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"Wir sitzen im Schlaraffenland" 50 Millionen Impfdosen bis Jahresende

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Für über 30-Jährige spielt es Experten zufolge keine Rolle, ob Moderna oder Biontech zum Einsatz kommt.

(Foto: dpa)

Laut Gesundheitsminister Spahn stehen in Deutschland insgesamt bis zum Jahresende rund 50 Millionen Impfdosen gegen Covid-19 zur Verfügung. Ob mit Moderna oder Biontech geboostert werde, spiele dabei keine Rolle, betont Impfstoff-Forscher Sander. Man könne beruhigt nehmen, was da ist.

Nach Ansicht von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn von der CDU hat Deutschland bis Jahresende mit rund 50 Millionen Impfdosen von Biontech und Moderna genug Vakzine zur Verfügung. Allerdings räumte er ein, dass es durch die Deckelung von Biontech-Lieferungen kurzfristig zu Problemen in den Arztpraxen kommen dürfte. Der Berliner Impf-Forscher Leif Erik Sander und der Chef des Paul-Ehrlich-Instituts Klaus Cichutek stellten klar, dass es dabei für Auffrischimpfungen keine Rolle spiele, ob statt des Biontech-Vakzins der Moderna-Wirkstoff zum Einsatz kommt.

"Nichts wird zurückgehalten"

Laut Spahn würden bis Ende Dezember noch rund 24 Millionen Biontech-Dosen verabreicht werden können. Von Moderna stünden aktuell etwa 16 Millionen Dosen bereit, ungefähr 10 Millionen würden in diesem Jahr noch geliefert. Spahn betonte, es werde kein Biontech-Impfstoff zurückgehalten, in dieser Hinsicht habe er sich möglicherweise zuvor missverständlich geäußert. Es gehe natürlich auch darum, zu verhindern, dass Moderna-Impfstoff verfällt. Vor allem aber leerten sich die Biontech-Lager und daher müsse ab kommender Woche rationiert werden. In dieser Woche würden noch mal die zugesagten 6 Millionen Dosen verteilt.

Er verstehe den Ärger darüber, dass man die Ausgabe von Biontech-Impfstoff an Arztpraxen auf 30 Impfdosen pro Woche deckeln werde, sagte Spahn. Aber man halte nichts zurück. "Mir ist sehr bewusst, dass diese kurzfristige Umstellung für viele engagierte Helferinnen und Helfer vor Ort, in den Arztpraxen und den Impfzentren, viel zusätzlichen Aufwand und auch Stress bedeutet", sagte Spahn. "Geplante Prozesse und Abläufe müssen umgestellt werden und sie müssen Überzeugungsarbeit leisten. Das weiß ich und das bedaure ich auch."

Streit über Moderna statt Biontech "unangemessen"

Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts Klaus Cichutek stellte klar, dass es keinen Grund gibt, sich Sorgen zu machen, wenn man statt des Biontech-Wirkstoffs als dritte Impfung das Moderna-Vakzin erhält. Beide Impfstoffe seien sehr gut und effektiv. "Wir sitzen hier im Schlaraffenland", so Cichutek. Der Streit, ob man nun Biontech oder Moderna nehme, sei "unangemessen".

Die Mittel seien sowohl für homogene als auch heterogene Auffrischungen zugelassen und geeignet, erklärte Cichutek. Bei beiden Vakzinen sei die Wirksamkeit gegen eine schwere Erkrankung 90 Prozent oder höher und die Sicherheit mit 0,1 oder weniger Komplikationen pro 1000 Impfungen sehr hoch.

Auffrischung in jedem Fall enorm wirksam

Infektiologe Leif Erik Sander, der die Impfstoff-Forschung an der Berliner Charité leitet, ergänzte, eine Kombination unterschiedlicher Impfstoffe habe in einigen Studien sogar Vorteile gezeigt. Die beiden mRNA-Vakzine wirkten nahezu identisch und man könne "beruhigt nehmen, was gerade da ist." Moderna sei vielleicht sogar etwas besser, was aber nur einen kleinen "akademischen Unterschied" mache. Keine Kombination soll es aber für unter 30-Jährige geben, für die die STIKO empfiehlt, nur den Biontech-Wirkstoff einzusetzen.

Sander machte auch noch mal den Wert der Booster-Impfung deutlich. Laut Studien sei der Schutz danach 10- bis 20-mal höher als nach der Zweifach-Impfung. Vieles deute auch darauf hin, dass der Schutz nach der Auffrischung sehr lang anhalte. Man wisse unter anderem aber nicht, "welche Tricks das Virus noch drauf hat".

Der Infektiologe betonte, die Impfquote in Deutschland sei nach wie vor zu niedrig. Die Impfstoffe seien ein "Geschenk, das wir annehmen müssen." Sander rät dringend davon ab, Deutschland zu einer Immunität über Infektionen kommen zu lassen, weil dies zu massiven Belastungen führe und weitere Wellen nicht verhindern würde. "Es ist für mich absolut alternativlos. Alle müssen sich impfen."

2,4 Millionen Dosen für Kinder unterwegs

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Laut Spahn werden in diesem Jahr auch noch "auf einen Schlag" 2,4 Millionen Dosen des Biontech-Impfstoffs für Kinder von fünf bis 11 Jahren zur Verfügung stehen. Die Zulassung durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA werde wahrscheinlich Ende dieser Woche erfolgen. Die gesamte Europäische Union erhalte die erste Lieferung am 20. Dezember.

Angesichts von rund 4,5 Millionen Kindern dieser Altersgruppe werde wohl ein großer Teil der anfänglichen Nachfrage bedient werden können, sagte Spahn. Weitere Lieferungen seien in den ersten Monaten des neuen Jahres zu erwarten. Da Kinder eine andere Dosierung benötigten, seien auch eine andere Abfüllung und ein anderer Vorlauf für den Kinderimpfstoff nötig.

Quelle: ntv.de, kwe/dpa/DJ

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