannon ("Zeiten des Aufruhrs") gespielt.

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Bleibt im Gedächtnis: Antje Traue als Faora-Ul.

(Foto: Warner Bros. Pictures)

Ins Gedächtnis brennt sich in den fast zweieinhalb Stunden, die der Streifen in 3D über die Leinwand flimmert, jedoch vor allem eine Darstellerin, die bislang noch keine vergleichbaren Hollywood-Meriten wie ihre Filmpartner vorzuweisen hat: die Sächsin Antje Traue. Als Faora-Ul kämpft sie an der Seite von Zod. Einen schöneren und eindringlichen Eindruck hat schon lange keine eiskalte Killermaschine mehr hinterlassen.

Auch hinter Superman selbst verbirgt sich mit Henry Cavill ein Schauspieler, der eigentlich noch ziemlich grün hinter den Ohren ist. Der 30-jährige Brite war allerdings tatsächlich schon bei "Superman Returns" für die Heldenrolle im Gespräch. Aber damals wurde ihm diese ebenso weggeschnappt wie die Rolle als James Bond, bei der er sich keinem Geringeren als Daniel Craig geschlagen geben musste. Erst jetzt kann Cavill durchatmen - Ende gut, alles gut.

Nichts zu lachen

Doch stimmt das wirklich? Oder ist die Mitwirkung an "Man Of Steel" nur ein Pyrrhus-Erfolg? Nun, eins ist unbestreitbar: Zack Snyder macht seinem Ruf als Meister des Bilderrauschs wieder einmal alle Ehre. Der Streifen knallt optisch und akustisch derart auf die Zwölf, als hätte Superman einem persönlich eine Kopfnuss verpasst. Es klirrt, knallt und kracht an allen Ecken und Enden. Das Finale gipfelt in einer Zerstörungsorgie, für die man nicht gleich wieder Analogien zu den Anschlägen vom 11. September 2001 hervorkramen muss, die in ihrer Heftigkeit jedoch ihresgleichen sucht.

Doch ebenso wird Snyder abermals seinem anderen Ruf gerecht. Erzählerisch holpert der Film an vielen Stellen. Mal plätschert er zu sehr dahin, häufiger jedoch erschlägt er einen geradezu mit seiner ellenlangen Aneinanderreihung von rasant geschnittenen Haudruff-Szenen. Weniger wäre hier deutlich mehr. Das überfrachtete Tohuwabohu können auch die guten schauspielerischen Leistungen einer Antje Traue oder eines Russell Crowe und das aufwendige Design oder Sets, die gar wie H.R. Gigers "Alien"-Welten anmuten, nicht wettmachen.

Noch stärker trägt jedoch die weitgehende Humorfreiheit des Streifens dazu bei, dass "Man Of Steel" nur ein bedingtes Kinovergnügen ist. Von Selbstironie mal ganz zu schweigen. Am komischsten mutet da beinahe schon Cavill in seinem nun metallisch schillernden Strampelanzug mit rotem Satin-Umhang an. Unfreiwillig komisch, wohlgemerkt. Obwohl die Handlung ins Hier und Jetzt verlegt wurde, versprüht ausgerechnet die Hauptfigur in etwa einen Charme, als sei sie einer Glam-Metal-Kapelle aus den 80er Jahren entsprungen.

So verhält es sich trotz Christopher Nolans Beistand mit "Man Of Steel" insgesamt wie mit beinahe allen Streifen von Zack Snyder: ein bildgewaltiges Meisterwerk, dessen Konstrukt an anderer Stelle leider wieder mit dem Hintern eingerissen wird. Dem Erfolg an den Kinokassen wird dies allerdings wohl kaum Abbruch tun. In den USA stürmte der Streifen gleich mal auf Platz 1 der Kinocharts. Allein am Startwochenende spülte er in den USA und Kanada 125 Millionen Dollar in die Kassen. Ist ja super, Mann!

"Man Of Steel" läuft ab dem 20. Juni 2013 in den deutschen Kinos

Quelle: ntv.de