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Kampf um digitale Souveränität Europa steckt im Mittelalter

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Europa muss sich digital positionieren, sagt Peter Ganten in "So techt Deutschland".

(Foto: imago images/Panthermedia)

Gibt es eine digitale Souveränität? Ganten ist Vorsitzender der Open Source Business Alliance und hält das für möglich. Derzeit ist Europa aber zwischen den chinesischen und US-Fronten gefangen. Zwei Souveräne, die das Verhalten der Menschen vorhersagen und beeinflussen wollen.

Souveränität war in den vergangenen Jahrhunderten oft eine Frage von Krieg und Frieden. Im Mittelalter mussten europäische Staaten einen schmerzlichen Lernprozess auf dem Weg dorthin durchlaufen. Lässt sich dieser Prozess auch auf das digitale Leben anwenden? Peter Ganten ist als Vorsitzender der Open Source Business Alliance Experte auf dem Gebiet der digitalen Souveränität und meint, dass wir "in eine ähnliche Situation" kommen.

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Peter Ganten hat Physik und Psychologie studiert und ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der Univention GmbH.

(Foto: Univention GmbH)

Auf der einen Seite steht China, das digitale Systeme zur Überwachung und zur Steuerung der menschlichen Verhaltensweisen nutzt. Auf der anderen Seite die digitalen US-Giganten, die im Kern ein ähnliches Ziel verfolgen, "nur nicht politisch, sondern kommerziell getragen", erklärt Ganten. Zwei Souveräne, die im Kern das Verhalten der Menschen vorhersagen und beeinflussen wollen: "Das ist schon eine Form von digitalem Mittelalter."

"Müssen uns positionieren"

Ganten empfiehlt Europa, zu überlegen, ob das unseren Werten entspricht und ob das die Art und Weise ist, wie wir leben wollen. Denn die digitale Unterdrückung könne zu einem Aufbegehren und zu Gewalt führen, das zeige die Entwicklung in Hongkong, sagt der Digital-Experte. "Deswegen müssen wir uns jetzt positionieren."

Auch bei der Cloud, denn auch da sind die Europäer von US-Anbietern abhängig. An dieser Stelle kommt GaiaX ins Spiel, die Idee einer offenen europäischen Cloud. "GaiaX ist eigentlich kein IT-Großprojekt des Staates", sagt Ganten. Es gehe nicht darum, dass Deutschland und Frankreich Milliarden auf den Tisch legen, um ein zweites Amazon zu bauen. "Es geht um einen ganz eigenen Weg, Digitalisierung zu betreiben", erklärt der Digital-Experte. Es gehe um neue Standards, um auf Daten in einer Cloud zuzugreifen. Eine neue offene Plattform, wie ein Marktplatz, der nicht von einem einzelnen Hersteller beherrscht werde.

Denn die Abhängigkeit deutscher Behörden von Microsoft-Software sei eklatant: "Das Positive ist, dass sich auch dem Innenminister die Nackenhaare gesträubt haben", sagt Ganten. "Ist es denn gut, wenn das Innenministerium dem Verteidigungsministerium eine Mail schickt und diese über einen Server läuft, der unter der Kontrolle eines amerikanischen Unternehmens steht?" Seine Antwort darauf und was sich inzwischen geändert hat, erzählt Peter Ganten in der neuen Folge von "So techt Deutschland".

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Quelle: ntv.de