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Aus Angst vor Fipronil Aldi nimmt alle Eier aus dem Verkauf

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In zwölf Bundesländern wurden Fipronil-Eier entdeckt.

(Foto: imago/Ulrich Roth)

Aldi reagiert auf den Fipronil-Skandal und verkauft vorerst keine Eier mehr. Das sei eine "reine Vorsichtsmaßnahme", heißt es. Dadurch sind Eier-Engpässe möglich. Der Höhepunkt in dem Skandal sei noch nicht erreicht, warnt Niedersachsens Agarminister.

Im Skandal um giftbelastete Eier nehmen Aldi Süd und Aldi Nord deutschlandweit sämtliche Eier aus dem Verkauf. Das teilten die Unternehmensgruppen mit. Es handele sich um eine "reine Vorsichtsmaßnahme", es könne weiter von keiner gesundheitlichen Beeinträchtigung ausgegangen werden, hieß es in der Mitteilung.

Von sofort an dürften nur noch Eier an Aldi geliefert werden, für die ein Nachweis vorliege, dass sie negativ auf fipronilhaltiges Anti-Läusemittel getestet seien. Die Unternehmen teilten mit, das Vorgehen werde möglicherweise dazu führen, dass es zu Engpässen bei der Versorgung mit Eiern kommt.

Die Unternehmensgruppen begründeten ihr Vorgehen den Angaben zufolge damit, dass sie "Klarheit und Transparenz" bei ihren Kunden herstellen wollten. Schon seit Anfang der Woche beziehe Aldi keine Eier mehr aus gesperrten niederländischen Betrieben. Zudem seien in den vergangenen Tagen in einzelnen Regionen Freiland-, Bodenhaltungs- und Bio-Eier vorsorglich aus dem Verkauf genommen worden, wie es weiter hieß.

Kunden kriegen Geld zurück

Wer schon Eier bei Aldi gekauft hat, kann sich sein Geld zurückholen. Kunden können die Eier in allen Filialen von Aldi zurückgeben - auch ohne Kassenbon.

Die Rewe Group hatte vor wenigen Tagen bereits Eier aus den Niederlanden aus seinen Rewe- und Penny-Läden genommen. "Sollten wir im Sinne unserer Kunden zu der Erkenntnis kommen, dass weitergehende Schritte notwendig werden, so werden wir entsprechend reagieren", sagte der Leiter des Rewe-Qualitätsmanagements, Klaus Mayer.

Edeka sieht bisher keinen Grund für einen Verkaufsstopp. Die Eier aus Eigenmarken stammten ausschließlich aus Deutschland, teilte die Edeka-Zentrale in Hamburg mit. "Bislang liegen uns hier keine Nachweise von Fipronil vor." Sollte sich herausstellen, dass Eier aus belasteten Chargen auch an Edeka geliefert worden seien, würden diese "unverzüglich" aus dem Verkauf genommen, betonte der Lebensmittelhändler.

Der Deutsche Bauernverband nannte den Verkaufsstopp bei Aldi für sämtliche Eier "zum jetzigen Zeitpunkt eine überzogene Reaktion". Auch angesichts bisheriger amtlicher Risikobewertungen und Untersuchungen von Eiern aus deutscher Produktion erscheine dies nicht angemessen, teilte der Verband mit.

Auch in der Schweiz weitet sich der Eier-Skandal aus. Die Supermarktkette Migros ruft importierte Eier zurück, die mit dem Insektizid Fipronil belastet sind. Alle betroffenen Chargen würden sofort aus dem Sortiment genommen, teilte das Unternehmen in Zürich mit. Es handle sich dabei um eine Vorsichtsmaßnahme. Eine Gesundheitsgefährdung bestehe nicht. Zurückgezogen werden importierte "M-Budget-Eier" mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 26. August. Kunden können die belasteten Lebensmittel in jeder Filiale zurückbringen und erhalten ihr Geld zurück. Andere Artikel sollen nicht betroffen sein.

Höhepunkt im Eier-Skandal noch nicht erreicht

Das ganze Ausmaß um die mit Gift belasteten Eier ist noch nicht klar. Laut dem niedersächsischen Agrarminister Christian Meyer sind weitaus mehr belastete Eier aus den Niederlanden in Deutschland verkauft worden als bislang bekannt. Nach neuesten Informationen handele es sich nicht nur um drei Millionen, sondern zehn Millionen Eier, sagte der Grünen-Politiker im ZDF. "Ich glaube, in Deutschland weitet es sich weiterhin aus."

Der Höhepunkt dieses Gifteier-Skandals sei noch nicht erreicht, so Meyer. Bislang gebe es aber noch keine Hinweise, dass auch von Hühnerfleisch eine Gesundheitsgefahr ausgeht. "Aber wir untersuchen auch das jetzt." Produkte, in denen Eier verarbeitet wurden, würden ebenfalls unter die Lupe genommen.

Gifteier in zwölf Bundesländern entdeckt

Am Donnerstagabend hatte der Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt in Berlin mitgeteilt, dass mittlerweile von zwölf betroffenen Bundesländern auszugehen sei. Eine Schlüsselrolle hätten Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Lage sei "unter Kontrolle", es gebe aber "noch keine Entwarnung", sagte der CSU-Politiker. Nicht betroffen sind bisher laut Bundesministerium die vier Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und das Saarland.

Fipronil war über das Anti-Läusemittel Dega-16 in die Eier gelangt. Das Mittel beruht eigentlich nur auf ätherischen Ölen wie Menthol und Eukalyptus. Vermutlich hatte ein belgischer Hersteller Fipronil beigemischt, obwohl das Mittel für die Geflügelzucht verboten ist.

In Eiern habe Fipronil nichts zu suchen, sagte Monika Lahrssen-Wiederholt vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Den Angaben zufolge besteht durch den Verzehr der belasteten Hühnereier aber "keine konkrete" Gesundheitsgefährdung. "Für die besonders empfindliche Verbrauchergruppe Kinder ist ein gesundheitliches Risiko nicht völlig auszuschließen", teilte das Landwirtschaftsministerium mit.

Quelle: n-tv.de, hul/dpa/AFP

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