Panorama

Astrazeneca Vakzin 2. Klasse Alexander Kekulé: "Impfstoffe 2.0 ab September"

35d74ed86953d4616aee4fde01160ab0.jpg

Alexander Kekulé von der Universität Halle rechnet damit, dass es bald einen Universalimpfstoff gegen alle Mutanten des Coronavirus geben wird.

(Foto: imago images/Future Image)

Die Mutanten des Coronavirus bereiten zunehmend Sorge. Denn wirken die derzeitigen Vakzine auch gegen die brasilianische oder die indische Variante? Virologe Alexander Kekulé setzt darauf, dass die Forscher schon in diesem Jahr neue, noch leistungsfähigere Impfstoffe entwickeln.

Alexander Kekulé erwartet schon im Spätsommer verbesserte Impfstoffe, die dann auch gegen Mutanten sehr wirksam sind. "Mit Impfstoffen der Generation 2.0, die auch zuverlässig gegen die neuen Varianten wirken, rechne ich etwa ab September", sagte der Virologe ntv.de. Natürlich werde es dann noch eine Weile dauern, bis sie im großen Stil zum Einsatz kommen. Ob es am Ende aber auf einen Impfstoff gegen alle Varianten hinauslaufe, sei noch offen, fügte der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle hinzu.

Theoretisch sei jedenfalls "ein Universalimpfstoff gegen alle Varianten des Pandemie-Virus Sars-CoV-2" durchaus vorstellbar, sagte Kekulé. Denn das Virus mutiere nicht "beliebig in alle Richtungen", sondern versuche, sich permanent hin zu einem optimalen Zustand zu verändern. "Es wäre denkbar, diese optimale Konfiguration mithilfe von Computerprogrammen vorherzusagen und einen Impfstoff zu entwickeln, der genau dagegen wirkt. Man würde das Virus sozusagen am Endpunkt seiner Entwicklung bereits erwarten. Ein solcher Impfstoff, der aus technischen Gründen am ehesten auf mRNA-Basis herstellbar wäre, könnte dann die Universalwaffe gegen das neue Virus sein", so Kekulé.

"Auch mit der zweiten Klasse kommt man ans Ziel"

Zugleich betonte Kekulé, dass er Astrazeneca und andere Vektorimpfstoffe für Impfstoffe zweiter Klasse hält. "Das muss man wohl so feststellen", sagte der Epidemiologe. "Aber auch mit einem zweitklassigen Impfstoff kann man sich ausreichend schützen, genauso wie man nicht nur in der ersten Klasse der Bahn ans Ziel kommt", fügte er hinzu. Die Welt könne froh sein, dass es die Vektorimpfstoffe gebe, zumindest, solange die mRNA-Impfstoffe noch nicht ausreichend verfügbar seien.

Er selbst übrigens würde sich durchaus mit Astrazeneca oder einem anderen Vektorimpfstoff wie Sputnik V impfen lassen, so Kekulé. "Ich bin 62 und männlich. Ich würde das machen. Bei Sputnik gibt es allerdings bislang keine Daten. Ich hätte mich auch gleich zu Anfang mit der chinesischen Geheimwaffe von Sinovac impfen lassen. Das ist ein Totimpfstoff, dessen Wirkprinzip seit der Pocken-Impfung des 18. Jahrhunderts tausendfach erprobt ist. Das Zeug wirkt womöglich nicht richtig, kann aber zumindest auch nicht schaden."

P.1 vereint übelsten aller üblen Eigenschaften

Als Basis für die Entwicklung neuer Impfstoffe wird die Forschung nach Dafürhalten von Kekulé besonders die sogenannte brasilianische Variante P.1 unter die Lupe nehmen. "P.1 vereint aus derzeitiger Sicht die übelsten aller üblen Eigenschaften des neuen Coronavirus", so Kekulé. Daher sei sie für die Impfstoff-Generation 2.0 besonders interessant. "Die derzeitigen Daten deuten darauf hin, dass ein Impfstoff gegen P.1 auch gegen die anderen bekannten "variants of concern" (Vertreter besorgniserregender Virusvarianten, Anm.d.Red.) aus Südafrika und dem Vereinigten Königreich schützen würde", so Kekulé.

Quelle: ntv.de, tar

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.