Musik

"Eines Wunders Melodie" Rilke mit kraftvoller Leichtigkeit

Die Idee, einen "Club der toten Dichter" zu gründen und Lyrik in Musik von heute zu verpacken, war schon mit Heine und Busch ein Erfolg. Nun wird hochkarätig nachgelegt - mit Rainer Maria Rilke. Und mit stimmgewaltiger weiblicher Verstärkung: "Rainbird" Katharina Franck.

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Gruppenbild mit Dame: Andreas Sperling, Markus Runzheimer, Reinhardt Repke, Katharina Franck und Tim Lorenz (v.l.)

(Foto: Bernd Brundert)

Vor einigen Jahren hatte der Musiker Reinhardt Repke eine Idee: Lyrik-Klassiker zu vertonen und ihnen ein heutiges Musik-Gewand zu verpassen. Eine ungewöhnliche Idee, die 2005/06 mit den Gedichten Heinrich Heines begann und 2006/07 mit Texten von Wilhelm Busch eine humorvolle Fortsetzung bekam. Beiden Projekten, zu deren Umsetzung Repke 2005 den "Club der toten Dichter" (CDTD) gegründet hatte, folgten Dutzende (meist ausverkaufte) Konzerte in ganz Deutschland.

Nun wird hochkarätig nachgelegt: mit Rainer Maria Rilke. Und - und das ist eine spektakuläre Neuerung beim "CDTD": erstmals mit einer Sängerin an Repkes Seite, und das nicht mit irgendeiner, sondern mit der großartigen Katharina Franck. Ihre unverwechselbare Stimme als Sängerin der "Rainbirds" ist vielen noch gut im Gedächtnis.

Von Rap zu Rilke

Am Schlagzeug sitzt beim Rilke-Projekt ein alter Bekannter: Tim Lorenz, der Mitte der 1990er auch bei den Rainbirds und beim CDTD schon beim Busch-Programm trommelte. Keyboarder ist Andreas "Spatz" Sperling von "Keimzeit" (die im Jahr 2011 pausieren, was ihm die Zeit für die Rilke-Konzerte gibt). Am Bass: Markus Runzheimer, (der kürzlich zwei Jahre mit Bushido auf Tour war ...!).

Bandleader und Frontmann Reinhardt Repke übernimmt neben Katharina Franck die Gesangs- und Gitarrenparts – zwei Leadsänger, die sich wunderbar ergänzen (besonders gut zu hören in "Schlaflied" – bevor Repke allein in "Ich wollt sie hätten statt der Wiege" von Todessehnsucht knarzt). Francks Stimme passt perfekt zu den Texten Rilkes und zu der Art Musik, mit der sie in unsere Zeit transportiert wurden: sehr klar und gleichzeitig sehr warm. Unangestrengt kraftvoll. Zeitlos schön.

Leichtigkeit statt Schwermut

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Mit Spaß bei der Arbeit - obwohl es bei manchen Liedern wohl auch sehr emotional zuging.

(Foto: Bernd Brundert)

Wer Angst vor zu viel Schwermut in den Liedern hat, sei beruhigt: Viele der Gedichte sind mit großer Leichtigkeit vertont, manche swingen geradezu. Selbst Rilkes wohl bekanntestes Gedicht "Herbsttag", das melancholische "Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr, wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben" klingt durch den treibenden Rhythmus gar nicht mehr so melancholisch. Kein Traurig-den-Kopf-hängen-lassen, sondern eher ein selbstbewusstes Annehmen und Akzeptieren der Situation. Während "Der Panther" wie ein Western-Song beginnt – das Gefühl der Einsamkeit wird so gut transportiert, bevor es wieder eher beschwingt aufs "Karussell" geht. Jedes Lied ist eine Entdeckung, weil anders arrangiert als das vorhergehende – eine CD, die sich auch bei häufigem Hören nicht so schnell abnutzt.

Mit der Vertonung von Rilkes Gedichten ist dem "Club der toten Dichter" eine wunderbare Platte gelungen, die es auch schaffen könnte, Menschen an Rilke heranzuführen und vielleicht sogar zu begeistern, die sonst mit Lyrik nicht viel anfangen können. Eine wärmste Empfehlung.

Wer den "Club der toten Dichter" und Katharina Franck mit dem Rilke-Programm live sehen möchte: Die Tournee hat bereits begonnen und wird bis Ende Januar 2012 laufen. Die Konzerttermine und weitere Informationen sind zu finden unter club-der-toten-dichter.de.

Quelle: ntv.de