Panorama
Die Tat passierte am 23. Februar auf einem Parkdeck im Dortmunder Stadtteil Hörde.
Die Tat passierte am 23. Februar auf einem Parkdeck im Dortmunder Stadtteil Hörde.(Foto: picture alliance/dpa)
Donnerstag, 09. August 2018

"Sie ist sehr, sehr traurig": 17-Jährige wegen Totschlags vor Gericht

Zwei Mädchen rangeln auf einem Dortmunder Parkdeck, plötzlich sticht eine der Jugendlichen zu. Ihre 15-jährige Bekannte stirbt. Die heute 17-Jährige versteht ihre Tat selbst nicht. Jetzt steht sie vor dem Dortmunder Landgericht. Ihr droht lange Jugendhaft.

Erst gab es Streit, dann eskalierte die Gewalt: Vor knapp sechs Monaten soll eine inzwischen 17 Jahre alte Schülerin in Dortmund eine 15 Jahre alte Bekannte erstochen haben. Seit dem Nachmittag steht sie wegen Totschlags vor dem Dortmunder Landgericht. "Die Tat ist ihr unbegreiflich", sagte Verteidigerin Henriette Lyndian vor Prozessbeginn. "Ihr war anfangs überhaupt nicht klar, was da passiert ist."

Die beiden Mädchen hätten sich "gezofft und gerangelt", dann sei die Situation eskaliert. "Es ging um Banalitäten", so Lyndian. "Das hat sich aufgeschaukelt." Was passiert sei, tue der 17-Jährigen auf jeden Fall unheimlich leid. Sie suche auch nicht nach Rechtfertigungen und Entschuldigungen. "Sie ist einfach nur sehr, sehr traurig."

Der Messerstich hatte die 15-Jährige in der linken Oberkörperseite getroffen. Er ging direkt ins Herz. Das Opfer hatte zwar noch ein paar Schritte gehen können, war dann aber zusammengebrochen und kurze Zeit später im Krankenhaus gestorben.

Was die Angeklagte selbst über die Bluttat sagen wird, bleibt unbekannt. Wegen des jugendlichen Alters der Angeklagten findet der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die 17-Jährige wurde von den Wachtmeistern über einen Sondereingang direkt in den Gerichtssaal geführt. Die Höchststrafe beträgt zehn Jahre Jugendhaft.

"Ruhe in Frieden"

Nach Erkenntnissen der Ermittler gehörten die beiden deutschen Mädchen zu einer Gruppe von Jugendlichen, die sich regelmäßig auf einem Parkdeck im Dortmunder Stadtteil Hörde getroffen hat. Direkt befreundet sollen sie allerdings nicht gewesen sein.

Die Tat hatte Trauer, Wut und Fassungslosigkeit ausgelöst. Freunde des Opfers hatten am Tatort Kerzen entzündet, Blumen niedergelegt und "Ruhe in Frieden" auf den Boden geschrieben. Gleichzeitig gab es eine Debatte über Gewalt unter Jugendlichen.

Am Dortmunder Landgericht wird zurzeit parallel über eine weitere tödliche Bluttat verhandelt. Angeklagt ist ein 16-Jähriger aus Lünen, der im Januar einen 14-jährigen Mitschüler erstochen haben soll. Bei der Polizei soll er später gesagt haben, dass der 14-Jährige seine Mutter provozierend angeschaut habe.

Für den Prozess gegen die 17-jährige Dortmunderin hat das Landgericht zunächst noch sieben Verhandlungstage bis zum 31. Oktober angesetzt. Im Falle einer Verurteilung drohen bis zu zehn Jahre Jugendhaft.

Quelle: n-tv.de