Wirtschaft

Verspätungen und Ausfälle drohen Bahn mit steigenden Passagierzahlen überfordert

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Vom Pünktlichkeitsziel im Fernverkehr ist die Bahn in diesem Jahr bereits signifikant weit weg.

(Foto: imago images/Marc John)

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Wenige Tage vor dem Start des Neun-Euro-Tickets prescht die Deutsche Bahn mit einer Hiobsbotschaft vor. Auf die hohen Passagierzahlen ist die Bahn bereits jetzt nicht vorbereitet. Kunden müssen mit Verspätungen und Ausfällen rechnen.

Die Deutsche Bahn sieht sich mit den wieder rasant steigenden Passagier- und Frachtzahlen überfordert und bereitet ihre Kunden auf Verspätungen und Ausfälle vor. Die steigende Nachfrage treffe auf einen Rückstau bei den nötigen Investitionen ins Netz, warnte Bahnchef Richard Lutz in Berlin. "Wir haben ein kurzfristig kaum auflösbares Dilemma: gleichzeitig wachsen und modernisieren." Die Betriebslage sei kritisch, die Verspätungen nähmen zu. "Noch nie gab es auf dem deutschen Streckennetz so viele Baustellen wie heute."

Der Modernisierungsbedarf werde aber in den nächsten Jahren weiter steigen. "Es braucht ein grundsätzliches, ein radikales Umsteuern. Ein 'Weiter so' ist definitiv keine Alternative." Das Pünktlichkeitsziel von 80 Prozent im Fernverkehr werde man verfehlen und "signifikant davon weg sein". Die Passagiere und die Fracht kämen nach der Corona-Flaute schneller wieder als erwartet. Dies treffe auf eine überalterte Infrastruktur, die mit dem jetzigen Baustellen-Management nicht wirklich saniert und die nötige Erweiterung der Kapazität nicht erreicht werden könne.

Wegen der zuletzt vom Bund deutlich erhöhten Mittel für das Netz sei Geld nicht das Problem. Ab 2024 wolle man nun die hochbelasteten Strecken einer Generalsanierung unterziehen und dann auch für längere Zeit sperren. Diese Sanierung werde für die Kunden schmerzhaft sein. Es werde größere Umleitungen geben. Die Schlüssel-Industrien sollten aber weiter beim Güterverkehr vorrangig versorgt werden.

Die Vorwarnung der Bahn kommt wenige Tage vor dem Start des Neun-Euro-Tickets. Vom kommenden Mittwoch an ist es möglich, ein Vierteljahr lang für neun Euro pro Monat den öffentlichen Nahverkehr in ganz Deutschland zu nutzen. Kritiker befürchten eine Überfüllung der Züge vor allem auf touristischen Strecken. Sie verweisen unter anderem auf die Erfahrungen bei der Einführung des Schönes-Wochenende-Tickets im Jahr 1995, als es zu chaotischen Zuständen in den Bahnen gekommen war.

Quelle: ntv.de, mba/rts

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