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Neuer Verdächtiger im Lügde-Fall 57-Jähriger soll Kind missbraucht haben

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Die Polizei durchsuchte den Campingplatz Lügde erneut.

(Foto: dpa)

Neue Entwicklung im Missbrauchsfall von Lügde: Nach Angaben der Bielefelder Polizei gibt es einen weiteren Beschuldigten. Es handelt sich um einen 57-jährigen Mann. Zuvor war auf dem Campingplatz Eichwald eine Parzelle durchsucht worden.

Im Missbrauchsfall von Lügde gibt es einen weiteren Beschuldigten. Es handelt sich um einen 57-jährigen Mann aus Steinheim bei Höxter, wie die Polizei Bielefeld mitteilte.

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass die Polizei eine Parzelle auf dem Campingplatz durchsucht hatte, die bisher nicht im Mittelpunkt der Ermittlungen stand. Einen entsprechenden Bericht des "Westfalen-Blattes" bestätigte ein Polizeisprecher. Die Behörden erklärten auf Anfrage, dass er "weder vorläufig festgenommen" wurde, "noch ein Haftbefehl beantragt wurde".

Auf dem Platz steht ein älterer Wohnwagen. Ziel der nun fortgesetzten Durchsuchungen sei "das Auffinden von Beweismitteln". Laut der Zeitung wurde der Platz mit Flatterband abgesperrt und über Nacht bewacht.

Den Behörden zufolge geriet der 57-Jährige aus Steinheim durch die Vernehmung eines minderjährigen Opfers in den Fokus der Ermittlungskommission Eichwald. Gegen den Mann wurde aufgrund der Zeugenaussage ein Verfahren wegen schweren sexuellen Missbrauchs eingeleitet.

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Die Suche konzentrierte sich auf die Parzelle eines 57-jährigen Mannes, den ein Opfer beschuldigt hatte.

(Foto: dpa)

Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" soll der neue Beschuldigte gut mit Mario S. befreundet gewesen sein, einem der beiden Angeklagten im Missbrauchsprozess. Demnach teilten sich die beiden Männer von 2010 bis 2015 fünf Jahre lang dieselbe Parzelle auf dem Campingplatz. Auch sollen beide bis heute unter der gleichen Adresse in Steinheim gemeldet sein. Die Polizei Bielefeld wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. NRW-Innenminister Herbert Reul wies jedoch darauf hin, dass der 57-Jährige im Verlauf der Ermittlungen wie andere Parzellenbesitzer auf dem Campingplatz auch schon einmal befragt worden sei. Damals hätten sich keine Hinweise ergeben, die eine Durchsuchung der Parzelle notwendig gemacht hätten.

Wie NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" weiter berichteten, hatte es gegen den nun neu Beschuldigten bereits im Sommer 2018 eine Anzeige gegeben. Eine damals 15-Jährige soll ihn beschuldigt haben, sie nach einer Feier auf dem Campingplatz vergewaltigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft Detmold hatte die Ermittlungen dem Bericht zufolge allerdings aus Mangel an Beweisen eingestellt.

*Datenschutz

Der jahrelange Kindesmissbrauch auf dem Campingplatz im Kreis Lippe war Ende Januar bekannt geworden. In der Folgezeit wurden eine ganze Reihe von Ermittlungspannen und Behördenfehler in dem Fall offenkundig. Unter anderem verschwand bei der Polizei Lippe Beweismaterial. Auch das Verhalten von Jugendämtern im Tatzeitraum wurde scharf kritisiert.

Angeklagte haben gestanden

Vor dem Landgericht Detmold wird bereits gegen zwei Angeklagte wegen des hundertfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern auf dem Campingplatz verhandelt. Zum Auftakt in der vergangenen Woche hatten alle Angeklagten Geständnisse abgelegt.

Angeklagt sind ein 56-Jähriger aus Lügde und ein 34-Jähriger aus Steinheim. Die angeklagten Deutschen sollen ihre Opfer auf dem Campingplatz an der Landesgrenze zu Niedersachsen auch wiederholt vergewaltigt haben. Das Verfahren gegen einen dritten Angeklagten, einen 49-Jährigen aus dem niedersächsischen Stade, war am zweiten Verhandlungstag abgetrennt worden. Dieser soll an Webcam-Übertragungen teilgenommen haben und teilweise zu den Gewalttaten angestiftet haben.

Quelle: n-tv.de, sgu/AFP/dpa

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