Panorama

Spätfolgen verdoppeln Opferzahl 9/11 kostet nachträglich Tausende Leben

863031.jpg

Die einstürzenden Twin Towers überzogen New York mit einer gewaltigen Wolke aus giftigem Rauch und Staub.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Fast 3000 Menschen sterben am 11. September 2001 bei den Terroranschlägen in den USA. Zwei Jahrzehnte später machen neue Zahlen klar: Das Ausmaß gravierender Spätfolgen ist mindestens ebenso dramatisch. Zehntausende leiden an Erkrankungen durch die giftige Staubwolke, viele von ihnen sterben.

Die Zahl der Toten durch Spätfolgen der Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA übersteigt offenbar die Zahl der Opfer am Tag des Angriffs. Das teilte nun der Verwalter des Fonds mit, der nach den Angriffen zur Entschädigung der Opfer aufgelegt wurde. Demnach wurden alleine 3900 Entschädigungsanträge im Namen von bereits Verstorbenen gestellt.

62271269.jpg

Viele Opfer und Betroffene von Langzeitfolgen sind Rettungs- und Einsatzkräfte des Anschlagstages.

(Foto: picture alliance / Everett Collection)

Den Angaben zufolge sind seit 2011 mehr als 67.000 Anträge von Menschen eingegangen, die sich am 11. September in der Nähe eines der Anschlagsorte befanden und in der Folge erkrankten. Bei den meisten Fällen handelt es sich um Menschen, die in der Nähe des World Trade Centers lebten oder arbeiteten, als die Türme einstürzten. Durch den Einsturz hatte sich eine Wolke giftiger Dämpfe über das gesamte Viertel von New York gelegt. Viele Anwohner und Einsatzkräfte erkrankten später an Krebs.

Kurz nach den Anschlägen wurde ein Entschädigungsfonds für Angehörige und Überlebende eingerichtet. 2011 wurde dieser Fonds gesetzlich neu aufgelegt und auf neue Zielgruppen ausgedehnt, nachdem sich insbesondere bei Feuerwehrleuten und Helfern Krebserkrankungen häuften, jüngsten Daten zufolge leiden insgesamt etwa 75 Prozent der Einsatzkräfte des Anschlagstages an Spätfolgen. 2019 wurde die Laufzeit bis 2090 verlängert.

Zehntausende chronisch Kranke, 24.000 Krebsfälle

Nach Angaben der Fondsgesellschaft erhielten bislang über 40.000 Menschen insgesamt knapp neun Milliarden Dollar. Die häufigsten Langzeiterkrankungen betreffen die Atemwege, etwa chronische Entzündungen der Nasennebenhöhlen, Zehntausende Opfer leiden außerdem an chronischem Sodbrennen. Mehr als 14.000 Einsatzkräfte und fast 10.000 Überlebende haben Krebs. Tausende weitere Überlebende leiden außerdem an psychischen Erkrankungen.

254167070.jpg

Mehr als 1000 Opfer der Anschläge sind bis heute nicht identifiziert.

(Foto: picture alliance / Pacific Press)

Bei dem Anschlag waren zwei entführte Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers gekracht. Ein weiteres Flugzeug stürzte in Virginia ins Pentagon und eine vierte Maschine stürzte in einem Waldgebiet in Pennsylvania ab. Fast 3000 Menschen starben, allein 400 waren Einsatzkräfte. Bei den Flugzeug-Anschlägen in New York kamen insgesamt 2753 Menschen ums Leben. Davon konnten bislang 1106 Personen noch nicht identifiziert werden - rund 40 Prozent.

"Größte forensische Untersuchung" in US-Geschichte

Die Identität von zwei weiteren Opfern konnten Behörden jetzt, kurz vor dem 20. Jahrestag, feststellen. Das Büro der leitenden Gerichtsmedizinerin der Stadt New York teilte mit, es habe die Opfer Nummer 1646 und 1647 des Angriffs auf das World Trade Center identifiziert. Es handelt sich um die ersten Identifizierungen von Opfern des Einsturzes der Zwillingstürme seit Oktober 2019.

"Vor zwanzig Jahren haben wir den Familien der Opfer des World Trade Centers versprochen, alles zu tun, was nötig ist, solange es nötig ist, um ihre Angehörigen zu identifizieren", erklärte die leitende Gerichtsmedizinerin Barbara Sampson. "Wir versprechen, alle uns zur Verfügung stehenden Mittel zu nutzen, um sicherzustellen, dass all diejenigen, die verloren gegangen sind, wieder mit ihren Familien zusammengeführt werden können."

Das 1646. Opfer wurde als Dorothy Morgan aus Hempstead, Long Island, identifiziert. Ihre Identität wurde durch DNA-Tests von im Jahr 2001 geborgenen Überresten bestätigt. Die andere Identifizierung betrifft einen Mann, dessen Name auf Wunsch seiner Familie nicht genannt wurde.

Bei der Arbeit der New Yorker Gerichtsmediziner handelt es sich laut eigenen Angaben um "die größte und komplexeste forensische Untersuchung in der Geschichte" der USA. Demnach wurden die neuen Identifizierungen 20 Jahre nach dem Ereignis durch Fortschritte in der DNA-Technologie möglich. Dabei werden DNA-Fragmente von Opfern mit Proben von Angehörigen verglichen. Den Gerichtsmedizinern zufolge sind dank der neuen Technologie weitere Identifizierungen wahrscheinlich.

Quelle: ntv.de, mra/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen