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Chat-Partner von Münchner Amoktäter 15-Jähriger hortete Patronen und Messer

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Der 15-Jährige hatte Kontakt mit David Ali S.: Nun erhoffen sich die Ermittler wichtige Hinweise aus den Chatverläufen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Über ein Forum für Ego-Shooter kommt die Polizei einem 15-Jährigen aus dem Kreis Ludwigsburg auf die Spur: Beim Chatten soll er sich mit David Ali S. über Waffen ausgetauscht und Amoktaten verherrlicht haben. Offenbar hatte auch er konkrete Mordpläne.

Der in Baden-Württemberg festgenommene Jugendliche hat nach Erkenntnissen von Ermittlern konkrete Überlegungen für einen Amoklauf an seiner Schule angestellt. Das verlautete aus Sicherheitskreisen. Demnach beschaffte sich der 15-Jährige aus dem Kreis Ludwigsburg Fluchtpläne der Schule, eine Schutzweste und Utensilien zur Maskierung. Der Staatsanwaltschaft Stuttgart zufolge distanzierte er sich zwar später von seinen Plänen, Ermittler halten die Tat aber dennoch für möglich: "Man muss schon von einer erheblichen Gefährdungssituation ausgehen", sagte ein Polizeisprecher. Der Jugendliche, der nicht mit einem Haftbefehl rechnen muss, befindet sich derzeit freiwillig in einer psychiatrischen Anstalt im Kreis Heilbronn.

Nach Polizeiangaben gibt es keine Hinweise auf eine Mittäter- oder Mitwisserschaft des Ludwigsburgers an dem Münchner Amoklauf vom vergangenen Freitag. Dennoch erhoffen sich die Ermittler wertvolle Informationen zur Tat von München: Das bayerische Landeskriminalamt hat sich eingeschaltet und untersucht die Chatverläufe.

Die Polizei war dem 15-Jährigen über den Internet-Kontakt zum Amokläufer von München auf die Spur gekommen und hatte ihn in der Nacht zu Dienstag festgenommen. Die Anklagebehörde ermittelt wegen Verstößen gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz. "Das Thema Amok ist gebannt", sagte ein Polizeisprecher. "Jetzt geht es daran, die Geschichte weiter aufzuarbeiten."

Bei der Durchsuchung der Wohnung seiner Eltern fanden Beamte eine größere Zahl Kleinkaliberpatronen, mehrere Messer und Dolche sowie Zeichnungen mit Amokbezügen. Woher der Jugendliche die Materialien hatte, ist unklar. Ermittler werten derzeit Computer, elektronische Speichermedien und das Handy des 15-Jährigen aus.

Bilder von Waffen ausgetauscht

Von besonderem Interesse ist dabei der Chatkontakt des Jungen mit dem Amoktäter von München, der vom Landeskriminalamt Bayern und der Kriminalpolizei Ludwigsburg untersucht wird. Nähere Angaben zum Kontakt der beiden machte die Polizei vorerst nicht. "Inhalte der Chats geben wir nicht bekannt", sagte der Sprecher. "Wir werten das jetzt alles aus - und bewerten es."

Der SWR berichtet, dass die beiden in dem Forum Bilder von Waffen ausgetauscht und frühere Amoktaten verherrlicht hätten. Offenbar seien nach ersten Ermittlungsständen Amoktaten in mehreren Städten geplant gewesen. Der Kontakt des Jugendlichen zum Münchner Amokläufer, der am Freitag neun Menschen und anschließend sich selbst getötet hatte, war von einem Hinweisgeber in einem Forum für Spieler sogenannter Ego-Shooter entdeckt worden. Daraufhin hatte er die Polizei informiert.

Quelle: n-tv.de, jgu/dpa

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