Panorama

Kindermord vor 27 Jahren 65-Jähriger legt Teilgeständnis ab

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Nach der Aufklärung eines Kindsmordes bei Jena nach 26 Jahren gaben Polizei und Staatsanwaltschaft Details zum Ermittlungserfolg bekannt.

(Foto: dpa)

1991 stürzt die zehnjährige Stephanie bei Jena von einer Brücke, die Polizei geht schnell von Mord aus. 27 Jahre später wird der mutmaßliche Mörder gefasst: Hans-Joachim G. ist vorbestraft und saß bereits wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern im Gefängnis.

Fast 27 Jahre nach der Ermordung der zehnjährigen Stephanie aus Weimar hat der in Berlin festgenommene Mann ein Teilgeständnis abgelegt. Das gaben die zuständige Staatsanwaltschaft und Polizei auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Jena bekannt. Den Ermittlern zufolge soll er das Mädchen getötet haben, um einen sexuellen Missbrauch an ihr zu vertuschen. Dafür drohe ihm nun eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Bei dem dringend Tatverdächtigen handelt es sich um Hans-Joachim G., einen 65 Jahre alten Lkw-Fahrer, wie Kriminalhauptkommissar Andreas Gerstberger mitteilte. Den Angaben zufolge wuchs der Verdächtige im Raum Weimar auf, nach der Wende zog er dann nach Berlin. Der Tatverdächtige sei aufgrund neuer DNA-Spuren überführt worden.

Nachdem er eineinhalb Wochen rund um die Uhr observiert worden war, wurde er am Sonntagmorgen von einem Spezialeinsatzkommando in seiner Wohnung in Berlin festgenommen und anschließend der Thüringer Sonderkommission "Altfälle" übergeben. Bei der Festnahme kam es zu einem kurzen Handgemenge, bei dem auch der 65-Jährige verletzt wurde. Seit Dienstag sitzt er in Untersuchungshaft.

Verdächtiger missbrauchte mehrmals Kinder

Wie die Polizei weiter mitteilte, ist der Verdächtige bereits mit mehreren Straftaten aktenkundig. Den Angaben zufolge wurde er bereits 1996 vom Landgericht Gera zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt. Einzelheiten zum Tathergang im Fall "Stephanie" wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen.

Die Zehnjährige war im August 1991 spurlos aus einem Park verschwunden, wo sie mit ihren Geschwistern und einer Freundin gespielt hatte. Zwei Tage später entdeckten Kinder Stephanies Leiche unter der Teufelstalbrücke der Autobahn 4. Das Mädchen war hinunter geworfen worden. Die Ermittlungen führten damals nicht zum Täter.

Nach Stephanie verschwand 1993 in Jena der neun Jahre alte Bernd. Er wurde zwölf Tage später tot am Ufer der Saale entdeckt. Auch der Mörder von Ramona aus Jena wurde bislang nicht gefasst. Die Zehnjährige verschwand im Sommer 1996, ihre Leiche wurde im Januar 1997 in einem Waldstück entdeckt.

Seit 2016 ermittelt die Soko "Altfälle" erneut zu den drei ungeklärten Kindermorden in Thüringen.Moderne Untersuchungsmethoden und vor allem ein neues elektronisches Fallbearbeitungssystem, in dem Daten zu allen drei ungeklärten Fällen erfasst und ausgewertet wurden, brachten die Ermittler schließlich auf die Spur des mutmaßlichen Mörders. G. war in den 90er Jahren bereits im Zusammenhang mit dem Mord an einem anderen Kind im Visier der Ermittler, habe damals aber ein Alibi vorweisen können. Die Ermittler sprachen von einer "akribischen kriminalistischen Kleinarbeit", die nun zur Festnahme des 65-Jährigen geführt habe. Es sei "Puzzlestein für Puzzlestein zusammengesetzt" worden.

Quelle: n-tv.de

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