Panorama

Baby stirbt kurz nach der Geburt21-jährige Mutter bekommt Bewährung

24.01.2017, 17:35 Uhr
35qf2038-jpg7055304771878219997
Hätte sie den Jungen rechtzeitig in eine Babyklappe gebracht, hätte er sicher überlebt. (Foto: dpa)

Allein im dunklen Keller, umgeben von Kisten und ohne Wasser - so bringt eine 18-Jährige ihr Kind auf die Welt. Ihr Baby stirbt nur kurze Zeit nach der Geburt - dabei hätte der Junge mit an "Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" überlebt.

Weil sie als 18-Jährige ihr Baby nach der Geburt sterben ließ, ist eine junge Frau zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Die heute 21-Jährige habe sich der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht, urteilte das Stuttgarter Landgericht.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass das Baby im Herbst 2014 im Keller eines Wohnhauses in Winterbach bei Stuttgart starb, weil die Frau keine Hilfe holte, als die Fruchtblase platzte und die Wehen einsetzten. Sie brachte das Kind im Keller demnach allein zur Welt und wickelte es in eine Decke, in der es erstickte.

Die Verhandlung fand mit Rücksicht auf das Alter und die Lebenssituation der 21-Jährigen in wesentlichen Teilen ohne Öffentlichkeit statt. Keiner habe von der Schwangerschaft gewusst, sagte die Vorsitzende Richterin Sina Rieberg. "Das Verheimlichen hat sie über alles gestellt." Auch als die Geburt einsetzte, und sie zwischen Kartons, ohne Licht und Wasser auf einer Decke im engen Keller hockte.

Toten Säugling in Babyklappe gelegt

Sie hätte nicht einmal die Hilfe eines Arztes gebraucht, sagte Rieberg, es hätte gereicht, wenn sich einfach jemand um das Baby gekümmert hätte. "Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" hätte der Junge überlebt, "wenn sie ihrer besonderen Pflicht als werdende Mutter nachgekommen wäre".

Das Baby war demnach lebensfähig, 53 Zentimeter groß und 3800 Gramm schwer. Nach Angaben von Experten lebte es wenigstens fünf Minuten lang, höchstens 30 Minuten. Gemeinsam mit ihrer Mutter legte die junge Frau den Säugling Stunden später in die Babyklappe des Weraheims in Stuttgart - doch da war er längst tot.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung gefordert, der Vertreter der 21-Jährigen plädierte nach Angaben des Gerichts auf Freispruch. Die heute 21-Jährige wurde 1995 in Stuttgart geboren. Den Prozessauftakt vor einer Woche verfolgte sie mit Tränen in den Augen. Aktuell ist sie den Angaben zufolge als Praktikantin bei der Diakonie beschäftigt.

Quelle: ntv.de, dsi/dpa

Mord und TotschlagKriminalitätStuttgartMütterProzesseBaby