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"Ein wirklicher Renner" Allein die Bahn verkauft 2,7 Millionen Neun-Euro-Tickets

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Mit dem Neun-Euro-Ticket können Fahrgäste im Juni, Juli und August jeweils einen Monat lang bundesweit den Nahverkehr nutzen.

(Foto: dpa)

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Vor dem Start am 1. Juni sind schon fast drei Millionen Neun-Euro-Tickets verkauft. Bahnchef Lutz sieht die Aktion bereits jetzt als Erfolg. Doch er warnt auch: Auf Dauer hält das Bahnnetz einer wachsenden Nachfrage nicht Stand. Er fordert ein "radikales Umsteuern".

Von Neun-Euro-Tickets für den Nahverkehr hat allein die Deutsche Bahn bislang 2,7 Millionen Stück verkauft. Das sagte Vorstandschef Richard Lutz in Berlin. "Das zeigt jedenfalls, dass das Neun-Euro-Ticket kein Ladenhüter ist, sondern ein wirklicher Renner." Mit dem Fahrschein können Fahrgäste im Juni, Juli und August jeweils einen Monat lang bundesweit den Nahverkehr nutzen. Mit der Aktion sollen Pendler angesichts hoher Energiepreise entlastet werden und neue Kunden für Busse und Bahnen gewonnen werden. Die Aktionsfahrscheine sind bei allen Nahverkehrsunternehmen erhältlich.

Doch die Nachfrage trifft auf sanierungsbedürftige Schienen: Lutz forderte "einen Paradigmenwechsel in der Infrastruktur". Aus der überlasteten Infrastruktur müsse ein "Hochleistungsnetz" werden. "Noch nie waren auf dem deutschen Netz so viele Züge unterwegs wie in diesen Tagen", sagte Lutz in Berlin. Für die Bewältigung der hohen Fahrgastzahlen während der Geltungsdauer des Neun-Euro-Tickets würden zusätzliches Personal und Züge bereitgestellt, versprach er. Das Streckennetz sei der wachsenden Nachfrage im Personal- und Güterverkehr mittelfristig jedoch nicht gewachsen. Eine grundlegende Sanierung sei nötig, es brauche "ein grundsätzliches, ein radikales Umsteuern", sagte Lutz. "Ein Weiter-so ist definitiv keine Alternative."

Generalsanierung für bestimmte Strecken

Der Bahn-Chef forderte insbesondere eine Generalsanierung der besonders intensiv befahrenen Strecken. Hier sollten die geplanten Baumaßnahmen der kommenden Jahre in einem kürzeren Zeitraum gebündelt werden, schlug er vor. Für ein solches Vorgehen seien zwar längere Sperrungen nötig, erklärte die DB. Gleichzeitig sei aber auch eine bessere "Vorplanung mit höherer Verlässlichkeit und längeren Vorlaufzeiten für alle Beteiligten" möglich. Im Anschluss an die Baumaßnahmen soll auf den jeweiligen Strecken dann mehrere Jahre kein Baubedarf mehr bestehen.

Die konkreten Schritte für den Aufbau eines "Hochleistungsnetzes" würden zwischen der Bahn, dem Bund und Vertretern der Branche koordiniert, sagte Lutz. Mit den Baumaßnahmen soll im Jahr 2024 begonnen werden, jährlich sollen demnach zwei bis drei der wichtigsten Bahnstrecken modernisiert werden. Abgeschlossen werden soll die grundlegende Sanierung der Infrastruktur in der zweiten Hälfte der 20er Jahre.

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Aus Gewerkschaftssicht wird die angekündigte Generalsanierung bei der Bahn den Fahrgästen viel Geduld abverlangen. "Die Bahnverkehrsunternehmen und die Kunden werden durch ein Tal der Tränen gehen", sagte der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Klaus-Dieter Hommel. "Es wird Jahre dauern, bis es besser wird. Aber die Kunden werden das honorieren, weil die Situation auf der Straße auch nicht besser wird und sie umweltbewusst sind", bemerkte Hommel, der auch Vizechef des Bahn-Aufsichtsrats ist.

Die Zahlen der Bahn geben nicht die Gesamtzahl der deutschlandweit verkauften 9-Euro-Tickets wieder, da iese auch von den Verkehrsverbünden angeboten werden.

Quelle: ntv.de, chf/dpa/AFP

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